Wie riecht Wien?

23. Februar 2007, 16:11
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Forschungsprojekt will typische Düfte und auch Berührungseindrücke der Bundeshauptstadt erfassen

Wien - Flieder, Würstel, Kaffee, Torten oder Rossäpfel - der Duftcocktail, der zum typischen Flair der Bundeshauptstadt beiträgt, steht im Mittelpunkt eines interdisziplinären Forschungsprojekts von Kunstphilosophen, Chemikern, Botanikern, Designern und Kunstpädagogen. Im Rahmen des 2007 gestarteten und vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) geförderten Projekts sollen unter anderem ein Duftkalender sowie Duftkarten Wiens erstellt werden.

"Tast- und Duftdesign: Ressourcen für die Creative Industries in Wien" ist der Titel des Forschungsprojekts, das unter anderem von Wissenschaftern der Uni Wien sowie der Universität für Bodenkultur (Boku) erarbeitet wird. Am Beispiel ausgewählter Parks und Gärten, des öffentlichen Verkehrs, von Kaffeehäusern, öffentlichen Plätzen, Antiquitätenläden und Spielplätzen wird das Team mit unterschiedlichen Methoden untersuchen, welche Gerüche und Tastmaterialien die spezifischen Sinneslandschaften Wiens ausmachen und wie sie von der Stadtbevölkerung bewertet werden, heißt es in einer Aussendung der Boku am Montag.

Duftführungen

"Düfte und Materialien sind Qualitäten, die zumeist unbemerkt bleiben, uns aber an einen Ort binden oder die Erinnerung an eine Stadt nachhaltig prägen", so die Forscher. Jahreszeiten, Räume und Feiern sind stets mit Gerüchen verbunden, die Atmosphäre der Stadt ist auch diesen Gerüchen zu verdanken. Durch Interviews, unter anderem mit Migranten, Duftmessungen und Duftanalysen in ausgewählten Wiener Stadtteilen möchten die Forscher einen Duftkalenders und Duftkarten der Stadt Wien erstellen. Als Alternative zu geläufigen Stadtführungen sollen Möglichkeit gefunden werden, "Duftführungen" zu organisieren.

Außer den Düften werden auch die Eindrücke der Berührungen von Materialien etwa in Cafés, im öffentlichen Verkehr oder auf Spielplätzen untersucht. Es soll geklärt werden, wie Wien eigentlich für Blinde und Rollstuhlfahrer "aussieht". Letztendlich soll eine Datenbank der spezifischen Wiener Gemütlichkeit zum Gebrauch von Architekten und Designern erstellt werden. (APA)

  • Auch der Duft von Flieder trägt zum typischen Flair Wiens bei.

    Auch der Duft von Flieder trägt zum typischen Flair Wiens bei.

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