Manische Magier: "The Prestige" im Kino

5. Jänner 2007, 13:50
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Christopher Nolan legt seinen Zaubererfilm als Labyrinth aus Rückblenden an

Wien – Ein guter Zauberer verrät seine Geheimnisse nicht, denn ohne sie ist er nichts. Christopher Nolans neuer Film "Prestige – Die Meister der Magie" ("The Prestige"), nach einem Roman von Christopher Priest, macht deshalb auf besonders geheimnistuerisch. Die Geschichte um zwei konkurrierende Magier im London Anfang des 20. Jahrhunderts ist selbst wie ein Taschenspielertrick konstruiert.

Die Dramaturgie solcher Darbietungen verläuft immer gleich: Es gibt den Moment des Versprechens, bei dem die Bestandteile des Tricks ausgebreitet werden, wie Cutter (Michael Caine), der Mentor der Hauptfiguren einmal ausführt; dann kommt die Wendung – etwas wird beispielsweise zum Verschwinden gebracht. Aber erst der dritte Akt, das Prestige, der die Ordnung wieder herstellt, krönt das magische Schauspiel.

"Prestige" erzählt von zwei besonders ehrgeizigen Vertretern ihrer Zunft, die allmählich zu erbitterten Gegnern werden. Robert Angier, von Hugh Jackman ein wenig blutleer verkörpert, ist der bessere Showman der beiden, der seinen Mangel an Talent mit immer aufwändigeren Apparaturen verdeckt. Der bodenständige Alfred Borden – Christian Bale spielt ihn als grimmigen Borderliner – ist dagegen das eigentliche Genie, dafür fehlt es ihm ein wenig an Charme.

Am Beginn steht ein Spektakel, bei dem Angier offenbar das Kunststück misslingt, sich zum Verschwinden zu bringen. Er ertrinkt, und Borden wird angeklagt, ihn durch Sabotage ermordet zu haben. Ob dies schon das vorweggenommene tragische Ende eines immer obsessiveren Wettstreits war – oder doch nur eine der Finten, die der Film wie Kaninchen aus dem Hut zieht, ist eine der Fragen, aus der "Prestige" seine Spannung zu generieren versucht.

Nolan legt den Film nicht nur als eine Rückblende an, sondern als ein ganzes Labyrinth aus solchen. Das Spiel mit den narrativen Möglichkeiten des Kinos hat schon sein Renommee als Regisseur begründet. Nach dem Erfolg von "Memento", wo er gegen den Uhrzeigersinn einen Mord auflöste, hat er sich mit "Insomnia" und "Batman Begins" zu Großproduktionen hochgearbeitet, in denen immer noch besessene Einzelgänger agierten. Was Nolan an Priests Roman fasziniert haben muss, ist unschwer zu erraten: Die Illusionskünstler teilen seine Vorliebe, die Gesetze der Realität mit List aufzuheben.

Für einen Film über die Wirkkraft von Magie betreibt "Prestige" dann aber doch über weite Strecken zu viel Aufwand für den zu geringen Effekt. Die Illusion wird hier wie eine Maschine in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt, kommt aber nie richtig auf Touren. Dagegen vermögen auch Scarlett Johansson als wenig standfeste Muse und Popstar David Bowie als exzentrischer Erfinder des Wechselstroms, Nikola Tesla, nicht viel auszurichten.

Der gelungenste Trick von "Prestige" ist denn auch sein simpelster: Borden wirft einen Ball, betritt einen Kasten, kommt bei einem anderen heraus und fängt den Ball wieder auf. Angier treibt dieses Kunststück zur Verzweiflung. Nolan hätte es mehr zu denken geben sollen. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6./7.1.2007)

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Abrakadabra! – Robert Angier (Hugh Jackman) in Christopher Nolans "Prestige – Die Meister der Magie".
    foto: warner

    Abrakadabra! – Robert Angier (Hugh Jackman) in Christopher Nolans "Prestige – Die Meister der Magie".

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