Denn sie wissen, was sie tun....

26. Juli 2007, 12:58
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Schlechte Ernährungs- gewohnheiten lassen sich nur durch Wissen und Aufklärung verändern, dachte Christian Matthai - Die Wahrheit in einer neuen Kolumne

Es ist doch immer wieder erstaunlich was, wie viel und vor allem wann Menschen essen. Wenn ich früh morgens beim Betreten des Krankenhauses eilig das Buffet passiere, verirren sich regelmäßig eigenartige Gerüche in meine Nase.

Nein, nicht die von der Pathologie. Es muss sich dabei um olfaktorische Halluzinationen handeln. Dachte ich. Denn beim Geruch von warmem, vor Fett triefendem Leberkäse und das um 07:30 Uhr morgens, kann es sich nur um einen Irrtum handeln.

Eine üppige Portion Senf

Die Realität belehrt mich eines Besseren. Immer wieder sehe ich Menschen, die genüsslich dieses gepresste Stück Fleisch in sich hineinschlingen. Gekaut werden muss nicht. Eingequetscht zwischen zwei Hälften einer, zumindest ernährungsmedizinisch wertlosen Semmel, dekoriert mit einer üppigen Portion Senf, die sich langsam zwischen den Fingern verteilt.

Einbildung oder fehlende Bildung

Mit einem dicken Kloß im Magen musste ich also feststellen, dass es sich bei dem Geruch nicht um eine Einbildung, sondern eher um fehlende Bildung handelt. Denn wüsste die "Gemeinde der Leberkäseliebhaber", aus welchen Bestandteilen Leberkäse hergestellt wird und welche gesundheitlichen Konsequenzen der regelmäßige Verzehr dieser Fettbombe hat, würden sie es sich gut überlegen. Dachte ich.

Neulich im Sozialraum

Neben dem fetten, hat das für mich auch einen bitteren Beigeschmack. Neulich im Sozialraum. Der Raum, in dem man seine Hand wegen des Zigarettenrauches kaum vor Augen sieht. Anderes Thema. Aber gleiches Phänomen. – Denn wenn die Raucher wüssten…..dachte ich und hatte gleichzeitig diese päckchenweise verteilten riesigen Warnungen vor Augen. Nur kurz. Denn da war er wieder. Der Geruch. Zwei Krankenschwestern stehen neben mir. Mit ihrer "Jause". Mahlzeit. Was? Natürlich Leberkäse, was sonst?

Nach einem kurzen Versuch die beiden Damen zu belehren, war eines klar: Mit Wissen hat das nichts zu tun. Sie versicherten mir Leberkäse genau einmal im Jahr zu essen. Sicher, dachte ich. Wer will schon hören, was man theoretisch weiß und praktisch nicht tut?

Das Sandkistensyndrom

Das sollten wir eigentlich aus der Sandkiste kennen. Generationen von Müttern waren und sind mit Belehrungen zum Scheitern verurteilt. Aber das haben die Verantwortlichen von "Warnungen des Gesundheitsministeriums" wahrscheinlich schon vergessen. Vielleicht wissen auch sie manchmal nicht so genau was sie tun.

100 Gramm Leberkäse...

... liefern in etwa 300 Kilokalorien an Energie und beinhalten knapp 30 Gramm reines Fett. Die im Leberkäse enthaltenen tierischen Fettsäuren und die durch das Zubereiten entstehenden Trans-Fettsäuren wirken sich von allen Fettsäuren am ungünstigsten auf den Cholesterinspiegel aus.

Sie erhöhen das (schlechte) LDL-Cholesterin und senken das (gute) HDL-Cholesterin – ein Szenario, das das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöht.

Leberkäse wird überwiegend aus Abfallprodukten hergestellt und in den meisten Fällen auf eine die Gesundheit sehr belastende Art und Weise zubereitet.

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Christian Matthai – Woman&Health

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    foto: standard/matthias cremer
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