Computer entscheiden, wer bei Google arbeitet

5. Jänner 2007, 10:32
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Suchmaschinenhersteller hat sich Algorithmen einfallen lassen, um zu verhindern, dass die Besten übersehen werden

Wer beim Suchmaschinenhersteller Google arbeiten will, muss sich einem umfassenden Fragebogen widmen. Ein eigens entwickelter Algorithmus wirft am Ende eine Zahl, zwischen 0 und 100 aus, und entscheidet wer bei Google seinen zukünftigen Arbeitsplatz finden wird.

100.000 Bewerbungen

Vor gar nicht allzu langer Zeit wollte man bei Google nur hochqualifiziertes Personal, das sein Wissen auch mit entsprechend guten Testresultaten belegen konnte und bei den einschlägigen US-Aufnahme- und Persönlichkeitstest sehr gut abschnitt. Doch dann wuchs die Angst, dass man die qualifiziertesten BewerberInnen so übersehen konnte und man startet mit der Entwicklung eines eigenen Bewerbungstests. Dieser ist nun fertig und wird neuen BewerberInnen, jedes Monat gehen rund 100.000 Bewerbungen bei Google ein, vorgelegt werden.

Umfassend

Die umfassende Onlinebefragung fragt ein breites Spektrum des Lebens und der Interessen der KandidatInnen ab. Von ihren Vorlieben, Abneigungen, über Persönlichkeit und biografischen Details reicht hier die Palette. Laut New York Times finden sich dort dann Fragen nach dem Zeitpunkt des ersten Interesses an Computern oder auch, ob man eine Non-Profit-Organisation gegründet habe.

Computer entscheidet

Ein Computer errechnet aus diesen Fragen einen Wert und ermittelt so, ob die Person in das Unternehmen passt. "Je größer wir wurden, desto schwerer wurde es für uns genügend qualifizierte Leute zu finden", so Laszlo Bock, Googles Vizepräsident. "Mit den traditionellen Methoden hatten wir die Befürchtung, die besten Kandidaten zu übersehen." Google ist natürlich nicht das einzige Unternehmen mit speziellen Aufnahmetests, aber sicherlich jenes, dass das Internet oder Computer am stärksten einbindet.

Enormes Wachstum

Das Wachstum Googles ist unglaublich, selbst für die Standards im Silicon Valley. Ständig müssen neue Gebäude gemietet werden - nicht nur in den USA, sondern mittlerweile auf der ganzen Welt. Auch die aktuellen Stellenausschreibungen dürften jedes andere Unternehmen derzeit in den Schatten stellen, zumindest was die Quantität betrifft. Google hat in den letzen drei Jahren seine MitarbeiterInnenzahl verdoppelt. Und selbst jetzt, da das Unternehmen schon rund 10.000 MitarbeiterInnen hat, ist eine Umkehr dieses Trends nicht zu erkennen. Dies würde nach dem derzeitigen Stand eine wöchentliche Neuaufnahme von 200 MitarbeiterInnen bedeuten.

Effizienz

Ein dermaßen hoher Personalbedarf verlangt nach neuen, effizienteren Methoden. Laut Aussagen von US-Headhuntern war Google bei der Auswahl der MitarbeiterInnen sehr streng und stellt hohe Anforderungen. So mussten meist mehr als sechs unterschiedliche Interviews durchlaufen werden, bevor man in die engere Auswahl kam. Doch nun kam man zu der Erkenntnis, dass Universitätstitel und Schulnoten keine 100-prozentige Sicherheit und nicht immer eine zufriedenstellendes Ergebnis liefern würden, wenn es um die Auswahl der MitarbeiterInnen geht.

300-Fragen-Katalog

Im Sommer 2006 mussten alle MitarbeiterInnen, die mindestens fünf Monate bei Google arbeiteten, einen 300-Fragen-Katalog ausfüllen. Der Fragenkatalog umfasste Fragen wie "Welche Programmiersprachen können Sie? Welche Internet-Mailinglists haben Sie abonniert? über "Sieht ihr Arbeitsplatz aufgeräumt oder chaotisch aus?, Sind Sie extrovertiert oder introvertiert? Welche Magazine lesen Sie? oder auch Welche Haustiere haben Sie?

Vergleichen und Finden

Die Ergebnisse dieser Umfrage wurden mit den anderen Kennzahlen, gewonnen aus persönlichen Gesprächen, 360-Grad-Befragungen und anderen klassischen Methoden, verglichen und zu einem Gesamtkatalog zusammengefasst. Eines der ersten Ergebnisse war, dass sich die Bevorzugung von AkademikerInnen nicht auf den Erfolg auswirkte. "Manchmal bedeutet ein Zuviel an Schule eine Frustration im Job", so der auswertende Psychologe der Google-MitarbeiterInnenbefragung. "Man muss wissen oder zumindest eine Hypothese haben, ob der Besitz eines Hundes einen guten Programmierer ausmacht", so Professor Mumford, der für Google nun spezifische, nach Bereichen gegliederte, Profile und Test für MitarbeiterInnen erstellte. “wenn man danach fragt, ob jemand in der Highschool einen Interessensklub gegründet hat, so lässt dies auf Führungsqualitäten schließen."

Widerstand

Es gibt jedoch nicht nur Zustimmung zum neuen System. Auch intern wurde die Kritik an der Tatsache, dass ein Computer Talent besser erkennen kann, als ein Mensch, lauter. "Es ist so als würde man jemand erklären, dass man die perfekten Daten über die Person besitze, die der Betroffene heiraten sollte", so Dr. Carlisle gegenüber der New York Times.

Erste Trendwende

Noch bevor die ersten Ergebnisse zur neuen Studie ausgewertet werden konnte, hatte man bei Google schon reagiert. Entgegen der bisherigen Gewohnheiten habe man in der letzten Woche schon drei MitarbeiterInnen mit niedrigeren Punktzahlen bei akademischen Tests aufgenommen, so Bock.(red)

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