Österreich hat "zu viele Bauern mit zu wenig Fläche"

17. Jänner 2007, 17:03
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Maximilan Hardegg ist einer der größten Landwirte Österreichs - und erwartet einen weiteren Struktur-wandel: Die Politik solle Anreize für effizientere Betriebe schaffen.

Wien - Der Strukturwandel in der österreichischen Landwirtschaft ist längst nicht abgeschlossen und "das müsste ein agrarpolitisches Ziel sein", ist Großgrundbesitzer Maximilian Hardegg überzeugt. "Wir haben zu viele höchst qualifizierte Betriebsleiter für zu wenig Fläche", erläutert er im Standard-Gespräch. "Österreich könnte mit seiner Überkapazität locker halb Ungarn mitbewirtschaften."

Daher solle man den Landwirten "eine Perspektive geben: Welche Ausstattung, welche Flächen und Ressourcen braucht ein Betrieb bei größerer EU-Konkurrenz. Um wirtschaftlich mithalten zu können, muss es in Zukunft einfach weniger und größere Betriebe geben. Und dann müsste entsprechend gefördert werden. Wenn ich weiß, es geht so nicht weiter, muss man den Menschen möglichst rasch einen Chance geben - und einen goldenen Handshake zum Ausstieg anbieten. Auch wenn es weiter Nebenerwerbsbetriebe und auch "kleine Betriebe mit höchster Qualität" geben werde: "Der Slogan, dass ganz Österreich zum Feinkostladen wird, ist, glaube ich, abgehakt. Neben der Feinkost brauche ich auch den Diskonter."

Wobei Hardegg durchaus der Überzeugung ist, "dass die Landwirte als Naturnutzer eine Vorbildfunktion in der Gesellschaft" einnehmen sollten. Er selbst bemühte sich etwa im Rahmen seiner Schweinezucht um Kooperationen mit Tierschutzorganisationen, um Standards in artgerechter Haltung zu setzen.

Gleichzeitig wurde Hardegg aber auch gemeinsam mit seinem Kellermeister Peter Veyder-Malberg vom Guide "Wo isst Österreich" zum "Winzer des Jahres 2006" gekürt. Und da setzt er - wie schon viele andere namhafte Weinbauern auch - voll auf biologisch-dynamische Bewirtschaftung.

Der Biowinzer

Da gibt es nun begrünte Reihen, die für natürliche Stickstoffanreicherung sorgen, Anzeigerpflanzen warnen vor drohenden Krankheiten, und da tuckern nicht mehr große Traktoren durch die Weingärten, sondern wird von kleinen Squads aus Brennessel- oder Schachtelhalm-Tee gespritzt.

"Das tun wir nicht aus Ideologie und nicht, um das groß auf die Flaschen draufzupicken, das ist eine Investition in die Zukunft", sieht Hardegg diesen Schritt relativ nüchtern - was aber auch "eine große unternehmerische Herausforderung" sei. Denn im ersten Jahr nach der Umstellung gebe es jedenfalls "geringere Erträge - erst nach zwei, drei Jahren pendelt sich das Gleichgewicht wieder ein".

Eines der ganz großen Themen ist derzeit: das zweite Standbein der Landwirte als Energiewirt. "Energie ist eine ganz große Chance für die Landwirtschaft" - allerdings: "Das große Problem ist dabei, dass es derzeit keinen konsolidierten Markt gibt und dass das mit sehr hohen Installationskosten und kleinen Margen verbunden ist", erläutert Hardegg.

Der Energiedschungel

Und: "Man bräuchte dringend eine Orientierung im Dschungel - ob man etwa auf Wind, Mais, Weizen, ob man auf Wärme oder Strom, auf Gaserzeugung oder -verbrennung setzen soll." Auch hier erwartet Hardegg "eine Konsolidierung in den nächsten Jahren, wobei sicher auch einige Betriebe Pleite gehen werden". Derzeit funktionieren "50 Prozent der Biogasanlagen nicht gut", was aber nicht grundsätzlich an der Technologie liegt: "Einmal falsche Beigaben im Ausgangsmaterial, und das Werk steht für Monate."

Aufklärung wäre aber auch auf anderer Seite nötig. Derzeit sei Mais die günstigste Energiepflanze im Land - während Getreide bessere thermische Werte hätte. "Da gibt es natürlich ethische Bedenken, aber dazu muss man auch wissen, was Energiegetreide ist." Nämlich keinesfalls ein Nahrungsmittel. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.1.2007)

  • Landwirte sollen Vorbild sein: Maximilian Hardegg setzt auf Bioweinbau.
    foto: standard/andy urban

    Landwirte sollen Vorbild sein: Maximilian Hardegg setzt auf Bioweinbau.

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    Ein großes Thema der agrarischen Zukunft: Energie aus Mais oder Getreide. Auch hier fehlen Aufklärung und Orientierungshilfen.

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