Mates of State: "Bring it back"

14. September 2007, 13:31
posten

Instrumente zum Schlagen und ein Ehepaar zum Küssen: Kori Gardner und Jason Hammel als Sympathie­träger der Popmusik

Sie nehmen das Beste aus der Popgeschichte: das Harmoniegefühl aus den 60ern und die Lust an kleinen Zerstörungen, an Ecken und Kanten, aus den 80ern. Wenn zu "Fraud in the '80s" ein Dudelsack-ähnlicher Synthesizer losquäkt, fühlt man sich unvermittelt ins Jahrzehnt der Teenager-Filme, zu "Pretty in Pink", "Breakfast Club" und Co zurückgeschossen.

Von der Vergangenheit ...

Überhaupt Kino: Wem bei neueren amerikanischen Indie-Filmen ein Hang zur Rückbesinnung auf 80er-Jahre-Bands aufgefallen ist, der darf zur Kenntnis nehmen, dass diese Art von Musik in den unzähligen Mittelstädten der USA und Kanadas über die 90er und 00er Jahre hinweg besser in Ehren gehalten wurde als in Europa. Gekonntes Epigonentum (wie The Organ als originalgetreuste Smiths-Erben ever) gedieh parallel zum Kult um die Originale (wie um Morrissey, der in L.A. sein langjähriges Refugium fand).

Psychedelic Furs und Echo & the Bunnymen für den schimmernden Sound, Violent Femmes und Feelies für die irgendwie liebenswerte Aufgeregtheit, die B-52's für das wechselnde Mit- und Ineinandersingen, Weezer für diejenigen, die popgeschichtlich nicht gar so weit zurückgehen wollen: all das steckt in dieser Platte, und mehr.

... in die Gegenwart

Kori Gardner und Jason Hammel, inzwischen in Kalifornien lebend, machen seit einem Jahrzehnt zusammen Musik, was bedeutet: er trommelt, sie schlägt die Tasten, beide singen. Auf früheren Platten - "Bring it back" ist die vierte - war dies noch puristischer und widerborstiger gehalten. Mit gewachsener Lust an der Harmonie hat das Ehe- und Elternpaar inzwischen auch Platz für Gitarren, Bratschen und Didgeridoos eingeräumt.

... aber nur in einem kleinen Gästezimmer. Immer noch bestimmt das Wechselspiel aus quirligem Schlagzeug und übereinander geschichteten Keyboard-Lagen den Sound, und der ist lebendig, frischfröhlich, sympathisch ... irgendwie wie die beiden selbst. Statisch kreiseln die Akkorde in "So many ways" (neben "Fraud in the '80s" das beste Stück des Albums), wild wird bei "Like U crazy" ins "Klavier" gehämmert, als wollte man mit den Dresden Dolls jammen, und ist letztlich doch nicht aggressiver als Hotelseife, der Refrain beweist's.

... und falls sich jemand wundert, dass hier keine Textzitate eingebaut sind: So wenig kapiert habe ich Song Lyrics schon lange nimmer. Ich geh mich jetzt schämen. (Josefson)

  • Mates of State: "Bring it back" (Barsuk Records/Moshi Moshi Records 2006)
    coverfoto: barsuk records/moshi moshi records

    Mates of State: "Bring it back" (Barsuk Records/Moshi Moshi Records 2006)

    Share if you care.