"Psychosomatik schlägt sich viel stärker bei Frauen nieder"

4. Jänner 2007, 12:44
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Bei fast vier von zehn PatientInnen macht Seele Körper krank - Hausärztinnen und -ärzte sollen sensibilisiert werden

Wien - Familiäre Probleme, Unzufriedenheit im Beruf - nicht immer müssen Krankheiten organische Ursachen haben. Bei 30 bis 40 Prozent der PatientInnen besteht psychosomatischer Behandlungsbedarf, weil die Seele den Körper krank macht. Dieses Ergebnis einer aktuellen Befragung von österreichischen AllgemeinmedizinerInnen präsentierte Christian Fazekas von der Medizinischen Universität Graz am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Vier von fünf Personen haben pro Woche mindestens eine psychosomatische Beschwerde, sagte Fazekas, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie. Dazu zählen Leiden ohne organische Ursachen wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Tinitus, Herz- Kreislauf-Probleme oder Essstörungen. "Häufig sind Patienten zwischen 20 und 50 Jahren betroffen", berichtete Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V). Bei Ess-Brechsucht (Bulimie) sind die Betroffenen oft jünger.

Drei Viertel der Betroffenen weiblich

"Psychosomatik schlägt sich viel stärker bei Frauen nieder als bei Männern", so die Ressortchefin weiter. Rund drei Viertel der Betroffenen seien weiblich. Rauch-Kallat befürchtete allerdings, Männer hätten gleich häufig Beschwerden, würden aber weniger oft ärztliche Hilfe suchen.

Webportal

Um das Thema zu enttabuisieren und Behandlungsmöglichkeiten in Österreich aufzuzeigen, haben MedizinerInnen gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium ein Internetportal eingerichtet. PatientInnen finden dort Informationen zu den Wechselwirkungen seelischer Krisen und körperlicher Erkrankungen sowie behandelnde Ärztinnen und Ärzte und stationäre Einrichtungen. Für MedizinerInnen wurde ein Fortbildungskalender online gestellt.

Hausärztinnen und -ärzte sollen zudem verstärkt für die seelischen Ursachen von Krankheiten sensibilisiert werden, PatientInnen weiter überweisen oder auch selbst behandeln, so Rauch-Kallat. Bei Betroffenen solle mit der neuen Website die Motivation gestärkt werden, sich in Behandlung zu begeben.

Bedarf vorerst "gut abgedeckt"

Die Anzahl der Krankenhausbetten für Psychosomatik-PatientInnen wurde in den vergangenen Monaten mit zwei neuen Kliniken in Bad Aussee und Eggenburg auf rund 400 Stück verdoppelt, so die Ressortchefin. Damit sei der Bedarf vorerst "gut abgedeckt". Übernimmt allerdings der Hausarzt die Behandlung, seien in einzelnen Bundesländern die Kosten für derartige Gespräche noch nicht geregelt, gab Fazekas bekannt. (APA)

  • PatientInnen finden
auf einer neu eigerichteten Webseite Informationen zu den Wechselwirkungen seelischer Krisen und
körperlicher Erkrankungen sowie behandelnde Ärztinnen und Ärzte und stationäre
Einrichtungen.
    foto: standard
    PatientInnen finden auf einer neu eigerichteten Webseite Informationen zu den Wechselwirkungen seelischer Krisen und körperlicher Erkrankungen sowie behandelnde Ärztinnen und Ärzte und stationäre Einrichtungen.
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