Keine Konkurrenz, sondern Ergänzung: "Made in Germany" in Hannover

8. Jänner 2007, 20:01
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Drei Museen wollen dort parallel zur internationalen Ausstellung eine Übersichtsschau mit zeitgenössischer Kunst aus Deutschland zeigen

Hannover - Die Kasseler Weltkunstschau documenta bekommt in diesem Sommer einen kleinen Mitbewerber in Hannover: Dort wollen drei Museen mit der Überblicksausstellung "Made in Germany" junge in Deutschland arbeitende Künstler präsentieren und bewusst von der Magnetwirkung der documenta profitieren.

"Ich freue mich, wenn die documenta andere in Bewegung setzt", sagt documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld, der das Projekt in Hannover nicht als Konkurrenz sieht. Parallel zum Kasseler Kunstspektakel buhlen außerdem die "Skulptur Projekte Münster", die Kunstmesse Art Basel und die Biennale in Venedig in diesem Sommer um die Gunst der Kunstliebhaber.

Keine Konkurrenz, sondern Ergänzung

"Wir wollen uns nicht gegen die documenta positionieren und nicht als neue documenta präsentieren", sagt die Sprecherin der "Made in Germany"-Ausstellung (25. Mai bis 26. August), Beate Anspach. Vielmehr sei das Projekt als Ergänzung zu Kassel geplant. "Unser Interesse ist es, die internationale Kunstszene zu erreichen." Erstmals haben für die Ausstellung die drei modernen hannoverschen Kunstmuseen - das Sprengel Museum, die Kestnergesellschaft und der Kunstverein Hannover - eine Zusammenarbeit vereinbart.

"Wir wollen junge Künstler zeigen, die in Deutschland arbeiten", sagt der Direktor der Kestnergesellschaft, Veit Görner. "Wie sieht die nächste Generation aus?" "Made in Germany" solle rund 50 Künstler sowohl deutscher als auch ausländischer Herkunft präsentieren. "Warum ist gerade Deutschland und vor allem Berlin zunehmend Anziehungspunkt für Künstler aus dem Ausland?", sei eine der Fragestellungen.

Schlaglicht auf Kunstszene

Wenn es mit der Ausstellung gelinge, ein Schlaglicht auf die Kunstszene zu werfen, sei eine Wiederholung, beispielsweise im Fünfjahresrhythmus der documenta denkbar, meint Görner. Ähnlich wie bei der documenta ist außerdem ein umfangreicher zweisprachiger Katalog (deutsch/englisch) geplant. Dieser solle "das Kunstland Bundesrepublik erfassbar machen".

Zur Auswahl der Teilnehmer seien rund 100 Künstler begutachtet und zumeist auch in ihren Ateliers besucht worden, sagt Görner. Das Augenmerk habe dabei nicht auf den bereits in den neunziger Jahren bekannt gewordenen Künstlern gelegen, sondern auf der folgenden Generation, die an der Grenze stehe, sich einen Namen zu machen. Auf der vorläufigen Teilnehmerliste stehen unter anderem der Brite Jonathan Monk, der Däne Jeppe Hein, Ingar Dragset aus Norwegen sowie die deutschen Künstler Björn Melhus, Daniel Roth und Christoph Keller. Arbeitsort der ausgewählten Künstler ist zumeist Berlin, auch aber Hamburg, Leipzig oder München.

Publikum der documenta gewinnen

"Man verspricht sich auch in anderen Städten, an das Publikum der documenta heranzukommen", sagt Leifeld. "Das ist auch in Ordnung." Mit der Art Basel, die ihren Eröffnungstermin auf die documenta abgestimmt habe, sei für dieses Jahr sogar eine Zusammenarbeit mit Blick auf die US-Besucher geplant. Die 1955 erstmals organisierte documenta gilt als weltweit wichtigste Ausstellung moderner Kunst und lockte 2002 rund 650.000 Besucher an. Die kommende documenta läuft vom 16. Juni bis zum 23. September 2007.

Zu der "Made in Germany"-Ausstellung würden 35.000 bis 40.000 Besucher erwartet, sagt Kunstvereins-Chef Stephan Berg. "Wir müssen darauf setzen, dass der documenta-Effekt greift." Hannover bilde mit Kassel und der Skulpturenschau in Münster ein Achse, die für Besucher interessant sei. Viele documenta-Besucher reisten ohnehin über den Flughafen Hamburg an, so dass Hannover auf dem Weg liege. (APA/dpa)

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