Ein Meilenstein auf dem Weg zum Abstieg der USA

13. März 2007, 16:32
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USA schufen durch den Irakkrieg einen geopolitischen Albtraum

George W. Bush erklärte die Hinrichtung von Saddam Hussein zum "Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie im Irak". Sie ist eher ein Meilenstein im Abstieg der USA von der Position einer erfolgreichen Supermacht. Mit dem Henkersstrick kann sich Bush nicht aus dem Sumpf einer katastrophalen Politik ziehen.

Schon die Umstände dieser Henkerszene weisen den US-befreiten Irak als unveränderten Schauplatz blutdürstiger Stammes- und Religionsfehden aus; aber der Irak war in dem Moment für Demokratie, Menschenrechte und "den Westen" verloren, als die Bushies dem Einmarsch keine Politik des Wiederaufbaus folgen ließen. Hard power ohne soft power ist stupid power.

Stupider und arroganter Glauben

Die Hinrichtung Saddam Husseins entspringt dem ebenso stupiden wie arroganten Glauben der Ultra-Konservativen um Bush junior, sie könnten sich die Welt mit Gewalt nach ihren Vorstellungen herrichten. Wohlgemerkt, nicht nach allgemein "amerikanischen" Prinzipien, sondern nach denen einer Machismo-besoffenen, ultra-konservativen, in die Todesstrafe verliebten Elite, die die USA im Moment regiert. Die so genannte Bush-Doktrin, entworfen nach 9/11, besagt, dass die USA ohne Rücksicht auf andere überall dort gewaltsam eingreifen können und sollen - auch präventiv -, wo es ihnen gut dünkt.

Das war immer falsch gedacht. Es war aber für ein paar Jahre rein praktisch machbar, solange die USA wirklich durch ihren Sieg im Kalten Krieg eine einzigartige Stellung hatten. Nun ist es aber damit weit gehend vorbei, weil die USA unter Bush falsch auf 9/11 reagierten. Der Krieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan war noch richtig, weil damit Al-Kaida ein ganzes Land als Operationsbasis entzogen wurde.

Der Krieg gegen den Irak hatte schon keine rationale Begründung mehr; er wurde geführt, weil die Bushies einfach irgendwo im Nahen Osten dreinschlagen wollten. Saddam Hussein war aber kein relevanter Feind mehr, sein Sturz machte den Weg nur frei für die wirklich relevanten Feinde, den islamischen Radikalismus in seinem verschiedensten Formen - die iranische Führung, die Hisbollah in Beirut, die Hamas in Palästina, die Islamisten in Soma- lia, die (we- gen amerikanischer Versäumnisse) wiedererstehenden Taliban in Afghanistan und jede Menge prä-revolutionärer Radikaler in Staaten, die noch als Verbündete der USA gelten.

Geopolitischer Albtraum

Die USA unter Bush haben durch den Irakkrieg einen geopolitischen Albtraum geschaffen. Nicht Al-Kaida ist die strategische Gefahr, sondern die Vielzahl muslimisch-radikaler Bewegungen von Marokko bis ins (atomar gerüstete) Pakistan.

Noch dazu können sich die USA auch in essentiellen Fragen keineswegs mehr ohne Weiteres durchsetzen. War die Hinrichtung Saddams etwa auch als eine (leere) Drohung an Kim Jong Il und Ahmadi-Nejad gedacht?

Nicht einmal mehr die ökonomischen Grundlagen der USA sind so felsenfest. Die Staatsverschuldung wird von China und Japan finanziert; Toyota überholt General Motors.

Die absolute Dominanz der USA war ohnehin temporär. Aber die Zeit für Lösungsversuche mit einer Mischung aus hard und soft power wurde vertan. Bush und die Seinen haben den Abstieg der USA befördert und verschlimmert. Moralisch ohnehin, aber auch im harten realpolitischen Sinn. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe 2.1.2007)

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