Ein Glas jeder Flasche an den Wirt

10. Jänner 2007, 17:00
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Wein bar jeden Kults: Bernhard Hlavicka empfiehlt Pub Klemo, wo Flaschen nur 0,68 Liter zu entlocken sind - Und schwärmt von der schönsten Winzerin Italiens wie von der päpstlichen Platte

Vorweg muss ich es gestehen. Ich kenne den Wirt: Robert Brandhofer. Unverwüstbare Erinnerungen an unser gemeinsames Treiben in diversen Wein&Co-Bars, wo er vor Jahren den stets Ruhe bewahrenden Barleiter spielte, halten mich dennoch nicht davon ab, über sein neues Lokal zu berichten. Weil ich dort war und es berichtenswert finde und weil "Schmecks" ohnehin eine Liebhaberrubrik sein soll.

Seine Unbeirrbarkeit kann Brandhofer in seiner vor wenigen Monaten eröffneten Weinbar namens Pub Klemo wahrlich gut gebrauchen, betreibt er diese doch ganz alleine - mit gelegentlicher, charmanter Unterstützung seiner Freundin Tracy Robinson. Das wäre für eine Bar dieser Größe noch nicht wirklich ungewöhnlich, wenn er nicht auch noch kochen würde.

Nicht bierernst genommen

Pub Klemo – der Name ist Programm. Hier wird Wein nicht bierernst genommen. Der Name ist eine lautmalerische Abwandlung des Chateau Pape-Clement aus dem Graves/Bordeaux. Gedacht als Witz unter Insidern.

Die extrem umfangreiche Weinkarte besteht aus dem im Laufe der Zeit beachtlich gewachsenen Weinkeller des Herrn Brandhofer. Hier finden sich neben Österreich (zB gereifte Schätze von FX Pichler und Knoll), Italien (besonders aus dem Piemont) und Bordeaux viele unbekannte Weine aus der ganzen Welt..

Ein Glas gehört dem Wirt

Die Karte besteht aus so vielen Geheimtipps, dass ich nicht wage, sie auch nur ansatzweise aufzuzählen. Von vielen Flaschen gibt es ohnehin nur ein oder zwei Exemplare. Allesamt sind sie sehr fair kalkuliert. Man muss jedoch beachten, dass die üblichen 0,75l durch 0,68l ersetzt wurden. Ein Glas von jeder Flasche gehört nämlich dem Wirt, damit er wenigstens einmal seine ehemaligen Sammlerschätze verkosten kann.

Schönste Winzerin, fescher Winzer

Ungefähr zehn Weine serviert er glasweise, Sie runden die Weinkarte ab. Man kann davon ausgehen, dass immer ein paar kostenswerte Neuigkeiten offen sind. Und wenn sie noch nicht offen sind, dann werden sie eben geöffnet, je nach Lust und Laune.

Ich probierte ein Glas vom neuen Maremmaprojekt der schönsten Winzerin Italiens, Elisabetta Foradoris Ampeleia, und einen Nebbiolo vom ebenfalls sehr feschen Roberto Voerzio. Danach einen LBV von Quinta do Noval. Und ich habe keine Ahnung, wie die Besitzer dieses Weinguts aussehen, aber der Wein ist beeindruckend samtig und klar in der betörenden Zwetschkenfrucht...

Päpstliche Platte

Grundlage des kulinarischen Rahmenprogramms sind hervorragende Antipasti, selbstgemachte Pestos, Schinken, Wildschweinsalami und Käse. Der große Vorspeisenteller nennt sich „päpstliche Platte“ mit einem Augenzwinkern in Richtung Lokalname.

Und selbstgemachte Pasta! Täglich frisch werden Pappardelle mit zackigem Rand zubereitet, auch Reginette oder Mafaldine genannt. Auf einem selbstkonstruierten Trockner hängen die Nudeln im Lokal herum und warten auf ihre köstliche Bestimmung im wallenden Kochtopf. Serviert werden sie mit Pesto (Tomaten oder Kräuter) oder mit diversen Gemüsen der Saison, darüber hauchdünn geschnittener Parmesan.

Braten und Brulée

Weil Pasta allein dann doch etwas zu italienisch wäre, wird auch gebratenes Fleisch angeboten – mit Pasta als Beilage. Je nach Laune und Marktlage schwankt hier das Programm. So durfte ich perfekt gebratene Entenbrust, anderntags eine ebenso feine Beiriedschnitte kosten. Lediglich das beim Braten entstehende Abluftproblem bedarf einer Verbesserung.

Abschließend probierte ich letztens die Creme Brulée, bei der allerdings doch die Gelatine zu sehr im Vordergrund stand, ganz im Gegensatz zu der Maronicreme vom vorletzten Besuch, die so richtig zartflaumig daherkam. Dazu besagter LBV von Noval und das Herz ist entzückt.

Perfekt zubereiteter Hausbrandtkaffee um unschlagbare 0,95 Euro machten mich danach wieder munter und dazu kann man edelsten Brand, zum Beispiel einen Kirsch vom Reisetbauer, genießen. Sogar die seltene, sagenumwobene und sauteure Elsbeere steht auf der Karte.

Vinopoly

Ein nicht besonders hübsches, kleines Kaffeehaus in der Margaretenstrasse auf der Höhe des Filmcasinos war die Ausgangslage des Lokals und wurde in liebevoller Detailarbeit mit allerlei weinbezogenen Accessoires bestückt. Lagenkarten unterschiedlicher Weinbaugebiete dienen als Tischplatten und Wandschmuck. Die Schank wurde mit den Frontplatten von Bordeaux- und anderen Kisten verkleidet und es stehen ein paar leere Flaschen an den Wänden. 2 Weinklimaschränke, ein paar Weinbücher und eine Hausbrandkaffeevitrine runden das recht heimelige Gesamtbild ab.

Für verspielte Weinfreaks hat das Pub Klemo noch etwas ganz besonderes zu bieten. Freunde des Wirts schenkten zur Eröffnung ein selbstgebasteltes Vinopoly - eine Abwandlung von DKT, bei der man Weingüter statt Strassen kaufen kann. Es soll schon passiert sein, dass solche Spiele bis in die frühen Morgenstunden dauerten, bis endlich der letzte Heller für ein Weingut (oder den dazu konsumierten Wein) draufgegangen war.

Ernsthafte Überlegungen, meinen Wohnsitz in den 5. Bezirk zu verlegen, tummeln sich in meinem Hinterkopf. Ein perfektes zweites Wohnzimmer wie den Pub Klemo hätte man schon gerne in der näheren Umgebung.

  • Pub Klemo
Margaretenstraße 61, 1050 Wien
Montag bis Freitag ab 17 Uhr, Samstag ab 12 Uhr
Link: www.pubklemo.at
"Schmeck's" ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
    pub klemo

    Pub Klemo
    Margaretenstraße 61, 1050 Wien
    Montag bis Freitag ab 17 Uhr, Samstag ab 12 Uhr
    Link: www.pubklemo.at

    "Schmeck's" ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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