Very slow food

5. Jänner 2007, 11:32
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Schmeck's-Zwischengericht: Hollmanns Salon zählt zu den designtesten Wartesälen in Wien. Das Ausharren lohnt sich durchaus, findet Harald Fidler

Vergleichende Studien der Gastrokritik können ganz schön verwirren. Letztens etwa Hollmanns Salon: An ein und demselben Tag eine Hymne von Severin Corti im RONDO ("hohe Befriedigung") und ein tief enttäuschter Herbert Hacker im "Format", der alles total fad und ungewürzt fand (Darauf verwiesen auch schon einige Poster zu Kollegen Corti). Einig waren die beiden nur in Sachen gediegenstes Interieur und Lage (Heiligenkreuzerhof).

Rainer Nowak von der "Presse", nicht unbedingt als Beschöniger bekannt, las sich nicht ganz eindeutig, aber doch eher positiv. Florian Holzer wiederum im "Falter" schwieg sich bisher aus, wohl auch wegen Jahresendnummer und langer Feiertagspause der Wiener Stadtzeitung.

Zimt zur Rübe

Lokalaugenschein also, serviert als kurzes Zwischengericht in der "Schmeck's"-Kolumne mit langem Vorlauf: Die roten Rüben im kleinen Rexglas, dazu sämigste Polenta und Endivie, als Vorspeise spannend, von Langeweile keine Rede. Mein Gegenüber erschmeckt mit großer Bestimmtheit Zimt, Wacholder, Datteln und Gewürznelke unter den Rüben.

Das Wildschwein für mich überraschend saftig und so gar nicht faserig, mit herrlichem Bratensaft (Cognac dabei?), dazu gelbe Rüben und Bratapfel, daneben nochmals Polenta, nochmals rote Rüben, aber nicht ganz so gefinkelt.

Zunge raus

Der Weg dorthin allerdings ist weit. Gut eine Stunde braucht es bis zum ersten Gang, und dabei blieb er der einzige: Um 20 Uhr war die Lammzunge aus, die Blunze ebenso, und das bei keinem Dutzend Positionen auf der Karte. Tipps des sehr freundlichen Personals, was es eigentlich noch gibt, helfen. Das Lokal ist gut voll, zugegeben, aber mit rund 30 Plätzen auch nicht unüberschaubar groß.

Diätbewusste Damen am anderen Ende der Tafel verzichteten übrigens auf die lohnenden Geschmackserlebnisse und bestellten ihre Speisen nach dem einen oder anderen Achtel in deutlich mehr als einer Stunde Wartezeit durchaus fröhlich, aber doch wieder ab.

"Schmeck's" ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
  • Hollmann Salon
Grashofg. 3, 1010 Wien
Tel.: (01) 961 19 60-40
Mo-Sa 11-21 Uhr
VS: Euro 2,20-5,20
HS: Euro 6,80-12,90
Hollmann Salon

    Hollmann Salon
    Grashofg. 3, 1010 Wien
    Tel.: (01) 961 19 60-40
    Mo-Sa 11-21 Uhr
    VS: Euro 2,20-5,20
    HS: Euro 6,80-12,90
    Hollmann Salon

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