Verbund lässt erwartetes Njet des Syndikats zur Fusion kalt

13. Juli 2000, 14:47

Vorstandssprecher Hans Haider: Electricité de France bekommt bei Energie Austria keine Sonderrechte

Wien - Der Verbund hat noch nicht alle Hoffnung fahren lassen, dass auch das Syndikat aus EVN, WienStrom und Tiwag der geplanten Energie Austria zustimmen wird. Unabhängig davon wird der Verbund-Aufsichtsrat am Donnerstag die Zustimmung zur Fusion mit der steirischen Energieholding Estag und der Energie AG Oberösterreich (EAG) geben. Schließlich reicht die einfache Mehrheit, um grünes Licht für die notwendige außerordentliche Hauptversammlung zu geben. Der Bund, der 51 Prozent am Verbund hält, hat bereits angekündigt, der Firmenehe zustimmen zu wollen.

Der Verbund-Vorstandssprecher Hans Haider ist höchst skeptisch, dass das Syndikat, das eine Sperrminorität an der Verbundgesellschaft hält, der geplanten elektrischen Menage à trois seinen Segen gibt, zumindest nicht im Aufsichtsrat. "Wir rechen mit einem Njet. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass das Konsortium doch zustimmt", sagte Haider im Gespräch mit dem Standard. Er mahnte die drei Großaktionäre, ihre Entscheidung nach wirtschaftlichen Kriterien zu treffen und nicht nach emotionalen.

Schlüssel in Paris

Den Schlüssel zur Stromfusion hält aber der französische Staatsriese Electricité de France in Händen. Die Franzosen halten nämlich eine Sperrminorität bei der Estag und müssen gemäß Syndikatsvertrag bei allen strategischen Fragen ihr Placet geben.

Laut Brancheninsidern fordert die EdF auch bei der Energie Austria Durchgriffsrechte, die weit über ihren prozentuellen Anteil am neuen Stromkonzern hinausreichen. Diese werden die Franzosen nicht bekommen, betonte der Verbund-Vorstand am Mittwoch. Trotzdem würden sie der Fusion zustimmen. "Die Gefahr, dass die EdF Nein sagt, ist nicht wahnsinnig groß", sagte Haider. Heute, Donnerstag, soll auch der Estag-Aufsichtsrat das weitere Vorgehen in der Causa Energie Austria festlegen.

Die Franzosen könnten es sich gar nicht leisten, dem Deal nicht zuzustimmen. Bei einem Nein würde die EdF in Österreich nämlich total im Eck stehen, meint der Verbund-Vorstand. Damit würde der französische Energieriese sein Milliardeninvestment in der Steiermark entwerten. Dann wäre auch die kolportierten Pläne der EdF, sich über den Deckmantel Estag in Oberösterreich einzukaufen, perdu. Estag-Vorstandsdirektor Adolf Fehringer erwartet ebenfalls ein Ja aus Paris: "Wir gehen davon aus, dass die Franzosen dem Fusionsvertrag so zustimmen werden, wie er am Tisch liegt, also ohne Sonderrechte."

Stimmen die Aufsichtsräte von Verbund und den Steirern dem geplanten Dreibund zu, müssen sie rund 5,7 Mrd. S für 25 Prozent am oberösterreichischen Landesversorger EAG in die Hand nehmen. Beide Unternehmen werden je 50 Prozent aufbringen, sagte Fehringer.

Diesen Deal hat das Land Oberösterreich mit der Zustimmung für die Energie Austria junktimiert. Die Kaufsumme entspricht den fusionsbedingten Synergien, die der neue Stromkonzern in mehr als zwei Jahren erzielen werde, laut Verbund sind es 2,2 Mrd. S pro Jahr.

(Clemens Rosenkranz)

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