General operiert am offenen Herz

5. März 2007, 12:15
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Alexander Wrabetz ist nun offiziell ORF-General - Seinen ersten Auftritt inszenierte er als bewussten Kontrast zu seiner bisherigen Chefin

Operndirektor: Das wollte Alexander Wrabetz nach eigenem Bekunden immer werden. Mit Neujahr wurde aus dem kaufmännischen Direktor des ORF der General des Küniglbergs. Wrabetz tröstet sich mit gleich zwei Übertragungen ("erstmals live") aus der Wiener Staatsoper im März und April.

Das zählt zum "öffentlich-rechtlichen Mehrwert", wie er ihn bei seiner Antrittspressekonferenz am Dienstag unablässig betont. In den vergangenen neun Jahren auf dem Küniglberg stand Wrabetz als Mann der Finanzen eher für "Taxi Orange", "Starmania" und andere Formate, die dank jüngeren Publikums Werbung bringen und dazu noch Geld über Mehrwertnummern.

Messverfahren für "öffentlich-rechtlichen Mehrwert"

Damit sich Mehrwert künftig glaubhaft nicht auf solche Nummern beschränke, soll eine Stabsstelle in der Generaldirektion bis 2008 ein neues Messverfahren entwickeln für den "öffentlich-rechtlichen Mehrwert" von Sendungen. Den von neuen Sendungen, sagt der General, der Bestand wird vorerst nicht untersucht. Vorbild ist der neue "public value test" der BBC. Die britische Anstalt ist stets als Vorbild hilfreich. Kriterien für Wrabetz: Wert für Gebührenzahler, für Gesellschaft, für heimische Filmproduktion, für Österreich überhaupt.

Was er mit diesem Mehrwert meint, soll das Publikum schon am Mittwoch erkennen: Das dritte "Thema Spezial" mit Natascha Kampusch im Gespräch soll das demonstrieren, sagt der neue General.

Stiftungsräte sollen rasch bestellt werden

Dem Kernstück seiner Programmreform müssen Ende Februar noch die Stiftungsräte zustimmen. Sozialdemokrat Wrabetz hofft, dass eine neue Regierung das Gremium bis dahin neu besetzt. Nicht ausgesprochen: Dann müsste sich eine rote Mehrheit ausgehen. Die Bürgerlichen zieren sich, an der seherstarken "ZiB" (1,3 Millionen im Schnitt) herumzudoktern. Wrabetz räumt ein: "eine Operation am offenen Herzen".

Wünsche an die Politik? "Wir brauchen nichts unbedingt." Aber sie möge bitte achten, dass ATV beim Verkauf der Bawag-Anteile an dem Privatsender "zumindest teils österreichisch bleibt". Sie möge Medienförderung für Private im Koalitionsprogramm behalten. Gebührengeld für TW1 als Infokanal erlauben. Werbebeschränkungen seien zu evaluieren, was sich "im Sinne des Marktes bewährt" hat. Und kürzere Übergangsfristen als die viereinhalb Monate von Wrabetz' Wahl zu Lindners Abschied. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 3.1.2007)

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    Kontrastprogramm zu Vorgängerin Lindner: Wrabetz in der ORF-Kantine, hinter ihm sein Regisseur und Kommunikationschef Pius Strobl.

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    Wrabetz holt das von seiner Vorgängerin zugedrückte ORF-Auge aus dem Fundus. Designreform kommt 2008.

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