Neuer Öffi-Routenplaner "Scotty" für Bahn und Bus

10. April 2007, 13:51
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Tür-zu-Tür-Planer kann sogar Fußwege mit unterschiedlichen Gehgeschwindigkeiten errechnen - Kooperation von ÖBB und Radio Ö3

Wien – In Österreich sind Tag für Tag rund 4000 Züge unterwegs. Pro Jahr transportieren die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mehr als 190 Millionen Fahrgäste. Und weil Begriffe wie Tür-zu-Tür-Routenplaner eher nicht für die auf prägnante Kürze Wert legende Masse taugen, setzen die ÖBB auf "Scotty", den neuen Onlinemanager für Fahrplananfragen.

Inklusive Gehminuten

Der nahe liegende Schluss, dass "Scotty", der am Dienstag vorgestellt wurde, beamen könnte, wird sich, in den kommenden Jahren zumindest, noch nicht bewahrheiten. Der Routenplaner auf den Homepages der Bundesbahnen sowie des Radiosenders Ö3 wird aber in Zukunft nicht nur über Abfahrtszeiten und Umsteigemöglichkeiten zu Schiene und Bus Auskunft geben, sondern auch die Gehminuten von der Ausgangs-Haustür zur Ziel-Haustür berechnen.

Die Angaben, mit denen man den Tür-zu-Tür-Routenplaner füttert, können so individuell wie nötig sein: Die Gehgeschwindigkeit kann genauso eingegeben werden wie zum Beispiel der Bedarf nach einem Zug, in dem man auch mit Rollstuhl Platz findet.

Auch private Busunternehmen

Der aus dem Maschinenraum des Raumschiffes Enterprise ausgeliehene "Scotty" wurde in den eineinhalb Jahren Vorlaufzeit mit Informationen von 35.000 Bus- und Bahnhaltestellen gefüttert, private Busunternehmen wurden genauso erfasst wie öffentliche Verkehrsbetriebe. Die Reisenden haben zudem die Möglichkeit, sich mittels Ausdruck der Route ein Bild von ihren (Geh-)Wegen zu machen. In der umfangreichen Datenbank fehlen noch die Angaben der Grazer Verkehrsbetriebe sowie einiger privater Busunternehmer in Tirol, doch bis Mitte des Jahres werde diese Problem behoben, informierte ÖBB-Vorstandsdirektorin Wilhelmine Goldmann.

Informationen über gröbere Stör- oder Ausfälle von Zügen und Strecken werden in den Verkehrsnachrichten von Ö3 vermeldet. Das System Scotty gibt es auch in Deutschland und der Schweiz. Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2008 soll das heimische Öffi-Angebot mit dem des Kogastgeberlandes verbunden werden.

VCÖ: Gesamtkonzept fehlt

An der Schweiz solle sich Österreich überhaupt ein Beispiel nehmen, fordert der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Was zwischen Boden- und Neusiedler See fehle, sei ein Gesamtkonzept für den öffentlichen Verkehr. Dazu gehörten unter anderem ein bundesweiter Taktfahrplan, ein österreichweites Ticket und Verbesserungen der Infrastruktur.

"Jahr des Stillstandes"

"2006 war in Österreichs Verkehrspolitik ein Jahr des Stillstands. Anstatt die großen Verkehrsprobleme anzugehen, verpuffte die Energie in Tempo 160 Tests", bilanziert VCÖ-Experte Martin Blum. Er sieht auch die Finanzierung der Infrastruktur von Schiene und Straße gefährdet. Die nächste Regierung müsse Betriebe, die Gütertransport auf die Schiene verlagern, stärker unterstützen, fordert Blum. Nach einer VCÖ-Berechnung kommt der Bahnkilometer wesentlich billiger (siehe Grafik) als andere Transportmöglichkeiten. (mil, simo, DER STANDARD Printausgabe, 03.01.2007)

  • Aus den unendlichen Weiten des Weltraums zu den ÖBB. "Scotty" gibt Auskunft über die Routenplanung und berechnet sogar die Gehminuten zum Bahnhof
    fotos: fischer, epa; montage: pass

    Aus den unendlichen Weiten des Weltraums zu den ÖBB. "Scotty" gibt Auskunft über die Routenplanung und berechnet sogar die Gehminuten zum Bahnhof

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