Zahlreiche Tote bei US-Luftangriffen

20. Jänner 2007, 19:27
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USA: Drahtzieher von Al-Kaida-Attentat auf Botschaften tot - Übergangsregierung: AC-130-Kampfflugzeug beschoss Terroristenversteck

Washington/Mogadischu/Nairobi - Die USA haben bei einem Luftangriff in Somalia am Sonntag nach eigenen Angaben einen Al-Kaida-Drahtzieher des Anschlags auf Botschaften der Vereinigten Staaten in Afrika 1998 getötet. Unklar sei aber noch, um welchen der drei Verdächtigen es sich handle, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter am Dienstag.

Die US-Regierung beschuldigt Abu Thalha al-Sudani, Fasul Abdullah Mohammed und Saleh Ali Saleh Nabhan, hinter den Bombenanschlägen auf US-Botschaften in Kenia und Tansania gesteckt zu haben. Es wurde vermutet, dass sie sich bei den islamistischen Truppen versteckten, die vor kurzem vor äthiopischen und somalischen Regierungssoldaten geflohen sind.

Am Sonntag griffen die USA Südsomalia an. "Das Ziel war die Spitze der Al-Kaida-Führung in der Region", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministerium in Washington.

Bei den Luftangriffen sind nach Informationen der von äthiopischer Militärhilfe abhängigen Übergangsregierung des ostafrikanischen Landes mindestens dreißig Menschen getötet worden. Augenzeugen berichteten, dass unter den Opfern sechs Mitglieder einer Familie seien, die gerade auf einer Hochzeitsfeier waren. "US-Kampfflugzeuge haben drei Dörfer im Grenzgebiet zu Kenia angegriffen", sagte Oberst Omar Addi am Dienstag in der Hafenstadt Kismayo. "Die Angriffe waren mit uns abgesprochen", bestätigte Addi.

"Terroristenversteck"

"Ziel war ein kleines Dorf, Badel, wo sich Terroristen versteckten", sagte der Sprecher der Übergangsregierung, Abdirahman Dinari, der damit einen Bericht des TV-Senders CBS bestätigte. Am Angriffsort lägen "viele Leichen. Wir wissen nicht, wer ist, aber der Angriff war ein Erfolg", sagte Dinari zur Nachrichtenagentur AFP.

BBC berichtet über weitere Luftangriffe am Dienstag. Sie galten dem Dorf Hayo in dem südlichen Zipfel Somalias und der Insel Badmado. Dort wurden laut Augenzeugen 22 und 27 Menschen getötet.

"Die Islamisten sind nicht da"

"Wahrscheinlich sahen die US-Flugzeugbesatzungen Eselskarren, die über Weideland fuhren, und dachten, es seien Islamisten auf der Flucht", erklärte ein Augenzeuge. "Die Leute verstehen nicht, warum die USA das Feld beschossen haben. Die Islamisten sind nicht da, sie sind Meilen entfernt." Der Vorfall habe sich unweit der Ortschaft Bankajirow ereignet.

Die USA setzten ein AC-130-Kampfflugzeug ein, das für den Vietnam-Krieg auf der Basis eines Transportflugzeuges entwickelt worden war. Es hat einen Propeller-Antrieb und ist mit elektronischen Sensoren und schweren Geschützen ausgestattet, die gezielte Angriffe erlauben.

Die USA haben den somalischen Islamisten, die nach der äthiopischen Militärintervention Ende Dezember Mogadischu kampflos aufgegeben hatten, vorgeworfen, Al-Kaida-Terroristen Unterschlupf gewährt zu haben. Die Miliz der Islamischen Gerichte, die die Hauptstadt ein halbes Jahr kontrolliert hatte, hat sich inzwischen in das südliche Grenzgebiet zu Kenia zurückgezogen.

Übergangsregierung: Luftangriffe "richtig"

Der somalische Übergangs-Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed hat den USA das Recht auf Luftangriffe gegen Mitglieder des Al-Kaida-Netzwerks "in aller Welt" zuerkannt. Auf einer Pressekonferenz in Mogadischu sagte der Präsident am Dienstag, die Angriffe der US-Luftwaffe seien "richtig" gewesen und "zur rechten Zeit" erfolgt.

Ahmed hat Verhandlungen mit den Islamisten grundsätzlich ausgeschlossen. Die USA wünschen eine Regierungsbeteiligung gemäßigter Islamisten. Nach Angaben der Afrika-Beauftragten des US-Außenministeriums, Jendayi Frazer, hat die US-Regierung bereits einen Dialog mit einem der Islamisten-Anführer, Sheikh Sharif Ahmed, in Gang gebracht, der zu einem Guerillakrieg gegen die Äthiopier aufgerufen hatte.

EU-Kommission missbilligt Luftangriffe

Die Europäische Kommission hat die US-Luftangriffe auf mutmaßliche Terroristenstellungen im Süden Somalias kritisiert. "Jegliche Vorfälle dieser Art sind auf längere Sicht nicht hilfreich", sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Dienstag in Brüssel. "Nur eine politische Lösung kann eine ernsthafte Aussicht auf Frieden und Stabilität in Somalia bringen."

Die Sicherheit in dem ostafrikanischen Bürgerkriegsland kann nach Auffassung der EU-Kommission "nur durch einen Abzug der äthiopischen Soldaten so schnell wie möglich" und durch den Aufbau einer internationalen Friedenstruppe gewährleistet werden. Wichtig sei auch, "mit den gemäßigten Vertretern der islamischen Gerichtshöfe den Dialog zu suchen". Die äthiopische Militärintervention in Somalia habe dem Land nicht mehr Sicherheit und Stabilität gebracht: "Was in den vergangenen Wochen passiert ist, ist keine Lösung", sagte der Kommissionssprecher. (red/APA/AP)

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    AC-130H im Einsatz über Afghanistan. Das Kampfflugzeug kann bis zu 1,800 Schüsse pro Minute aus seiner 25-Millimeter-
    Bordkanone abfeuern, zusätzlich ist es mit großkalibrigeren Waffen ausgerüstet.

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  • Laut CNN getötet: Mutmaßlicher Al-Kaida-Mann Fazul Abdullah Mohammed.
    foto: epa

    Laut CNN getötet: Mutmaßlicher Al-Kaida-Mann Fazul Abdullah Mohammed.

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    Der somalische Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed gestattete US-Luftangriff.

  • Islamistenchef Sheikh Hassan Dahir soll mit Bin Laden kooperiert haben.
    foto: epa

    Islamistenchef Sheikh Hassan Dahir soll mit Bin Laden kooperiert haben.

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