ÖBB versilbern Immobilie

17. Jänner 2007, 13:28
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Das frühere ÖBB-Direktionsgebäude in Wien-Leopoldstadt steht vor dem Verkauf. Landen soll es im Reich Karl Wlascheks, der es einer ÖBB-Tochter vermieten wird

Wien – Der Abverkauf von ÖBB-Immobilien geht weiter. Noch im Jänner den Besitzer wechseln soll das in der Wiener Leopoldstadt gelegene, ehemalige Direktionsgebäude in der Nordbahnstraße 50.

Als Käufer und Vermieter des 1870 erbauten Bürogebäudes, dem in einem Bericht an den Aufsichtsrat der ÖBB Infrastruktur Bau AG "funktionelle und technische Mängel" inklusive veralteter Heizungs- und Lüftungssysteme attestiert werden, hat die ÖBB institutionelle Investoren rund um die Ermione Immobilieninvest beta GmbH im Visier. Letztere gehört zum Imperium des Karl Wlaschek, sein Sohn Karl Philipp ist Ermione-Geschäftsführer.

Auffällig an dem Deal, der nach Widerstand der ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG nicht mehr im Dezember unter Dach und Fach gebracht werden konnte: Die ÖBB-Infra Bau AG verkauft das Objekt mit seinen 14.457 Quadratmetern Nettogeschoßfläche um "mindestens 10,59 Millionen Euro" an private Investoren und die vermieten es dann an ihre Schwester, die ÖBB-Infra-Betrieb AG. Sie muss das Haus ab Herbst 2008 für 15 Jahre um bis zu 2,336 Mio. Euro pro Jahr anmieten.

Rein rechnerisch hätten die Investoren den Kaufpreis damit in fünf Jahren zurückverdient. Das bestreitet ÖBB-Sprecher Gary Pippan. Die jährliche Miete sei nach dem_Stand der jüngsten Verhandlungen deutlich niedriger.

Auch, dass der ÖBB-Betrieb-AG durch den Deal über 15 Jahre Mehrkosten in Höhe von drei Mio. Euro entstünden, wie aus internen Unterlagen der ÖBB-Betrieb AG vom Dezember 2006 hervorgeht, sei "nicht mehr aktuell". Denn erstens sei die Miete niedriger und zweitens müsste die Betrieb AG künftig an jedem Standort marktkonforme Mieten zahlen. Darüber hinaus würde der Kaufpreis, der laut Pippan "zeitnah", also noch im Jänner, fixiert werden soll, höher ausfallen als der angegebene Mindestverkaufspreis.

In der Betrieb AG verweist man darauf, dass man einerseits die Miete auf unter zwei Millionen Euro drücken habe können und als Kompensation auch noch die Übersiedlungskosten ersetzt bekomme.

Zudem müsse der Investor neben dem Kaufpreis auch die Generalsanierung zahlen. Selbige wurde im Frühjahr 2005 von der Bau AG mit 13,08 Mio. Euro veranschlagt. Rein rechnerisch muss ein Käufer also mindestens 23,67 Mio. Euro in die Hand nehmen, inklusive Umbau- und Nebenkosten betragen die Gesamtinvestitionen 30,7 bis 32,2 Mio. Euro.

Für die ÖBB sei der Deal jedenfalls ein Gewinn – obwohl abzüglich Buchwerts (8,45 Mio. Euro) und Honoraren (620.000 Euro) ein Nettoertrag von bloß 1,52 Mio. Euro bliebe. Denn die ÖBB-Bau AG_könnte stille Reserven heben und sich auf ihr Kerngeschäft Bahnhöfe und Streckenbau konzentrieren, betont Pippan. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.1.2007)

  • Mit dem Umbau des Nordbahnhofs wird das Gründerzeithaus in der Wiener Leopoldstadt zur Toplage. Die ÖBB verkaufen es vorher.
    foto: standard/christian fischer

    Mit dem Umbau des Nordbahnhofs wird das Gründerzeithaus in der Wiener Leopoldstadt zur Toplage. Die ÖBB verkaufen es vorher.

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