Geistesblitz: Multimedia im Medienmulti

2. Jänner 2007, 19:19
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Heidrun Häfele tüftelt am Fernsehen der Zukunft

Ob wir den Fernseher am Schreibtisch stehen haben werden oder den Computer gegenüber der Couch, könnte in Zukunft nur eine Frage der Bedienung sein. Es sei jedenfalls abzusehen, dass Internet und Fernsehen verschmelzen werden, meint Heidrun Häfele, die selbst daran mitarbeitet: "Der Konsument bemerkt nicht, welche Inhalte er aus welchem Medium bezieht, weil nur ein Gerät als Schnittstelle dienen wird. Er ist selbst Produzent, wenn er das will, wobei er eigene Inhalte über Plattformen mit anderen teilen kann."

Häfele ist studierte Nachrichtentechnikerin und leitet die Abteilung Multi Media Technologies der Telekom Austria. Aus ihrer Hand kommen "Roadmaps für Technologien der Zukunft" mit Budget- und Zeitplanung sowie die zur Umsetzung notwendige Koordination. Die Vorlaufzeit bis zur Produkteinführung ist lang und wird zur sorgfältigen Planung genutzt: Schließlich müssen Innovationen identifiziert und beurteilt werden.

Die zertifizierte Projektmanagerin begleitete für ihre Firma bereits die Einführung von digitalem terrestrischem Fernsehen (DVB-T): "Wenn ich selbst vom Nutzen überzeugt bin, fällt es mir leicht, Vorteile hervorzuheben, Anwendungen aufzuzeigen und Skeptiker zu überzeugen." Dabei versucht sie sich aus der Technikerrolle zu lösen und die Neuerung aus Kundensicht zu betrachten. Multimedia bleibt für die gebürtige Vorarlbergerin faszinierend, "weil fast alle Entwicklungen sichtbar werden. Ich lerne ständig etwas Neues dazu, was ganz wichtig für mich ist".

Für ein echtes Muss hält die Technikerin ständige Weiterbildung. Grundsätzlich komme es aber vor allem auf analytische Fähigkeiten an, um eine Aufgabenstellung so zu unterteilen, dass man effizient zu einer Lösung kommt. Beruflich probiert die 35-Jährige alle technischen Neuerungen gerne und sofort aus. Im privaten Bereich hält sie mp3 "wirklich für einen Segen". Die private Nutzung von Laptop und E-Mails habe für sie aber eher den Reiz verloren.

Zukunft IPTV

Heidrun Häfele inskribierte zunächst Physik an der Uni Innsbruck, ihr wirkliches Interesse galt aber stets der Elektrotechnik. Im Lauf des Studiums rückte sie dem Ziel näher und weiter nach Osten vor: vom Geburtsort Hohenems über Innsbruck nach Wien. Frauen waren in den Hörsälen dünn gesät, mit Vorurteilen hatte sie jedoch selten zu kämpfen. Gleich nach ihrem Abschluss an der TU-Wien, stieg sie 2000 bei der Telekom Austria ein. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet sie dort an der technischen Einführung von IPTV, dem auf dem Internet Protokoll (IP) basierenden Fernsehservice.

IPTV werde das Fernsehverhalten nachhaltig verändern, meint Häfele, weil Zeitpunkt und Inhalt des TV-Konsums selbst bestimmt werden können: "Für den Familienfernsehabend wird es wohl einfacher, einen Beitrag zu finden, der allen gefällt. Und wenn die beste Freundin beim Hauptfilm anruft, drückt man einfach auf Pause und telefoniert."

Leider hat das Christkind dem Tag wieder nicht mehr Stunden geschenkt, denn die Freizeit kommt manchmal etwas zu kurz. Ausgleich schafft Heidrun Häfele, die seit mehr als elf Jahren glücklich liiert ist, mit Schwimmen im Sommer, Joggen und im Winter Skifahren. Auch Kino ist für die Multimediaexpertin extrem reizvoll. Das lässt für die Zukunft der Leinwand hoffen. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 3. Jänner 2007)

  • Heidrun Häfele bringt Internet und TV zusammen.
    foto: der standard/telekom

    Heidrun Häfele bringt Internet und TV zusammen.

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