Pantani triumphiert am Mont Ventoux

14. Juli 2000, 14:25

Armstrong baut die Führung dank einer grandiosen Fahrt aus

Grafik: Societe du Tour


Armstrong und Pantani kurz vor dem Ziel
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Der windige Berg in der Provence hat schon zahlreiche Kletterer zur Verzweiflung gebracht.

Mont Ventoux - Marco Pantani hat den Höllenritt auf den 1.909 m hohen Mont Ventoux gewonnen und sich in der Weltspitze zurück gemeldet. Der 30-jährige Italiener feierte am Donnerstag auf der zwölften Etappe der 87. Tour de France von Carpentras über 149 km auf den Mont Ventoux seinen ersten Tour-Etappensieg seit seinem Gesamtsieg 1998. Vorjahressieger Lance Armstrong, der seinem Fluchtgefährten Pantani im Ziel nach dem kraftraubenden 21 km Schlussanstieg den Vortritt ließ, baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf den Etappen-Vierten Jan Ullrich auf 4:55 Minuten aus.

Seit 1967 wirft der Mont Ventoux einen tiefen Schatten auf die Tour. Am 13. Juli vor 33 Jahren starb der Engländer Tom Simpson drei Kilometer vor dem Gipfel. Bei 41 Grad Hitze hatten Amphetamine und Alkohol für einen Kreislauf-Kollaps gesorgt. Am Donnerstag kletterte das Thermometer am kahlen Gipfel nur auf sieben Grad, es herrschten Windgeschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometer. 300.000 Zuschauer feuerten auf den mythische Berg, der die Provence überragt, die Fahrer an und erlebten ein Ausscheidungsrennen, in dem sich Armstrong und Pantani am Stärksten erwiesen.

Luttenberger verlor 4:28 und fünften Gesamtrang

Peter Luttenberger konnte da nicht mithalten. Der Steirer fiel bereits am Beginn des Anstiegs aus der Gruppe um Armstrong, Pantani und Ullrich ab, kam als 27. mit einem Rückstand von 4:28 ins Ziel und verlor damit auch seinen fünften Rang in der Gesamtwertung. Luttenberger liegt nun mit 10:01 Minuten Rückstand auf Rang zehn, ist aber knapp vor dem Franzosen Laurent Jalabert noch bester Fahrer seines ONCE-Teams.

Denn auch Jalabert konnte nicht mit den besten Kletterern mithalten. Die Gruppe um Armstrong schluckte auf dem Schlussanstieg nach und nach eine neunköpfige Ausreissergruppe. Selbst Pantani konnte das Tempo auf dem bis zu 13 Prozent steilen Berg nicht immer halten, war phasenweise schon einige Sekunden hinter eine Sechser-Gruppe zurückgefallen, kämpfte sich aber zurück. Kaum aufgeschlossen, attackierte der in den Pyrenäen noch chancenlose Pantani fünf Mal.

Armstrong zeigte sich von seiner besten Seite

Er schien schon allein auf der Siegerstraße. Dann aber kam Armstrong von hinten förmlich angeschossen. Der große Kämpfer Ullrich war nicht mehr im Stande, zu folgen. Im Finale servierte Armstrong Pantani den Sieg auf dem Silbertablett. Der Italiener, der im Giro d'Italia des Vorjahres als Spitzenreiter wegen eines zu hohen Hämatokritwertes aus dem Rennen genommen worden war und erst im heurigen Giro nach einjähriger Rennpause zurückgekehrt ist, hatte dem Vorjahressieger aus den USA bei seinem großen Sieg in den Pyrenäen in Hautacam vor drei Tagen geholfen und bekam am Donnerstag das Dankeschön.

Ullrich verlor als Vierter 29 Sekunden, erkannte die Überlegenheit des Texaners an und konzentriert sich jetzt auf die Verteidigung des zweiten Platzes im Gesamtklassement. Das Gelbe Trikot und die Siegesprämie von rund 4,62 Mio. Schilling scheint für den Sieger von 1997 nach der Demonstration der Stärke von Armstrong schon vor den Alpen außer Reichweite. "Armstrong ist sehr, sehr stark. Ich hoffe, dass ich meine Form behalten kann. Um die Konkurrenz mache ich mir keine Gedanken - so springt vielleicht am Ende ein Platz auf dem Podium heraus."


Die Sieger am Mont Ventoux: Pantani und Armstrong

Pantani zeigte sich nach seinem Etappensieg überglücklich: "Für mich war es wichtig zu zeigen, dass ich immer noch gut fahren kann", erklärte er nach dem Rennen. Trotz seiner offensiven Fahrweise sei er aber noch nicht derselbe wie früher, meinte der Italiener. Er sei noch nicht zu hundert Prozent in Form. "Deshalb hatte ich zu Beginn der Steigung viel Mühe", so Pantani.

Bescheiden gab sich der bisherige Tour-Dominator Lance Armstrong: "Es ist nicht fair zu sagen, ich hätte ihn gewinnen lassen. Er war heute ein großartiger Kämpfer und hat sich den Etappensieg verdient", lobte der Gesamt-Führende den Italiener.


Zwölfte Etappe der Tour de France von Carpentras über 149 km auf den Mont Ventoux

1. Marco Pantani (ITA) 4:15:11 Stunden 2. Lance Armstrong (USA) gleiche Zeit 3. Joseba Beloki (ESP) 0:25 zurück 4. Jan Ullrich (GER) 0:29 5. Santiago Botero (COL) 0:48 6. Roberto Heras (FRA) 0:48 7. Richard Virenque (FRA) 1:17 8. Francisco Mancebo (ESP) 1:23 9. Manuel Beltran (ESP) 1:29 10. Christophe Moreau (FRA) 1:31 Weiter: 12. Laurent Jalabert (FRA) 2:01 17. Fernando Escartin (ESP) 3:12 18. Alex Zülle (SUI) 3:12 27. Peter Luttenberger (AUT) 4:28


Gesamtwertung:
1. Armstrong 48:50:21 2. Ullrich 4:55 zurück 3. Beloki 5:52 4. Moreau 6:53 5. Beltran 7:25 6. Virenque 8:28 7. Heras 8:33 8. Mancebo 9:42 9. Javier Otxoa (ESP) 9:46 10. Luttenberger 10:01 11. Laurent Jalabert 10:14 12. Pantani 10:26 (APA/dpa)

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