Militäreinsatz in Rio angeordnet

21. Jänner 2007, 16:31
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Bürgermeister kündigt Kampf gegen Kriminalität an - Spezialeinheit sichert Karneval und Pan-Amerikanische Spiele

Die Forderung des neu angelobten Gouverneurs von Rio de Janeiro, Sergio Cabral, gegen die überhand nehmende Kriminalität zusätzliche Sicherheitskräfte einzusetzen, wird erfüllt. Verteidigungsminister Waldir Pires gab am Donnerstag bekannt, dass Angehörige von Luftwaffe, Heer und Marine noch vor Beginn des berühmten Karnevals Mitte Februar unter anderem Patrouillenaufgaben in der zweitgrößten Stadt Brasiliens übernehmen werden. Die Eliteeinheit "FSN" soll zunächst entlang der Grenzen des Bundesstaates eingesetzt werden, um Waffen- und Drogentransporte zu unterbinden.

Gouverneur Cabral verlangt härtere Gesetze, um die wachsende Kriminalität bekämpfen zu können: "Den Banditen muss klar sein, dass sie es teuer bezahlen werden, wenn sie Unschuldige töten. Was diese Banditen machen, ist Terrorismus."

40 Polizisten getötet

Eine Attentatswelle der Drogenmafia hatte in Rio seit dem 28. Dezember 24 Todesopfer gefordert. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen im Mai des Vorjahres starben in Sao Paulo 200 Menschen, darunter 40 Polizeibeamte.

Gouverneur Cabral rechtfertigt den Militäreinsatz: Man könne diese Maßnahmen auch als Vorverlegung der besonderen Sicherheitsvorkehrungen verstehen, die anlässlich der Panamerikanischen Spiele im Juli in Rio nötig sein würden. Zu der Sportveranstaltung, an der Athleten aus zahlreichen Ländern des amerikanischen Kontinent und der Karibik teilnehmen, werden tausende Besucher erwartet.

Erinnerungen an die Militärdiktatur

Kritiker des Militäreinsatzes erinnern an die Zeiten der Diktatur. Die Soldaten dürften höchstens in der Umgebung ihrer Kasernen patrouillieren, wird verlangt – die Polizeikräfte, die dadurch frei würden, könne man zur Kriminalitätsbekämpfung heranziehen. Die Erinnerung an die Herrschaft der Generäle ist in Brasilien noch frisch: erst seit 1985 gibt es freie Wahlen.

Der Abgeordnete Antônio Carlos Magalhães von der oppositionellen Rechtspartei PFL, der unter der Herrschaft General Castello Brancos (1964 bis 1967) Kommunikationsminister war, lobte erst kürzlich die "moralische Aufrichtigkeit" der Militärdiktatur, bezeichnete die Regierung Präsident Lula da Silvas als "Diktatur der Gewerkschaften" und forderte die Streitkräfte auf, gegen die "korrupteste Regierung, die Brasilien je hatte", vorzugehen. (bed)

  • Die 7700 Mann starke Polizei-Sondereinheit "Força Nacional de Segurança Pública" (im Bild beim Training) wurde 2004 von Präsident Lula da Silva ins Leben gerufen und bisher nur in zwei Bundesstaaten eingesetzt.
    foto: ana nascimento/abr

    Die 7700 Mann starke Polizei-Sondereinheit "Força Nacional de Segurança Pública" (im Bild beim Training) wurde 2004 von Präsident Lula da Silva ins Leben gerufen und bisher nur in zwei Bundesstaaten eingesetzt.

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    Die zunehmende Gewalt in Rio de Janeiro ist den brasilianischen Behörden zufolge eine Reaktion der Drogengangs auf das brutale Vorgehen paramilitärischer Einheiten, die aus ehemaligen und amtierenden Polizisten bestehen sollen.

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