Alkoholmissbrauch und Krampfadern

  • Magnetresonanztomografie von Ösophagusvarizen bei ausgeprägter Leberzirrhose.
    foto: pruenergang.de

    Magnetresonanztomografie von Ösophagusvarizen bei ausgeprägter Leberzirrhose.

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Fallstricke für Alkoholiker - warum Krampfadern in der Speiseröhre als Folge von Leberzirrhose zum Super-GAU werden

Die Wenigsten hören es gerne, aber man kann es nicht oft genug sagen: Zu viel Alkohol ist Gift. Und zwar besonders für die Leber, die unter der Belastung zusammenschrumpft und ihre Funktion verliert. Dass Alkoholmissbrauch allerdings auch für die Bildung von Krampfadern verantwortlich sein kann, ist wenig bekannt. Von Ösophagusvarizen sprechen Mediziner, wenn sich krankhaft erweiterte Venen in der Speiseröhre bilden.

Schlechter Blutfluss

Indirekt sind sie eine Folge der Leberschädigung. Wenn das Entgiftungsorgan des Menschen sich über die Jahre verhärtet und schrumpft - die Rede ist hier von Leberzirrhose -, kann auch das Blut nur mehr schlecht durchfließen. Es staut zurück, sucht neue Wege, und auf diese Weise bilden sich dann Krampfadern in der Speiseröhre. Und sie werden oftmals des Alkoholikers größtes, weil lebensbedrohendes Problem.

"Bei Leberzirrhosen liegt Österreich in Europa an der Spitze", sagt Ivo Graziadei, stellvertretender Leiter der Abteilung für Hepatologie und Gastroenterologie der Medizinischen Universität in Innsbruck.

Trauriger Rekord

Jährlich sterben von 100.000 Österreichern 38 an einer Leberzirrhose. Allerdings: Nicht nur Alkoholabusus, sondern auch chronische Virus-Hepatitis und die nicht alkoholische Fettleber, die unter anderem durch Übergewicht und hohe Blutfette verursacht wird, können dafür verantwortlich sein. "Häufig liegt ein Mischbild vor, denn wer gut isst, der trinkt auch gerne", kann Graziadei aus Erfahrung berichten.

Krampfadern in der Speiseröhre

Die Hälfte aller Leberzirrhotiker entwickeln Ösophagusvarizen. Das Fatale an dieser Folgeerkrankung der Leberzirrhose: Sie verursacht primär keine Beschwerden. "Zum Super-GAU wird es für den Leberzirrhotiker, wenn die Varizen platzen", erklärt der Hepatologe die lebensbedrohende Situation. Die Patienten verlieren innerhalb kurzer Zeit sehr viel Blut und brauchen sofort notärztliche Hilfe.

Graziadei sieht das Problem nicht nur im Schock, der durch den massiven Blutverlust droht, sondern in der nachfolgenden Verschlechterung der Leberfunktion: "Diese kann schlussendlich zum Leberversagen und damit zum Tod des Patienten führen."

Magenspiegelung

Einmal abgesehen vom Alkoholproblem sollten die gefährlichen Varizen allerdings nicht erst dann behandelt werden, wenn sie zu bluten beginnen. Bei jedem Patienten mit Leberzirrhose sollte unabhängig von der Schwere der Erkrankung eine Magenspiegelung durchgeführt werden. Bei Krampfadern in der Speiseröhre muss prophylaktisch eine Blutung im Vorfeld verhindert werden.

Keine Zerreißprobe

Zwei Methoden stehen derzeit zur Verfügung. Beide reduzieren nachgewiesenermaßen deutlich das Blutungsrisiko. "Mithilfe von Beta-Blockern versucht man, den Druck im Pfortadersystem medikamentös zu senken", erklärt Graziadei die erste mögliche Variante. Weil Krampfadern in der Speiseröhre das Resultat eines erhöhten Blutdrucks in der Pfortader - dem Gefäß, das Blut vom Darm zur Leber transportiert - sind, setzt man hier an. Wird der Blutdruck gesenkt, reduziert sich auch der Druck auf die Venen, und das wirkt sich positiv aus.

Gummibänder

Die zweite Methode: Alternativ zur medikamentösen Prophylaxe können Varizen während der Magenspiegelung mit Gummibändern, so genannten Bandligaturen, abgeschnürt werden. "Als Vorbeugung kann das eine wichtige Maßnahme sein", sagt Graziadei. Wird die Diagnose Leberzirrhose erst nach der ersten Ösophagusvarizenblutung gestellt, rät der Leberexperte trotzdem zur Bandligatur oder medikamentösen Prophylaxe.

Neue Blutungen

Denn ohne diese, erklärt er, kommt es bei 70 Prozent der Patienten zu einer zweiten Blutung. Alles, was bleibt, ist dann Troubleshooting, denn ist die Leber erst einmal geschädigt und haben sich Ösophagusvarizen gebildet, kann keine Therapie diesen Umstand mehr rückgängig machen. (phr/MEDSTANDARD/08.01.2007)

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