Ikonografie der Pirin-Berge

20. Jänner 2007, 17:00
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Mineralwasser bringt der Kunsthandwerksstadt Bansko prickelnde Besucherzahlen

So ganz neu ist das ja nicht mit dem freien Personen- und Warenverkehr zwischen Bulgarien und dem Rest Europas. Bereits Ende des siebzehnten Jahrhunderts entschloss sich Toma Vishanov für einen kurzfristigen Studienaufenthalt in Wien und kehrte als Toma Molera in seine Heimatstadt Bansko, rund 160 Kilometer südwestlich von Sofia, zurück. Molera, also der Maler, gründete dort eine Kunstschule, die ganz Bulgarien zu einem Revival der Ikonografie und der Holzschnitzerei verhalf und schließlich zu großem Reichtum aufgrund des regen Handels mit der Handwerkskunst. Im nahen Unesco-Weltkulturerbe, dem Rila-Kloster, hinterließ die Schule deutlich ihre Spuren, aber die Nachfrage und der Handel reichten bis zum griechischen Berg Athos und in die orthodoxen Klöster Mazedoniens und Serbiens.

Das ist den Skifahrern, die heute vornehmlich aus England, Griechenland und Russland nach Bansko kommen und der Region spürbaren Aufschwung bescheren, zunächst einmal recht egal. Zu atemberaubend liegt der Ort in die Landschaft des Piringebirges eingebettet, als dass sich die Kulturgeschichte, die sichtbar bis zu den Thrakern zurückreicht, aufdrängen würde. Recht chancenlos bei der Kulturvermittlung sind auch die kleinen ethnografischen und handwerklichen Sammlungen der Museen von Bansko, denn der relativ saisonunabhängige Outdoor-Geheimtipp hat da noch einen zweiten, ausbaufähigeren Trumpf im Ärmel.

Sprudel-Ressourcen

Im nur sechs Kilometer entfernten Banya ist der Name Programm. Alleine hier sprudeln seit Urzeiten 25 wohltemperierte (zwischen 28 und 58°) Mineralwasserquellen, die das Potenzial haben, die beiden Städte zu einem bulgarischen Bad Kleinkirchheim zu machen. Braun geflieste Osteuropa-Badefreuden gehen sich gerade noch im balneologischen Gesundheitszentrum von Banya aus, allerdings hat eben erst ein Konsortium, bestehend aus der österreichischen bg-real GmbH und einem irischem Investmentfonds, den Grundstein für das gigantische "Banya Spa- und Wellness-Resort" gelegt. Dass die Kombination aus ganzjähriger Bergbenutzung mit Wellness-Ausklang erst 2008 mit der Fertigstellung dieses Projektes funktionieren wird, trifft allerdings keineswegs zu.

Bansko hat bereits sein Kempinski-Resort mit eigenem Spa-Bereich, beheiztem Outdoor-Pool und einer lokal gefärbten Interpretation der Kempinski-Außenarchitektur, die sich irgendwo zwischen Tiroler Hotelburg und Appartement-Siedlung bewegt. Oder sein Vier-Sterne-Schloss Vaptzarov, das nur äußerlich als Teil der Stadtmauern Banskos Eroberungsversuchen trotzen konnte - innen hat man der Belagerung durch die Gemeindebau-Optik bereits nachgegeben.

Umso erstaunlicher sind da Randerscheinungen wie die Villa Roka, ein launiges Design-Experiment, das sich selbst vollkommen zurücknimmt, um für das Pirin-Gebirge mit großen Fensterflächen offen zu bleiben. Pauschale "Preiswunder" wie sie die Tui für eine Woche Unterkunft und Halbpension mit Skipass und Flug in Bansko bereits anbietet, darf man sich hier nicht erwarten, aber Zimmerpreise ab 75 ¬ mit Halbpension in der Villa Roka, sind angemessen für den eigenen Spa-Bereich oder Service-Leistungen wie den Shuttle-Dienst zum Ski-Lift.

Momentan muss man Bansko noch ein wenig entgegenkommen, um Sechs-Tages-Skipasspreise von rund 140 ¬ in Anspruch nehmen zu können. Ab Bratislava sind Mindestpreise von 19 ¬ (pro Strecke inkl. Gebühren) für den Flug mit Sky Europe nach Sofia möglich, ab 25. März wird diese Strecke zum selben Mindestpreis auch direkt ab Wien bedient. Selbst wer sich nicht auf die zugegebenermaßen etwas mühsame Variante mit einem der vier Busse vom Stadtzentrum Sofias nach Bansko anzureisen, verlassen will, findet Alternativen. Bansko bietet einen frei zu vereinbarenden Taxi-Shuttle-Dienst direkt vom Flughafen an, der für 76 ¬ bis zu drei Personen (größere Minibusse sind ebenfalls vorhanden) direkt zum Hotel bringt. (Sascha Aumüller/Der Standard/Printausgabe/6./7.1.2007)

  • Die einstigen Quellen für Banskos Reichtum - die neuen sprudeln und liegen nah genug am Skiberg.
    foto: pictures of bulgaria

    Die einstigen Quellen für Banskos Reichtum - die neuen sprudeln und liegen nah genug am Skiberg.

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