Neue DOT.COM "Todesliste" - "Capital" schwärzt 20 Unternehmen an

12. Juli 2000, 17:12

Talfahrt bei Internet-Werten setzt sich fort



Die dot.com-Liste
Tote und im Sterben liegende E-Commerce-Firmen - Ihr Tipp?

Nun kommt auch das Wirtschaftsmagazin "Capital" mit einer so genannten "Todesliste": In seiner Donnerstagausgabe wird eine Liste mit 20 am Frankfurter Neuen Markt notierenden Unternehmen zu finden sein, deren Aktien nach Ansicht des Magazins von Anlegern gemieden bzw. verkauft werden sollten.

So beurteilt "Capital" die weitere wirtschaftliche Entwicklung von MWG-Biotech, Plasmaselect, Foris, Bertrandt, Saltus Technology, Abit, Artnet.Com, Cybernet Internet, Emprise Management, Real Tech, Edel Music, Odeon Film, Euromed, Refugium Holding, CPU Softwarehouse, Ixos Software, Lobster Technology, Wizcom Technologies, Teldafax und Teles mit Skepsis.

Unterdessen setzt sich die Talfahrt bei Internet-Werten fort. Auslöser war laut Marktteilnehmern die "Todesliste" in der aktuellen Ausgabe des deutschen Börsenbriefs "Prior Börse". Neben der auch in der Capital-Verkaufsliste aufscheinenden Artnet.com nennt Prior fluxx.com, Netlife und DateDesign. Besonders um Gigabell stehe es schlimm. Nach Berechnungen von Prior müsste der Service Provider schon Pleite sein.

Während Gigabell Liquiditätsprobleme zugegeben hat, äußert sich die Netlife AG, Hamburg, mit "allergrößtem Unverständnis" über die so genannte "Todesliste". Die Veröffentlichung sei in "äußerstem Maße" geschäftsschädigend und "dem Wesen nach blanker Unsinn", so ein Unternehmenssprecher. Der Neue Markt sei ein Finanzierungsinstrument junger Unternehmen, die bekanntlich weit überwiegend mit Verlusten gestartet sind und auf Grund der unternehmerischen Entwicklung und extrem positiven Märkte deutliche Umsatz- und Ergebnisverbesserungen erzielen würden, betonte der Sprecher. Netlife habe im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres den Umsatz verfünffacht, verfüge über liquide Mittel von 20 Mill. DM und sei frei von Verbindlichkeiten.

Der "Platow Brief" nennt den US-Kommunikationsdienstleister Viatel als weiteren Interessenten für die Übernahme des Internet-Unternehmens Gigabell. Neben Telia und Tiscali habe nun auch Viatel die "Buchprüfung" aufgenommen, so das Fachmedium am Mittwoch unter Berufung auf Branchenkreise. Bis Freitag wolle Viatel dem Gigabell-Vorstand das Ergebnis seiner umfassenden Prüfung mitteilen. Gigabell wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen.

Auch die Unternehmensberater von PricewaterhouseCoopers (PwC) waren in einer Studie vor wenigen Tagen zu dem Schluß gekommen, dass spätestens in 24 Monaten acht am Neuen Markt notierenden Internet-Startups finanziell die Luft ausgehen werde, hatten aber keine Namen genannt.

Der "Platow Brief" hatte darauf hin die Finanzbestände der Wachstumstitel durchleuchtet und Gigabell, Cybernet, Fortunecity, Musicmusicmusic, Artnet, Ebookers, Ricardo.de und Buch.de als die am meisten gefährdeten Titel genannt. Die eigene Liste decke sich mit jener von PwC, meint man bei Platow (red/APA/vwd/Reuters)

Share if you care.