Besucherrekord im Pfuschbau

4. Jänner 2007, 17:52
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Das erste Jahr im neuen Haus lief für die Salzburger Arge Kultur besser als erwartet

Trotzdem ist mit dem Neubau niemand richtig glücklich. Grobe Baumängel machen das Haus teilweise unbenutzbar. Das Kontrollamt soll nun klären, wer dafür verantwortlich ist.


Salzburg - 180 Veranstaltungen mit insgesamt 35.000 Besuchern - so lautet die Bilanz der Arbeitsgemeinschaft Kultur im ersten Jahr nach dem Umzug in den Ende 2005 fertiggestellten Neubau. Zum Vergleich: Im alten Haus der Arge, dem legendären Kulturgelände Nonntal, zählte man zuletzt pro Jahr 20.000 Gäste.

Trotz dieser Zahlen ist aber mit dem neuen Haus niemand wirklich glücklich. Denn der von Land und Stadt Salzburg gemeinsam finanzierte, rund vier Millionen Euro teure Kulturbau ist über weite Strecken vollkommen unbrauchbar. Die Baumängel betreffen vor allem die Akustik: Musik aus den Proberäumen überträgt sich immens laut in andere Kurs- und Seminarräume; eine multifunktionale Nutzung ist nicht möglich. Drei Proberäume stehen komplett leer, zwei können nur eingeschränkt genutzt werden. Laut Geschäftsführerin Daniela Gmachl entgehen der Arge dadurch jährlich Mieteinnahmen von rund 35.000 Euro.

Rechtliche Handhabe hat die Arge freilich keine, sie ist nur Mieter. Bauherr ist die Stadt Salzburg. Land, Stadt, Baufirma und Architekt würden sich jetzt gegenseitig die Verantwortung zuschieben, berichtet Gmachl. Auf Initiative der VP soll nun das städtische Kontrollamt versuchen festzustellen, wer für das Desaster beim Neubau verantwortlich zeichnet. In der Arge stellt man sich inzwischen auf einen jahrelangen Gutachter- und Rechtsstreit ein.

Inhaltlich will sich die Arge Kultur kommendes Jahr unter anderem mit dem Thema Zensur beschäftigen. Dabei gibt der künstlerische Leiter Marcus Hank nicht gerade den Bescheidenen. Hank spannt den Bogen der Salzburger Kulturskandale von Bert Brecht bis zu ihm selbst. So wie es Brecht verwehrt worden sei, im Rahmen der Festspiele seinen "Salzburger Totentanz" zu inszenieren, sei es der Arge zu Ostern 2006 mit der Karfreitagsaktion "ER-Lösung" ergangen, so Hanks gewagter Bogen.

"Nacht der Zensur"

Zur Erinnerung: Eine am Karfreitag angesetzt gewesene Performance, für die auf Plakaten mit einer unbekleideten Frau am Kreuz geworben wurde, musste nach massiven Interventionen - alle voran Bürgermeister und Kulturressortchef Heinz Schaden (SP) - abgeblasen werden. Gegen Hank läuft in der Causa nach wie vor ein Strafverfahren.

Neu im Programm ist auch der "Rote Salon". Nach dem Vorbild deutscher Bühnen soll 2007 regelmäßig ein eigenes Nacht-Programm von 22 Uhr bis in die Morgenstunden geboten werden. Für Karfreitag 2007 ist im "Roten Salon" eine "lange Nacht der Zensur" geplant. (Thomas Neuhold / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.12.2006)

  • Das Plakat für die Karfreitagsaktion "ER-Lösung" löste massive Proteste aus. Die Performance wurde von der Arge Kultur daraufhin abgesagt
    foto: arge kultur

    Das Plakat für die Karfreitagsaktion "ER-Lösung" löste massive Proteste aus. Die Performance wurde von der Arge Kultur daraufhin abgesagt

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