Unsexy, aber alltagstauglich

11. April 2007, 17:12
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Die frühere Immofirma SEG bekommt ein zweites Leben – dank therapeutischer Fähigkeiten von Vorstand und Aufsichtsrat

Wien – Von manchen Vorurteilen trennt man sich nur ungern: Wie etwa von jenem, dass man mit einer Immobilienfirma schwerlich Verluste machen kann. Der insolvente Bauträger SEG (CEE GmbH) schaffte mit minus 107 Mio. den Spitzenplatz in der heurigen Insolvenzstatistik. Und die CEE AG schrammte daran nur haarscharf vorbei, wie bei der Hauptversammlung (HV) am Freitag berichtet wurde.

Gebe es die Generali und den neuen CEE-Mehrheitseigentümer, die ukrainische Slav-Gruppe nicht, wäre auch die ehemals börsenotierte CEE AG in den Konkurs geschlittert, gab der Anwalt und CEE-Aufsichtsratschef, Kurt Berger, offen zu. Ihm und einem Teil des Streubesitzes gelang es in einer denkwürdigen HV Mitte des Jahres im Auftrag der Generali das Kommando bei der CEE zu übernehmen.

Banken bewegen

Mit der ausgeglichenen Gemütsverfassung eines Phlegmatikers und der Mentalität eines Bombenentschärfers schaffte es Berger, gemeinsam mit dem neuen Vorstand Bernhard Chwatal zunächst die Banken dazu bewegen, die bereits fällig gestellten Kredite weiter zu stunden und dem Unternehmen ein halbes Jahr Zeit zu geben, neue Eigentümer zu suchen. Zur Veranschaulichung: Allein die Bankverbindlichkeiten summierten sich auf 100 Mio. Euro, bei jährlichen Mieteinnahmen von 13 Mio. Euro. Der operative Held der vergangenen Monate war Chwatal, nachdem die frühere Eigentümerin und Chefin Silvia Wustinger-Renezeder zum zügigen Abgang bewogen werden konnte. Der 36-jährige Sanierer warf sich in die Schlacht als hätte er ein erotisches Naheverhältnis zu Immobilien. Dabei offenbarten sich ihm bei jedem Blick in die Buchhaltung immer neue Krisenregionen. Seine tägliche Ration Nervennahrung (Tschicks statt Chips) erfreut heute noch die Austria Tabak.

Abwerten

Chwatal: "Die Bilanz zum 31.12.2006 zeigt, dass das Anlagevermögen viel zu hoch bewertet ist und stark abgewertet werden muss. Die Forderungen gegen die Konzerngesellschaften sind nichts wert und alle Cash-Positionen sind negativ. Der Wert der Aktie liegt nicht, wie noch im Sommer angenommen, bei fünf Euro, sondern bei 2,66 Euro." Was die knapp 70 Aktionäre in der zweieinviertel Stunden dauernden HV vor allem bewegte war die Frage des Schadenersatzes gegen die frühere SEG-Organe (Vorstand und Aufsichtsrat) und möglicherweise Eco Immobilien. Kleinaktionärsvertreter und SEG-Aufsichtsrat Wilhelm Rasinger: "Aus hygienischen Gründen bin ich für Schadenersatzforderungen, da das Kostenrisiko sehr hoch ist, sollte man möglichst rasch zu einem Vergleich kommen."

Mehrheitlich beschlossen wurde die Kapitalherabsetzung und anschließende Kapitalerhöhung um 35 Mio. Euro mittels Sacheinlage durch die Slav und ein neues genehmigtes Kapital von 30 Mio. Euro. Damit, so Berger, "ist es gelungen dem Unternehmen eine Zukunftsperspektive zu geben, für Immobilienentwicklungen in Osteuropa, speziell der Ukraine, mit dem Background eines funktionierenden österreichischen Unternehmens und einer soliden österreichischen Fremdfinanzierung". Die Slav, seit 1994 in Österreich im Stahlhandel tätig, bekam damit ein Immobilienpaket von 132.000 m2 mit über 1000 Wohneinheiten, das mit dem frischen Eigenkapital zwar noch immer als unsexy, aber alltagstauglich beschrieben wird. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.12.2006)

  • Bernharnd Chwatal, Kurt Berger und Wilhelm Rasinger (v.li.) betätigten sich vor der Hauptversammlung als verspätete Weihnachtsmänner.
    foto: standard/hendrich

    Bernharnd Chwatal, Kurt Berger und Wilhelm Rasinger (v.li.) betätigten sich vor der Hauptversammlung als verspätete Weihnachtsmänner.

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