"Ein kleines Lied für dich, Cherie"

12. Jänner 2007, 19:11
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Drei Länder, drei Acts: Maria Taylor, Kristofer Åström und Wolke beim "Sit down and sing"-Festival zu Gast

Die Namen wechseln, der Gedanke bleibt: Für die zweite Ausgabe des "Sit down and sing"-Festivals sind wieder MusikerInnen auf gemeinsamer Tour, die sich auf unterschiedliche Weise dem Song als großem Ziel nähern. Keiner der diesmal Beteiligten - Maria Taylor, Kristofer Åström und Wolke - lässt sich in eine bestimmte Schublade stecken - allen gemein ist aber, dass sie in der Wahl der Mittel zur Erreichung dieses Ziels bewusst auf "Fett"-Reduktion setzen. Schlank und stetig läuft es sich eben am längsten.

Maria Taylor aus Alabama ist eine Hälfte des Pop-Duos Azure Ray, hat 2005 aber auch das Solo-Album "11:11" herausgebracht, auf dem sie ihre begnadete Säuselstimme in erster Linie zu Akustikgitarren-Sound einwirken lässt. Und die Wirkung geht tief. Das reicht stellenweise bis ins Countryeske ("Birmingham 1982") und wird auch mal von elektronischen Gehversuchen ("One for the Shareholder") kontrastiert.

Und dann wieder baut Taylor gar einen ansatzweisen Wall of Sound - "Wall" im Sinne einer zarten Nebelwand - auf, unter anderem in ihrem Meisterstück, dem hinreißend schönen "Song Beneath the Song" und seinem sich selbst widerlegenden Mantra "It's not a love / it's not a love / it's not a love / it's not a love song".

Aus Schweden stammt Kristofer Åström, der für das Festival auf seine Begleit-Combo The Hidden Truck verzichtet und sich mit einer schlichten Klampfe begnügt. Åström steht seit bald acht Jahren für Folk und Americana: Sehr melancholisch, keineswegs aber immer still und langsam - Erbe seiner Herkunft aus der Band Fireside.

Bleiben noch Wolke, die Opener des Abends: Sänger und Bassist Oliver Minck und Keyboarder Benedikt Filleböck, der sich mit seinem messerscharfen Bärtchen alle Mühe zu geben scheint, als Kölner Ausgabe von Sparks-Hälfte Ron Mael in Erscheinung zu treten. Wer großes Gefühl in kleine Formen (Bass, Beatbox und Keyboards) gießt, erhält als Ergebnis tragikomisches Pathos: Wunderbar auf den Punkt gebracht im Queen-Cover "Ich will mich befreien", dessen mäusemuskulösen Charme sich keine Frauenband leisten könnte, wollte sie weiter ernst genommen werden.

"Ich habe getreten, ich habe randaliert. Hat keinen interessiert": Wolkes Elektro-Pop ist die musikalische Entsprechung aller Anti-Helden, die die Literatur des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Und so ganz nebenbei drücken sie so direkt wie lange niemand mehr aus, worum es in Pop-Musik eigentlich geht: "Wir werden immer jünger, das Gegenteil von Tod."
(Josefson)

Wien - Flex, Mi, 10.01. - 21 Uhr
Innsbruck - Treibhaus, Do, 11.01. - 20 Uhr
Salzburg - Rockhouse, Mo, 15.01. - 20 Uhr
Linz - Posthof, Di, 16.01. - 21 Uhr


Links
  • "Cryptic words meander, now there is a song beneath the song": Maria Taylor.
    foto: saddle creek records

    "Cryptic words meander, now there is a song beneath the song": Maria Taylor.

  • "I spend too many hours on planes, thanks for listening to my complaints": Kristofer Åström.
    foto: v2

    "I spend too many hours on planes, thanks for listening to my complaints": Kristofer Åström.

  • "Ein kleines Lied für dich, Cherie, ich hab schon drei Worte ...": Wolke.
    foto: tapete records

    "Ein kleines Lied für dich, Cherie, ich hab schon drei Worte ...": Wolke.

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