"Österreich ist ein Kernmarkt"

14. Februar 2007, 16:42
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Lutz Bauer ist der neue Chef der Zurich Ver­sicherung in Wien. Wie von hier aus die Expan­sion Richtung Osteuropa vorangetrieben wird, skizziert er im STANDARD-Interview

STANDARD: Die Zurich hat sich 2002 aus dem Privatkundengeschäft in Mittel- und Osteuropa, dem CEE-Raum, zurückgezogen und gab Beteiligungen in Polen, Ungarn, in der Slowakei und Tschechien an die Generali ab. Wie begründen Sie das neuerliche Engagement?

Bauer: 2002 hatten wir durch die Übernahme der Winterthur-Versicherung Managementkapazitäten gebunden. Jetzt sind wir wieder stark genug und wollen expandieren. Zudem waren damals unsere Kernmärkte die USA, Großbritannien, Spanien, Deutschland, Italien und die Schweiz. Jetzt ist auch Österreich ein Kernmarkt.

STANDARD: Warum gerade Österreich?

Bauer: Weil von Wien aus die Ost-Expansion erfolgen soll und der CEE-Raum ab nun zu einem Kernmarkt der Zurich gehört. Der Standort Wien wird definitiv aufgewertet und wir gehen mit sehr ambitionierten Zielen in die Emerging Markets. Wien hat die Aufgabe, die Steuerungskapazität für den Osten aufzubauen und Strategien für die Markterschließung zu entwickeln.

STANDARD: Und in welche Länder werden Sie konkret gehen?

Bauer: Wir schauen uns drei bis vier Märkte genauer an. Welche genau, möchte ich noch nicht sagen. Der Grund: Im Osten finden derzeit unter den Versicherungen Bietergefechte statt, die die Preise nur in die Höhe treiben. Faktum ist, dass wir in Ungarn, Tschechien oder der Slowakei bereits in der zweiten oder dritten Entwicklungsstufe und auch in einer fortgeschrittenen Verkaufswelle sind. Unsere Strategie ist es jedenfalls, in den Märkten, in die wir reingehen, unter die Top fünf bis zehn zu kommen.

STANDARD: Mit welchen Sparten und mit welcher Vertriebsschiene möchten Sie starten?

Bauer: Schaden/Unfall und Lebensversicherung für Privatkunden. Beim Vertrieb ist alles möglich: Kauf einer bestehenden Versicherung, Direktvertrieb über Internet und Telefon, über Agenturen oder auch Banken. Gerade im Bankenvertrieb besitzt die Zurich in vielen europäischen Ländern große Erfahrung. Dass Banken Ihre Angebotspalette erweitern und auch Produkte anderer Anbieter ins Programm nehmen, um ihre Neutralität und Beratungskompetenz herauszustreichen, kommt uns sehr entgegen.

STANDARD: In Russland ist die Zurich bereits vertreten. Müssen die dortigen Manager künftig auch nach Wien berichten?

Bauer: Ja. Russland gehört rechtlich derzeit noch zu Deutschland, wird künftig aber an Wien angehängt. In Wien ist das Interesse für das Thema Osteuropa vorhanden, und es ist ein sehr verbreitetes Thema.

STANDARD: Welches Prämienvolumen haben Sie in Russland?

Bauer: 35 Millionen Dollar. Verglichen mit den Markterwartungen von 15 Milliarden Dollar allein in der Schaden-/Unfallversicherung ist das also noch relativ wenig. Aber in Russland sind wir einer der ganz wenigen westlichen Versicherer am Markt.

STANDARD: In Österreich sind Sie mit einem Prämienaufkommen von zuletzt 440 Millionen Euro die Nummer fünf am Markt. Welche Trends sehen Sie?

Bauer: Die fondsgebundene Lebensversicherung der Zurich ist sehr gefragt, insbesondere alle Garantieprodukte boomen. Bei der Fondsgebundenen haben unsere Kunden den Vorteil, dass sie ihr Geld jederzeit und kostenlos - bis auf ein Minimum von 1000 Euro Fondsvermögen - abheben können. Im Vergleich dazu ist der Zuwachs bei Schaden-/Unfallversicherungen geringer. Unsere Tochter Zuritel ist der einzige Internetanbieter, der alle Versicherungssparten offeriert. Von Wohnung über Auto bis zu Rechtsschutz können Sie alles online kalkulieren und abschließen. Diese Vertriebsschiene wird an Bedeutung gewinnen.

STANDARD: Die Mitarbeitervorsorgekasse und die Pensionskasse gehören zu je 50 Prozent der Generali und der Zurich. Die Generali ist Teil des Cerberus-Konsortiums. Wird sich das auf den Bankenvertrieb der Zurich bzw. die Zurich in Österreich auswirken?

Bauer: Der Vertrieb unserer Versicherungsprodukte über Banken ist davon nicht betroffen. Ob sich die neuen Eigentumsverhältnisse bei der Bawag auf die Bonus-Mitarbeitervorsorgekasse und die Bonus-Pensionskasse auswirken werden, ist völlig offen. Wir haben mit der Generali eine sehr gute Gesprächsbasis. Da das Thema aber untergeordnete Priorität hat, haben wir darüber noch nicht gesprochen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.1.2007)

  • Auch das Russland-Geschäft wird künftig von Lutz Bauer und von Wien aus gesteuert.
Zur Person
Lutz Bauer (50) ist seit Jahresbeginn neuer Generaldirektor der Geschäftseinheit Zentral- und Osteuropa mit Sitz in Wien. Bauer ist seit 1999 für die Zurich Financial Services (Mutterkonzern der Zurich in Österreich) tätig. Seit 2004 nimmt er als europaweiter Leiter des Schadenmanagements und Mitglied des europäischen Executive Committees eine zentrale Position in der Zurich Gruppe ein. Bauer ist gebürtiger Bayer.
    foto: standard/regine hendrich

    Auch das Russland-Geschäft wird künftig von Lutz Bauer und von Wien aus gesteuert.

    Zur Person
    Lutz Bauer (50) ist seit Jahresbeginn neuer Generaldirektor der Geschäftseinheit Zentral- und Osteuropa mit Sitz in Wien. Bauer ist seit 1999 für die Zurich Financial Services (Mutterkonzern der Zurich in Österreich) tätig. Seit 2004 nimmt er als europaweiter Leiter des Schadenmanagements und Mitglied des europäischen Executive Committees eine zentrale Position in der Zurich Gruppe ein. Bauer ist gebürtiger Bayer.

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