Die Videokamera stets griffbereit

14. Jänner 2007, 13:39
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Wieder einmal spielt ein Video von einem Multimediahandy eine internationale Rolle: Das "private" Video von der Hinrichtung Saddam Hussein

Wieder einmal spielt ein Video von einem Multimediahandy eine (unrühmliche) internationale Rolle: Das "private" Video von der Hinrichtung Saddam Husseins fängt dort an, wo der Bericht des irakischen Staatsfernsehens aufhört. Und so wie zuvor Aufnahmen von der Tsunami-Katastrophe oder der Bombenanschläge in Madrid und London fand es sich in kürzester Zeit auf hunderten Websites.

Der wichtigste Zeuge der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy

Die politische Bewertung der Aufnahmen überlasse ich den Kolleginnen und Kollegen von der Außenpolitik; mir geht es darum, wie sich unser Alltag ebenso wie unser Bild von der Welt durch die technologische Veränderung verändert. Diese Entwicklung ist nicht über Nacht über uns hereingebrochen: 1963 wurde ein Amateurfilm von Abraham Zapruder der wichtigste Zeuge der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy. Ein Video von der Misshandlung Rodney Kings durch Polizisten in Los Angeles führte buchstäblich zu einem Aufstand. Und die "Amtshandlungen", die in Wien zum Tode von Cheibani Wague führten, wurden von einem nicht professionellen Beobachter aufgenommen.

Grenzen

Was seither geschah: So gut wie alle Digicams haben auch Videofunktionen, mehr als die Hälfte aller aktuell verkauften Handys sind auch kleine Videokameras, Internet ist mobil geworden, und alle Arten von Websites ermöglichen weltweite Verbreitung. Das wirft auch ethische Fragen auf - allen voran, dass sich (wie bei der Hinrichtung Saddams) private Reporter nicht an die Grenzen halten, an die sich professioneller Journalismus (halbwegs) gebunden fühlt. Oder die Manipulierbarkeit des Bildmaterials, dessen Glaubwürdigkeit von keiner journalistischen Institution geprüft wird - was nicht unbedingt vor grobem Irrtum oder Fahrlässigkeit schützt, wie es etwa die seinerzeitigen "Hitler-Tagebücher" vorführten.

Als Scanner verwendet können uns Fotohandys zu Online-Informationen führen

Die private Seite von Videohandys ist dagegen weniger problematisch und wird noch viele Verwendungen hervorbringen, an die wir heute noch gar nicht denken. Wie ein triviales Beispiel für die Verwendung der Fotofunktion zeigt, die ein Autofahrer in einem Parkhaus einfach als Gedächtnishilfe nutzte, um sein Auto später wieder zu finden. Als Scanner verwendet können uns Fotohandys zu Online-Informationen führen. Die Videoentwicklung ist noch jünger, aber sie wird sicherlich mindestens ebenso kreativ genutzt werden; zum Beispiel auf Webseiten, wo Touristen gute und schlechte Hotel- und Reiseerfahrungen für andere sammeln (www.zoomandgo.com).

Videofunktionen der Smartphones

Voraussetzung dafür ist, dass sich die Videofunktionen der Smartphones weiter verbessern. Von Nokia und Sony Ericsson gibt es seit Kurzem Modelle, die Videokameras qualitativ näher kommen als Handys bisher. Das Nokie N93 lässt sich, dank eines klapp- und drehbaren Displays sowie speziellen Tasten zum Filmen, weit gehend in eine kleine Videocam verwandeln. Das Sony Ericsson Cybershot-Handy wiederum bedient sich eines Bildstabilisators zur Verbesserung der Aufnahmen. Die Ergebnisse solcher Geräte sind, auf dem TV-Schirm oder PC betrachtet, schon erstaunlich nahe der Qualität regulärer Videos. (PERSONAL TOOLS HELMUT SPUDICH, DER STANDARD Printausgabe, 4. 1. 2007)

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