Extrazimmer alleine schützt nicht vor Rauch

6. Februar 2007, 22:12
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Umweltministerium plädiert für völliges Rauchverbot in Lokalen und Büros

Eine geschlossene Tür reicht nicht, um Nichtraucher vor den gesundheitlichen Folgen des Passivrauchs zu schützen. Zu diesem Schluss kommt ein Arbeitskreis des Umweltministeriums, die in einem Positionspapier daher sogar für ein völliges Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Innenräumen eintritt. Ob die neue Regierung diese Forderung aufgreift, steht noch nicht fest.

Fühlen sich Nichtraucher durch Nikotinkonsum gestört, dann meist besonders wegen des Geruchs des verglühten Tabaks. Tatsächlich ist dieser aber für eine gesundheitliche Gefährdung nicht der entscheidende Indikator. Viele Rauchinhaltsstoffe sind auch in einer Konzentration noch schädlich, die der Mensch nicht mehr riechen kann.

Die Schlussfolgerung des "Arbeitskreises Innenraumluft": Entweder ein völliges Rauchverbot oder massive technische Aufrüstungen in den Gebäuden. Denn wie der interdisziplinäre Arbeitskreis aus Toxikologen, Medizinern, Chemikern, Messtechnikern und Juristen in seinem dem Standard exklusiv vorliegenden Positionspapier festhält, hat die derzeit in der Speisegastronomie zulässige Regelung der Trennung von Rauchern und Nichtrauchern gesundheitlich wenig Sinn.

Neue Untersuchungen

Denn wenn das Raucherzimmer nur natürlich oder unzureichend mechanisch entlüftet wird, können sich die Rauchinhaltsstoffe erstaunlich schnell in andere Räume verbreiten, hätten neue Untersuchungen gezeigt. Eine Tür, die ständig auf und zu geht, reicht demnach auf keinen Fall aus. Ein weiteres Problem aus Sicht des Umweltministeriums: Klimaanlagen mit Umluftbetrieb, die Giftstoffe vom Raucher- in das Nichtraucherbüro transportieren.

Nur mit aufwändigen strömungstechnischen Analysen und Berechnungen könne beispielsweise in der Gastronomie eine tatsächliche Trennung der Bereiche nachgewiesen werden, stellen die Experten fest. Das Gesundheitsministerium hat für die Kontrolle der derzeit existierenden Regelung lediglich Überprüfungen per Augenschein angekündigt.

Geld für's Ausdämpfen

In Italien hat der Regierungswechsel übrigens nicht zu einem Umdenken geführt. Die Mitte-links-Koalition plant im Gegenteil weitere Anti-Tabak-Maßnahmen. So sollen Betriebe, die ihre Mitarbeiter zum Zigarettenverzicht bringen, auch finanziell unterstützt werden, wie Gesundheitsministerin Livia Turco ankündigte. Ausstiegswillige Raucher sollen mit einem Steuerrabatt geködert werden. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 09.01.2007)

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    illustration: der standard
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