Einmal öfter aufstehen, als man umfällt

28. Februar 2007, 12:06
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Vom Arbeitslosenbetreuer zum Arbeitslosen und von dort in die Selbstständigkeit

Gerhard Geissrigler hat ein simpel klingendes Lebensmotto: "Einmal öfter aufstehen, als man umfällt." Umgefallen ist der 31-jährige Mühlviertler vor rund sechs Jahren. Da war die Welt für den sympathischen Technikfreak zunächst noch in Ordnung. Er arbeitete als Fachtrainer im Fahrradzentrum B7, einem Sozialprojekt des Linzer Vereins "Arbeitsloseninitiative B7".

Etwa ein Jahr lang schulte Geissrigler dort Arbeitslose in den Bereichen Kundenbetreuung und Verkauf. War außerdem Seelentröster und Stütze für jene, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. "Tagtäglich nimmt man Anteil an schwierigen Lebenssituationen und ist nach Dienstschluss froh, selbst ein geregeltes Leben zu führen", erzählt Geissrigler.

Vom Arbeitslosenbetreuer zum Arbeitslosen

Nur ein Jahr später geriet dieses geregelte Leben gehörig aus der Bahn. Im Jahr 2000 drehte das vorerst letzte Rad im B7 seine Runden. Förderungen blieben aus. Das Sozialprojekt wurde vorübergehend geschlossen.

Vom Arbeitslosenbetreuer zum Arbeitslosen. "Das war ein gewaltiger Schock. Du fällst ins Bodenlose, und niemand ist da, der dich auffängt", blickt Geissrigler nachdenklich zurück. Verglichen mit anderen hatte er es aber "eigentlich noch gut erwischt".

Die geplante Schließung der B7 wurde den Angestellten ein halbes Jahr vor dem Finale mitgeteilt. Er hatte die Wahl, entweder eine einmalige Abfindung zu kassieren oder in eine AMS-Stiftung einzusteigen. Er schloss sich der Stiftung an, wodurch ihm im Zeitraum von drei Jahren rund 700 Euro zustanden. Es fällt einem schon ein Stein vom Herzen, wenn wenigstens die finanzielle Seite halbwegs geregelt ist. Was aber noch viel entscheidender ist, sind neue Perspektiven", schildert er. Vom AMS angebotenen Schulungen steht Geissrigler im Übrigen eher skeptisch gegenüber: "Man wird meist zwangsbeglückt und muss einen Kurs machen, der einem oft nichts bringt."

Mit der Arbeitslosigkeit offen umgehen

Generell sei es jedoch wichtig, mit der eigenen Arbeitslosigkeit ganz offen umzugehen und nach vorn zu blicken, rät der junge Mühlviertler. Seinen Blick nach vorn richtete er nach Wien. Bereits kurz nach Auflösung seines Dienstverhältnisses begann der "Berufs-optimist" mit einer Lehre zum Bühnen- und Veranstaltungstechniker.

Während seines Praktikums tut sich für den Techniker zunächst die Chance auf eine vermeintliche Fixanstellung auf, doch kurze Zeit später steht die Firma vor dem Konkurs.

Jetzt hält ihn nichts mehr vom Weg in die Selbstständigkeit ab: "Mein Gewerbeschein wurde mir mit 1. Mai, am Tag der Arbeit, ausgehändigt", schmunzelt der Vater einer zweijährigen Tochter. "Geissrigler Veranstaltungstechnik" hat nach drei Jahren diverse harmlose "Kinderkrankheiten" gut überstanden und steht heute als solides Kleinunternehmen mit zahlreichen namhaften Kunden da. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.12.2006)

  • Für Gerhard Geissrigler hat sich der Sprung in die Selbstständigkeit gelohnt. Mit dem Anbieten von Veranstaltungstechnik hat er Erfolg.
    foto: standard/privat

    Für Gerhard Geissrigler hat sich der Sprung in die Selbstständigkeit gelohnt. Mit dem Anbieten von Veranstaltungstechnik hat er Erfolg.

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