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Redaktion
2. Jänner 2007, 19:20
  • Die Tür zu wissenschaftlichen Publikationsforen soll offen stehen, wenn es nach der "Open-Access"-Bewegung geht.
    illustration: der standard/fatih

    Die Tür zu wissenschaftlichen Publikationsforen soll offen stehen, wenn es nach der "Open-Access"-Bewegung geht.

Geht es nach der "Open Access"-Bewegung, dann sollen alle wissenschaftlichen Arbeiten für alle gratis einsehbar werden

Steht der wissenschaftliche Zeitschriftenmarkt dank World Wide Web nun auch vor einer radikalen Veränderung? Geht es nach der "Open Access"-Bewegung, dann sollen alle wissenschaftlichen Arbeiten für alle gratis einsehbar werden. Die Frage, die man sich auch hier zu Lande stellt, ist nur: Wie?

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Für das US-Wissenschaftsmagazin Science war Grigori Perelman der Held des Jahres 2006. Seine Lösung der so genannten Poincaré-Hypothese führt die Liste der zehn wichtigsten wissenschaftlichen Durchbrüche des Vorjahrs an. Der russische Mathematiker erhielt dafür heuer die Fields-Medaille zugesprochen, den Nobelpreis der Mathematiker. Perelman lehnte sie als erster Preisträger überhaupt ab.

Doch das ist nicht die einzige Besonderheit rund um die Lösung eines der schwierigsten mathematischen Probleme überhaupt. Veröffentlicht hatte Perelman seine Arbeit schon 2002, und zwar nicht in einer mathematischen Fachzeitschrift, sondern auf einem Pre-Print-Server namens www.arxiv.net, auf dem Wissenschafter ihre "Working Papers" zur öffentlichen Diskussion stellen können. Im Normalfall tun sie das, bevor sie die Arbeit regulär bei einer Zeitschrift einreichen, um vorab noch hilfreiche Kommentare von Kollegen zu erhalten. Perelman ließ es bei der elektronischen (Vor-)Veröffentlichung bewenden - und erhielt dennoch die Anerkennung seiner Kollegenschaft.

Doch nicht nur dank solcher Pre-Print-Server steht der wissenschaftliche Publikationsmarkt vor tief greifenden Veränderungen. Durch das Internet hat das Veröffentlichen von wissenschaftlichen Erkenntnissen ganz neue Möglichkeiten erhalten - was im Übrigen ja auch der ursprüngliche Zweck des World Wide Web war. Als es entwickelt wurde, ging es zuallererst darum, den wissenschaftlichen Datenaustausch innerhalb der Scientific Community zu vereinfachen.

Auf den ersten Blick funktioniert das wissenschaftliche Zeitschriftenwesen trotz der Revolution der Kommunikationstechnologien im Prinzip heute zwar weiterhin so wie immer: Wissenschafter reichen ihre Arbeiten bei einem Fachjournal ein, wo sie anonym von Fachkollegen begutachtet werden, ehe die Zeitschrift den Artikel auf Papier oder bloß elektronisch veröffentlicht. Das Problem dabei ist, dass man ein Abonnement der Zeitschrift braucht, um Zugang zu dieser Information zu erhalten. Und das kann ins Geld gehen.

Um nur eine Zahl zu nennen: Elsevier, der größte Wissenschaftsverlag der Welt, machte im Jahr 2005 mit seinen 1700 zum Gutteil nicht ganz billigen Zeitschriften einen Reingewinn von 655 Millionen Euro. Nicht zuletzt diese Kosten riefen in den letzten Jahren sowohl einige Wissenschafter als auch ihre Institutionen und ihre Geldgeber - in Österreich vor allem den Wissenschaftsfonds FWF - auf den Plan, an diesem System etwas zu ändern.

Zauberwort

Das Zauberwort heißt "Open Access", das allerdings mehrere verschiedene Bedeutungen hat, die Stevan Harnad, einer der Wortführer der Bewegung, erläutert (Interview). Er selbst ist ein strikter Verfechter des Prinzips, alles zugänglich zu machen - und zwar auf Basis des Selbstarchivierens: Wissenschafter bzw. ihre Institutionen sollten alle ihre Texte in der Letztversion ins Netz stellen, damit alle darauf zugreifen können. Was nicht zuletzt auch den Forschern selbst nützt, weil ihre Arbeit so auch von jenen Kollegen zitiert werden kann, die keinen Zugang zur Zeitschrift haben, in der sie erschienen ist.

Ist dieses Selbstarchivieren vor allem im angloamerikanischen Raum mittlerweile bereits recht verbreitet, hat es sich hier zu Lande noch nicht allzu weit herumgesprochen. Noch nicht übermäßig viele Forscher - unter ihnen auch FWF-Präsident Christoph Kratky - stellen alle ihre Arbeiten im Volltext online. Und nur zwei große wissenschaftliche Einrichtungen, die Österreichische Akademie der Wissenschaften und die Wirtschaftsuniversität Wien, verfügen über ein digitales Publikationsportal. Weltweit sind im Register der Open-Access-Plattformen bereits 791 Archive von Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen verzeichnet.

Den großen Wissenschaftsverlagen schadet das nicht wirklich, ja sie können sich damit sogar eine neue Einnahmequelle erschließen. Wer nämlich einen Text genau so ins Netz stellen will, wie er in der Zeitschrift erschienen ist, muss für das PDF und die Genehmigung bis zu 3000 US-Dollar hinblättern. Deshalb wird längst auch an alternativen Zeitschriftenmodellen gearbeitet, die von vorneherein offen zugänglich sind.

Gemeinnützige Verlage wie BioMed Central (BMC) oder Public Library of Science verfügen mittlerweile über Hunderte von Zeitschriften, die von allen gratis gelesen werden können. Das Problem ist allerdings, dass auch solche Publikationen etwas kosten. Schließlich müssen die Herausgeber die Fachbegutachtung abwickeln, die Texte und die Bilder aufbereiten und das Ganze ins Netz stellen oder sogar noch zusätzlich drucken lassen.

So kommt man dann erst wieder auf Summen, die von einigen hundert bis zu 2500 Euro reichen. Die dem Prinzip nach eigentlich von den Wissenschaftern selbst zu bezahlen wären. Bloß: Diese Form des "offenen Zugangs" muss man sich auch erst einmal leisten können. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 3. Jänner 2007)

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erfreulich

Ungeachted des Niveaus freut mich die Lebhaftigkeit dieser Diskussion. Es kann nicht jeder ein Experte sein und gerade wenn sich Nicht-Wissenschafter ueber die gesellschaftlichen Mechanismen der scientific community Gedanken machen ist das erfrischend.
Danke allen postern

Sehe diese Entwicklung mit Begeisterung!


Die Vormachtstellung (und bald schon Monopolstellung) von Elsevier, Springer und Co gehört unbedingt gebrochen!

Leider gelten Veröffentlichungen in diesen Zeitschriften bei Evaluierungen immer noch am meisten. Daher: Je mehr referierte Open-Access-Zeitschriften es gibt, desto besser.

wissen öffentlich zugänglich zu machen

ist der einzige weg, der die menschheit davor bewahrt in ein totalitäres gesellschaftssystem zu kippen ..

wenn ich mir das wissen (und den willen dazu) von durschschnittsmenschen ansehe, dann finde ich mich in der steinzeit wieder .. was nutzt das schönste handy der neuesten generation, wenn userIn keinen schimmer hat, was da alles ungefähr abläuft

wenn der unvermeidliche weg der spezialisierung gegangen wird, dann muss dies auch im sozialen system berücksichtigt, es dementsprechend sensibilisiert werden und verlangt von den teilnehmerInnen anspruchsvollere eigenschaften ..
der wille zu verständnis, vertrauen, wissen,"erkenntnis" usw. wären grundpfeiler solcher gesellschaften - heutzutage gehts aber in die andere richtung ..

Das Wissen IST öffentlich zugänglich...

Man findet man viel wissenschaftliche Literatur frei zugänglich im Internet (z.B. jede Menge Skripten von Unis, Fachhochschulen usw.). Darüber hinaus kann sich jede/jeder entsprechende Basisliteratur oder Lehrbücher einfach kaufen und sogar (in Ö zumindest) gratis Vorlesungen auf der Uni besuchen...

Das Problem mit den Journals betrifft vor allem Wissenschaftler, die einen bestimmten Artikel unbedingt brauchen. Dafür haben aber die meisten Universitäten Lizenzverträge mit den Verlagen abgeschlossen, so daß die Mitarbeiter und Studenten Zugriff auf die Journaldatenbank haben...

Und dann gibt es noch die (nicht nur Uni-)Bibliotheken, die die Journals abbonniert haben und auch jede Menge Lehr- und Fachbücher kostengünstig im Angebot haben.

Ich bezweifle allerdings, dass mangelnder Zugang zu wissenschaftlicher Primärliteratur Schuld an totalitären Gesellschaftssystemen, geringem Allgemeinwissen oder Unkenntnis bezüglich Funktionsweise der Handys hat.

Wissenschaftliche Primärliteratur ist hochspezialisiert und nur für Wissenschafter interessant, zuweilen nicht einmal für die. Ich kenne genügend Wissenschafter, die einen Großteil der Paper als geistige Belästigung empfinden, was sie meiner bescheidenen Meinung nach meist tatsächlich sind.

Diese Behauptung versteht man aber leider erst dann, wenn man sich selber lange genug mit dieser Literatur herumschlagen und -ärgern musste.

Seien Sie froh, wenn Sie das nicht müssen! Gute Lehrbücher sind viel interessanter, glauben Sie mir!

ich kann ihnen nur teilweise zustimmen. es hat sich gezeigt, dass in vielen totalitären systemen die wissenschaftliche meinung staatlich gelenkt wurde und gewisse errungenschaften der technik aus ideologischen gründen nicht umgesetzt werden durften.

freie wissenschaft führt zwangsläufig auch zu frei denkenden menschen.

Freies Denken

Ob Menschen frei denken können, hängt meiner Meinung nach mehr von der Erziehung durch Eltern und Lehrer bzw. der allgemeinen Toleranz der Gesellschaft für unkonventionelle Ideen und Vorstellungen ab, als vom Treiben der meist ohnehin oft weltfremden Wissenschaft ab.

Eine einzige Mutter, die ihrem Kind den Raum gibt, Fragen zu stellen, kritisch zu sein, nicht immer alles als Gegeben hinzunehmen, hat mehr zum Freien Denken beigetragen als ich es mit Pipettierarbeit, Vorträge halten in einem Fachchinesisch, das selbst engste Freunde nicht verstehen können, und Paper schreiben, die in irgendwelchen Unibibliotheken verstauben, in 1000 Jahren jemals tun könnte.

Außerdem: Ist Wissenschaft wirklich so frei? Und so wenig lenkbar?

Die allgemeine Einstellungen einer Gesellschaft zum Leben werden nachhaltig von den Erkenntnissen der Wissenschaften geprägt. Beispiele sind hier in vielen Lebensbereichen zu finden:

Umweltschutz resultiert aus wissenschaftlichen Studien

Medizin: wir sterben nicht mehr einfach an irgendwelchen infektionen.

Durch unsere Technologie leben wir heute unter wesentlich besseren Bedingungen als zb. vor 100 jahren.

Wir glauben nicht mehr, dass wir der Mittelpunkt des Universums sind.

und, und, und

Sicher, Erkenntnisse der Medizin und Naturwissenschaft haben die Möglichkeiten des Menschen massiv erhöht und sein Leben verändert.

Aber abgesehen davon, dass nur ein sehr kleiner Teil der aktiv betriebenen Wissenschaft und der aktiven Wissenschafter wirklich was weiterbrigen (98% der Wissenschaft wird von 2% der Wissenschafter gemacht): Diese Veränderungen haben nichts mit dem Preis zu tun, der für wissenschaftliche Journals zu bezahlen ist (und nur darum geht es: der Preis; frei erhältlich ist weiterhin alles!) oder der Verfügbarkeit derselben für den Laien.

Dieser bekommt vom Arzt Schutzimpfungen oder Antibiotika, auch wenn er die Literatur nicht liest.
Handys können benützt werden, ohne je die Arbeiten Maxwell´s gelesen zu haben u.s.w

"98% der Wissenschaft wird von 2% der Wissenschafter gemacht"

Wo haben's das gefunden? Ohne wirklich seriöse Quelle wär ich geneigt, darüber zu lachen. Mit seriöser Quelle würd ich's nachprüfen.

Das ist ein ziemlich alter Spruch und basiert natürlich auf keinen Statistiken (Wie sollte man das auch quantifizieren können?), drückt aber die simple Einsicht aus, dass die Anzahl wirklich relevanter Durchbrüche sehr gering ist im Vergleich zur gesamten Aktivität in der Wissenschaft und diese von relativ wenigen Wissenschaftern gemacht werden.

Wenn Sie was zum Nachprüfen benötigen, dann nehmen sie sich einen x-beliebigen Professor her, der an ihrer nächsten Uni tätig ist, und versuchen herauszufinden, was der in seinem Forscherdasein wirklich Relevantes hervorgebracht hat.
Welche neuen Erkentnisse, die Standardwissen seines Faches geworden sind (Grundlagen), oder welcher konkreten Nutzen (Anwendung) sind seiner Tätigkeit entsprungen?

ok, wenn die Quelle ein alter Spruch ist, dann lache ich jetzt wie Angekündigt.

Ich erlaube mir aus Ihren Postings abzuleiten, dass Sie noch nie geforscht haben, und auch nicht so wirklich wissen, wie Forschung funktioniert.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Forschung besser verstehe als jemand, dem noch nicht einmal bewusst ist, dass nur ein sehr kleiner Teil der Wissenschaft relevant ist.

Ich bin im übrigen promovierter Molekularbiologe mit sehr langer Erfahrung in der Wissenschaft und habe auch an mehreren Instituten und Forschungszentren gearbeitet, an der Uni Wien, Uni Würzburg, Novartis und dem DKFZ Heidelberg.

Es ist schon etwas grotesk, wenn mir jemand, der offenbar etwas naiv und grün hinter den Ohren ist, sagt, ich hätte nie geforscht und wüsste nicht, wie Forschung funktioniert.

Oder sind Sie vielleicht ein Wissenschaftstheoretiker?
Die glauben meist, sie verstünden Wissenschaft so gut, haben aber von der Praxis keine Ahnung.

Dann passt entweder Ihr posting nicht zu Ihrem Berufsweg, oder ich habe Ihre Aussage falsch verstanden. ;-)

Als erfahrener Forscher werden Sie mir recht geben, dass ein Alter Spruch und ein Bauchgefühl keine Datenbasis für eine derartige Aussage dar stellen.

Ich geb Ihnen recht, dass viele "Forscher" nicht viel bewegen und eher Erbsenzähler sind. Trotzdem sehe ich andererseits, dass die spektakulären Durchbrüche Einzelner eben auf einer breiten Basis an Grundlagenarbeit Vieler entstehen.



P.S.: Ich bin selber promoviert, hab auch sowohl univeristär geforscht & einges publiziert, auch in der Industriellen Forschung als auch anschliessend Forschungsmanagement gearbeitet, usw...

Warum stört Sie die Verwendung eines derart geläufigen Spruches? (Josef Penninger hat ihn auch mal zum Besten gegeben, war sogar im Standard zu lesen)
Es ging ja nicht um eine quantitative Aussage, die in diesem Zusammenhang auch gar nicht möglich wäre.
Der Spruch drückt einfach pointiert und witzig aus, was Sie ja eigentlich auch wissen, wenn Sie lange dabei waren: Dass es nur wenige Wissenschafter gibt, die echte Durchbrüche machen, und die meisten nichts wirklich bewegen.

Vielleicht kommt Ihnen mein Posting deshalb so vor, weil ich ziemlich desillusioniert vom Wissenschaftsbetrieb bin und nichts mehr vom enthusiastischen, "gläubigen" Forschertyp habe, denn man ja recht oft antrifft.

Nebenbei ist die grösse des Durchbruchs extrem stark von den verfügbaren Mitteln (und dem unterstützenden Team dahinter) abhängig, und erst in zweiter Linie von der Brillianz des Forschers (Wenn wir mal ganz wenige geniale Einsteins und Gödels u.a. ausklammern).

Das dachte ich früher auch.
Aber meine Erfahrungen am DKFZ Heidelberg haben mich geleehrt: BEIDES muss passen.

Gerade in einer experimentellen Wissenschaft ist klar, dass man auch viel Geld braucht, um gut forschen zu können.

ABER: Geld ist wirklich nicht alles!
Während meiner Promotion am DKFZ Heidelberg habe ich gesehen, was rauskommt, wenn man drittklassigen Wissenschaftern erstklassige Födermittel in die Hand gibt: Auch nur drittklassige Ergebnisse.
Ich habe selten so einfallslose Wissenschafter gesehen, bar jeglichen Gefühls, was überhaupt eine sinnvolle Fragestellung bedeutet, wie dort, aber wissenschaftspolitisch waren die sehr erfolgreich und hatten sehr viel Geld zur Verfügung, das letztendlich nur verschwendet wurde.

Mich stört - auch wenn Penninger das Zitat mal verwendet hat *g* - dass es unterstellt, dass nur Forschung mit spektakulären Ergebnissen wertvoll ist.

Und es verstärkt den Druck in der (besonders in der Angewandten) Forschung, Ergebnisse zu liefern, was widerum forschung mit hohem Erfolgspotenzial bevorzugt. Das ist in der Industriellen Forschung sicher notwendig, in der Universitären Forschung würde weniger Ergebnisdruck vermutlich die Behandlung von ausgefalleneren Themen - und die drastischen GrundlagenDurchbrüche passieren meiner Ansicht nach in diesen Grenzgebieten - verstärken.

Dass gegen Sesselwärmer etwas getan werden sollte seh ich auch, haltre allerdings Andere Mechanismen für sinnvoller.

Vielleicht ist der übermäßige Druck in der universitären Forschung tatsächlich kontraproduktiv.

Aber dieser Druck hat doch vor allem eine Ursache: Die unsichere Zukunft.
Zumindest bei uns in der Biologie ist es so, dass nur ein kleiner Teil der Jungwissenschafter Dauerstellen bekommen können und werden. Der Großteil hangelt sich mit befristeten 2-Jahresverträgen "postdocend" durchs Leben oder versucht sich mit (natürlich befristeten) DFG-Stipendien als Gruppenleiter, aber nur wenige schaffen es wirklich.
Der Rest bekommt mit 40+ nicht mal mehr befristete Verträge mehr und fällt sehr tief.

Daher ist man so leicht unter Druck zu setzen!
Daher kann man auch so bedingungslos "publish or perish" (den Spruch kennen Sie aber schon?) fordern!

Ich holte den Druck in der Form für Kontraproduktiv, da Gerede viele der Besseren in Andere Felder Abwandern weil dort dem Druck eben mehr Benefit gegenüber steht

Ich glaube auch, dass der übermäßige Druck in der Forschung kontraproduktiv ist.
Einerseits aus dem Grund, den Sie genannt haben, andererseits auch, weil der permanente Zwang, "sich gut zu verkaufen", unbedingt publizieren zu müssen, den unmittelbaren Vorgesetzten gefallen zu müssen, zu einem Nachlassen in der wissenschaftlichen Ethik und zu Konformität führen.
Das ist natürlich nur meine ganz persönliche Meinung, die von viele Kollegen nicht geteilt wird.

So habe ich das aber nicht gemeint.
Ein Ergebnis muss nicht spektakulär sein, um Relevanz zu besitzen.

Relevant ist die Forschung gewesen, wenn
1) Eine wissenschaftliche Erkenntnis gewonnen wurde, die Eingang in Lehrbücher und Uni-Lehrstoff gefunden haben, also gewissermaßen zum Standardwissen der jeweiligen Wissenschaft geworden ist.
2) Eine Labormethode (weiter)entwickelt wurde, die zur Beantwortung wissenschaftlicher Fragen taugt.
3) Ein neues Produkt entwickelt wird (z.Bsp. Medikamente, Diagnostika, Methoden für die Forensik u.s.w.)
4) Eine grundsätzlich unbedeutende und kaum beachtete Erkentnis gewonnen wurde, die aber später mitgeholfen hat, Punkte 1,2 oder 3 zu realisieren. (Sowas gibt es. Z.Bsp. das Baculovirussystem)

Wieviele Menschen außerhalb der Wissenschaft lesen wissenschaftliche Primärliteratur?
Welcher Laie kann ein typisches Paper überhaupt verstehen, z.Bsp. in der Naturwissenschaft?
DIESE Literatur ist von Experten für Experten; für Außenstehende ist das reinstes Fachchinesisch.
Und der Punkt ist: Nur um diese Art von Literatur geht es hier.
Im Grunde genommen ist das ein interne Angelegenheit der Wissenschaftsgemeinde, die keine Auswirkungen auf den Rest der Welt hat.

Sekundärliteratur und Fachbücher, die leichter verständlich und deutlich interessanter sind, können relativ peisgünstig von jedem Menschen, den es interessiert, gekauft und gelesen werden.

Das stimmt.

Aber es geht ja darum, wissenschaftliche Publikationen für die verfügbar zu machen, die sie interessieren, und nicht für die, die sie so oder so nicht lesen wollen.

Und dahingehend bin ich voll dabei, zu unterstützen, daß der Zugang übers IN frei sein soll. Ich bin selbst Forscher und finde es oft äußerst mühsam, bis ich diesen und jenen Artikel in dieser Zeitschrift, die in jener Bibliothek liegt, jemals einmal einsehen kann.

Habe übr. Ihre Diskussion mit RS69 gelesen und greife Ihr für mich interessantestes Zitat heraus - "Wie frei ist Wissenschaft"...?

Sie als Biologe haben vielleicht noch "mehr Freiheit" im Sinne von Finanzierungsmöglichkeiten als ich als Ethnomusikologe. Bei uns sieht´s düster aus mit ...Freiheit.

Ja, ja... die Freiheit der Wissenschaft...

In der Biologie werden manche Themen stärker gefördert als andere und es gibt sehr wohl auch Mode-Erscheinungen, also Themen, die gerade schick sind, und für die es leichter mehr Geld gibt.
(Zuweilen hilft auch Umbenennen des Themas: Ich kenne jemanden, der im Prinzip Enzymkinetik betreibt, diese aber erfolgreich als "Systembiologie" verkauft, wofür es mehr Fördermittel gibt.)
Auf jeden Fall: Man muss sich danach richten, was überhaupt gefördert wird.

Außerdem muss man das machen, was im Themenkreis der eigenen Abteilung liegt; Ausstattung der Labore, notwendige Zusammenarbeit mit den Kollegen und -nicht zuletzt- der Wille des Abteilungsleiters zwingen einem ebenfalls Richtungen auf.

Also ich bin ganz klar alles andere als frei.

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