Klassische Ausrutscher

6. Jänner 2007, 17:00
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"Leadership Mistakes" nennt man im Fachjargon jene Bananenschalen, auf denen Manager gerne ausrutschen

Eine Anleitung zur Reflexion - aus einem Gespräch mit Executive-Coach Claudia Daeubner.

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Beratung und Coaching in Führungsfragen erlebt seit einigen Jahren einen echten Boom. Claudia Daeubner gehört zu jenen, die schon lange im Geschäft sind - und beobachtet, dass es erfolgreiche Manager auszeichnet, bestimmte große und kleine Fallen zu kennen und um sie einen weiten Bogen zu machen.

Dazu gehöre: "Die Fehlerquelle ,Vorbeten statt vorleben' sprudelt nach wie vor in vielen Unternehmen", so Daeubner. "Walk the talk" sei eine Notwendigkeit. Als "unausrottbar" bezeichnet sie, sich ausschließlich für "dominantes Verhalten" zu entscheiden. Dadurch werde wertvolles Beziehungsporzellan zerschlagen, und apropos: "Einen Kardinalfehler stellt die Unkenntnis der Vertrauens- und Beziehungskonten, die wir alle konstant im Kopf führen, dar."

Als "tödlichen Fehler" ordnet sie ein, "sich die Federn anderer an den Hut zu stecken". Dies bleibe langfristig sicher nicht ohne Konsequenzen. Zum wahren Erfolg gehöre es dagegen, zu erkennen, dass "man Loyalität nicht kraft seiner Funktion erwirbt, sondern sich verdienen muss".

Im Umgang mit Mitarbeitern laufe bisweilen auch einiges schief, sagt Daeubner. Etwa der Fokus der Chefs auf das Fehlverhalten. "Das weiß man ja auch aus der Kindererziehung - alles, was Beachtung findet, verstärkt sich." "Catch your people doing something right" sei die wirksame Alternative.

Motivations- und Performance-"Killer" Nummer eins sei, nicht unterscheiden zu können, ob Mitarbeiter Nähe, Zeit, Anerkennung oder fachlichen Input benötigen. Micromanagement und das "Runtermanagen" von Ebenen seien zudem auch Zeit-"Killer". In diesen Bereich ordnet Daeubner auch "den häufig auftretenden Kardinalfehler Kommunikationsdefizit" ein. Dieses löse Verwirrung, Frustration, Widerstand und sehr oft Angst aus.

Wer frisch in Führungsfunktion sei, sei bisweilen auch zu vertrauensselig. Über die Mutation von Kollegen zu Rivalen gibt's dann die große Überraschung - genauso wie durch das Unterschätzen "informeller Chefs" in den Unternehmensreihen.

Bei Frauen beobachtet sie, dass diese intern und extern gerne lediglich mit jenen Menschen networken, die sie ohnehin schon kennen. Aus Daeubners Sicht ein Fehler. Genauso wie der Hang dazu, die Macht der Emotionen zu unterschätzen und zu meinen, Menschen funktionierten ausschließlich rational in der Firma. "Es ist ganz wichtig, auf Gefühle, die wie Backgroundmusik immer da sind, zu achten." Gefährlich sei es auch, zu meinen, dass "Menschen so sind". Alle haben ihre Lieblingsverhaltensmuster, entscheiden sich ständig, wie sie sich verhalten. Daeubner: "Auch der Dominanteste wird handzahm bei ihm wichtigen Personen."

Mobbing und Bulling seien immer Chefsache und müssten von dort aus abgestellt werden, ebenso wie dahinschwelende Konflikte Fehlerquellen seien und diffuse, überschneidende Kompetenzbereiche bereinigt gehörten.

Die größten Fehler bei der Trennung von Mitarbeitern sieht sie darin, den Scheidenden keine "Beißhemmung" im Sinne eines würdigen Abgangs zu geben. Spätestens wenn diese Leute beim Mitbewerb auftauchten, gebe es Probleme. Als "gravierend" bezeichnet sie, das Personalmanagement nicht in hochkalibrige Hände zu legen und diesem Bereich wenig Aufmerksamkeit zu schenken. "Das rächt sich mit Sicherheit." Desgleichen die Taktik, die besten Leute in Komitees zu stecken und mit "internem Kram" zuzuschütten.( kbau, Der Standard, Printausgabe, 5./6./7.01.2007)

  • Das allgemein gültige Erfolgsrezept wird vermutlich nie gefunden. Klassische Managementfehler lassen sich aber auflisten - und zum eigenen Wohle vermeiden.
    foto: cremer, scci

    Das allgemein gültige Erfolgsrezept wird vermutlich nie gefunden. Klassische Managementfehler lassen sich aber auflisten - und zum eigenen Wohle vermeiden.

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