Deutschland: Debatte um Hitler als Komödienstar

9. Jänner 2007, 15:27
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Mahnende Stimmen - Produzent und Regisseur von "Mein Führer" gelassen - Helge Schneider: Film "reißt nichts mehr auf"

Essen - Wenige Tage vor der Uraufführung in Essen ist die Diskussion um die Hitler-Satire "Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" voll entbrannt. Es könne Schaden anrichten, wenn das Publikum denkt, Hitler sei eine Witzfigur, mahnte der Schriftsteller Ralph Giordano. Ähnliche Zweifel äußerte eine Besprechung in der Wochenzeitschrift "Die Zeit"; zudem sei der Film nur mäßig lustig (zeit.de/2007/02/Hitler-als-Popfigur). Hauptdarsteller Helge Schneider distanzierte sich unterdessen: "Es geht nur noch darum, wie Hitler gesehen werden soll: Nämlich als Schwächling. Das ist mir zu profan", sagte der Komiker und Musiker der Schweizer Boulevardzeitung "Sonntagsblick". Deutschlandstart des Films ist der 11. Jänner, Österreich folgt am 18. Jänner.

Gegen steinerne Satire

Regisseur Dani Levy verteidigte das Konzept der Satire: "Das war eine Art Urschrei, der aus mir rausmusste: Ich will die zersetzen, ich will die runterholen von jeder Form von Glaubwürdigkeit, Größe und denkmalgeschützter Steinernheit." Die Neufassung des Films erklärte Levy gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" mit den Reaktionen bei einer Testvorführung der ursprünglichen Version: "Die Leute, es waren fast 400, waren entsetzt. Die hatten das Gefühl, Hitler sei die Stimme des Films."

Die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, die den Film mitfinanziert hat, steht weiterhin zu dem Werk. "Ich glaube dass jeder künstlerische Anlauf, die Figur Hitler zu verstehen, zulässig ist", sagte Geschäftsführer Michael Schmidt-Ospach. Dies gelte umso mehr, weil die Produktionsfirma X-Filme auf ausgesprochen hohem künstlerischen und intellektuellen Niveau arbeite. Die Komödie sorge durchaus auch für Beklemmung. "Man geht aus diesem Film sehr nachdenklich hinaus", sagte Schmidt-Ospach.

Zu wenig Auftritte?

Helge Schneider meinte, die Geschichte sei ihm schon auf Grund des Drehbuchs "ein bisschen mau" vorgekommen. Dann sei der Film im Nachhinein verändert worden. Er habe sich "mehr Hitler" gewünscht. Hitler hätte ausführlicher gezeigt werden sollen, statt ihn nur in kleinen Szenen zu präsentieren. "Jetzt gefällt der Film mir nicht mehr, weil er nichts mehr aufreißt", wird Schneider zitiert.

Dem Regisseur warf Schneider vor, seine Darstellung des Diktators "zerschnippelt" und reduziert zu haben. "Beim Schnitt ist die Aussage der Geschichte im Nachhinein verändert worden", sagte Schneider. Dass das Ergebnis so anders aussehen würde, habe er nicht erwartet. "Jetzt soll ich für den Film als einziger Reklame laufen." Dabei wolle er "von dem Hitler-Quatsch nix mehr hören".

Trotz seiner Kritik an dem Film seien Regisseur Dani Levy und er weiterhin Freunde, sagte Schneider im Rundfunk Berlin-Brandenburg. "Man muss ja nicht einen Film, wo man mitgemacht hat, bloß aus irgendwelcher Loyalität dann supergut finden." Schlecht sei sein neuer Film sicher nicht. "Aber ich hab da nicht so einen Thrill erfahren. Tut mir leid, ich find den eben nicht so lustig."

Produzent gelassen

Produzent Stefan Arndt von X-Filme sagte am Donnerstag, er habe volles Verständnis dafür, dass Schneider zuletzt offenbar ein wenig Abstand von seiner Kinorolle gebraucht habe: "Da kommt in erster Linie auch der Schauspieler und Künstler durch, der vor allem sich selbst sehen will", sagte Arndt der dpa. Für Schneider, der bisher bei allen seinen Shows und Filmen sein eigener Regisseur gewesen ist, sei es sicher schwer, das Ergebnis der Arbeit einem anderen Regisseur überlassen zu müssen. "Helge hat aber eine so überragende Leistung als Schauspieler abgeliefert, dass wir ihm gar nicht böse sein können." - "Trotzdem ist 'Mein Führer' kein Helge Schneider-Film im bisherigen Sinne, sondern ein Dani-Levy-Film", sagte Arndt. Bei der Fertigstellung habe der Regisseur natürlich alle künstlerischen Freiheiten gehabt. Er sei sich sicher, dass Schneider seine großartige Leistung in diesem Film inzwischen wieder entspannter sehe. (APA/dpa/red)

  • Helge Schneider, hier mit "Blondi"
    foto: filmladen

    Helge Schneider, hier mit "Blondi"

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