Wolfgang Amadeus und die "Mozartinnen"

12. Jänner 2007, 19:36
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Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet zum letzten Mal

Hadya Nassan-Agha fragt, wie es um Mozarts Kontakte zu den "Mozartinnen" seiner Zeit stand.

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Die Musikgeschichtsschreibung der vergangenen 200 Jahre hat den Einfluss von Sängerinnen, Musikerinnen und Komponistinnen auf das Werk Mozarts bestenfalls am Rande gestreift. Die weit gehende Ausblendung der bedeutenden Rolle, die Künstlerinnen im Leben des Komponisten spielten, ist das Ergebnis einer männlich dominierten Geschichtsschreibung, die Frauen in erster Linie als Statistinnen betrachtet. Heute vergisst man nur zu gerne, dass Mozart nicht nur seinen Sängern, sondern auch seinen Sängerinnen ihre berühmten Rollen "auf den Leib" schrieb.

Ohne Anna Lucia de Amicis, Aloisia Weber, Adriana Ferrarese del Bene, Caterina Cavalieri, Anna Gottlieb, Ann Storace oder Josepha Hofer würden sich viele Partien in Mozarts Opern anders anhören, und ohne die Klaviervirtuosinnen Barbara Ployer, Theresia Trattner und Josepha Auernhammer würde es einige von Mozarts Klavierkonzerten wahrscheinlich gar nicht geben. Über die hochbegabte "dicke Auerhammer", die sich unglücklich in Mozart verliebte, schrieb er einmal: "die freulle ist ein scheusal! – spiellt aber zum entzücken."

Am 31. Oktober 1784 gab es aus Anlass von Mozarts Namenstag in seiner Wohnung in der Schulerstraße übrigens eine "kleine Hausmusik", bei der es zum "Gipfeltreffen" der Pianistinnen Ployer, Auernhammer und Trattner kam. Anzunehmen ist, dass die Damen bei solchen Gelegenheiten auch eigene Kompositionen spielten, gehörte das Komponieren im 18. Jahrhundert doch zum Handwerkszeug jeder guten Musikerin.

Wie sehr Mozart komponierende Kolleginnen schätzte, zeigt sich u. a. auch darin, dass er der Komponistin Maria Theresia Paradies sein "herrliches Concert", das Klavierkonzert in B (KV 456), widmete. Die 1759 in Wien geborene und im Alter von dreieinhalb Jahren erblindete Paradies schrieb nicht nur 24 Klavierstücke, sondern auch sechs Opern.

Für eine Musikerin schrieb Mozart wenige Monate vor seinem Tod auch eines seiner letzten Werke, und zwar das Adagio und Rondo (KV 617) für die Glasharmonika- Virtuosin Marianne Kirchgeßner. Das Mozartjahr ist zu Ende, wie wäre es also, wenn ein Mozartinnenjahr folgen würde?

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    foto: michaela mandel
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