Im Angesicht des Schakals

10. Jänner 2007, 00:02
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Der scheue Wildhund fasst in Österreich vorsichtig Pfote - In Europa ist Bulgarien das zentrale Siedlungsgebiet

Linz - In der afrikanischen Savanne? Mit Sicherheit. In subtropischen und tropischen Regionen Asiens? Sowieso. In Österreich? Nur im Zoo. Kaum jemand würde wohl den Goldschakal (Canis aureus) in der österreichische Fauna ansiedeln. Und doch findet der scheue Wildhund offensichtlich mehr und mehr Gefallen an heimischen Gefilden. "Es gibt natürlich noch keine stabile Population. Aber der Anstieg an Sichtungen lässt klar darauf schließen, dass sich der Goldschakal in Österreich ansiedelt", berichtet Klaus Hackländer, Leiter des Instituts für Wildtierkunde und Jagd-Wirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien, im Gespräch mit dem Standard.

Zu Besuch in Salzburg

Spannend sei vor allem, dass sich in jüngster Zeit die Meldungen über Sichtungen geografisch verlagert hätten. "Lange Zeit wurde der Goldschakal bei uns, wenn überhaupt, nur in Grenznähe zu Slowenien und Ungarn gesichtet. Dass es jetzt auch immer öfter Sichtkontakte etwa in Oberösterreich oder Salzburg gibt, belegt die steigende Zahl der hochbeinigen Raubtiere mit dem goldgelben Fell", weiß Hackländer.

Dank eines speziellen Ansiedlungsprogramms Anfang der 1960er-Jahre ist Bulgarien heute europäisches Schakal-Zentrum. Geschätzt werden dort rund 10.000 Tiere. Auf stabile Bestände kann man auch in Serbien, Ungarn und Rumänien verweisen. Und der grenzenlosen Fortpflanzung sei es auch gedankt, dass Goldschakale jetzt vermehrt österreichischen Boden betreten. "Es kommen fast ausschließlich Jungtiere zu uns. Die Populationen rund um Österreich wachsen stark und ältere Rudeltiere schließen Jüngere aus. Da gilt es dann, neue Reviere vorwiegend in feuchten Niederungen zu finden", so Hackländer.

Monogam laut Menü

In der Partnerschaft wird der Goldschakal übrigens seinem Ruf als anpassungsfähiger Generalist vollends gerecht. Ob nun im Rudel oder monogam mit einem Weibchen, bestimmt der Speiseplan. "Ist wenig Nahrung vorhanden, sichert ein Rudel eher das Überleben. Gibt es ausreichend Futter, bleibt der Goldschakal Single oder sucht sich eine Fähe", schildert der Experte. Bei den Speisen fällt der Goldschakal ähnlich dem Fuchs unter die überlebenssteigernde Kategorie Allesfresser. Als Beutegreifer und Aasfresser ernährt er sich vor allem von tierischer Kost, wenn vorhanden, wird auch Pflanzliches nicht verschmäht.

Die Parallelen mit dem Fuchs haben aber auch lebensgefährliche Tücken. "Gerade bei der Ansitz-Jagd wird der Schakal leicht mit dem Fuchs verwechselt und irrtümlich geschossen", bangt Hackländer um den vierbeinigen Einwanderer. Eine Umfrage habe aber gezeigt, dass der Goldschakal eine "durchaus hohe Akzeptanz" innerhalb der Bevölkerung habe. Gegenüber dem Bären oder dem Wolf ist der Goldschakal offensichtlich im (Heim-)Vorteil. Er hat ja auch nie alle sieben Geißlein verputzt oder einsame Großmütter verspeist. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 28.12.2006)

  • Junge Goldschakale planen ihre Zukunft offensichtlich vermehrt in Österreich. Wildbiologen verzeichnen einen deutlichen Anstieg bei Sichtungen von Schakalen

    Junge Goldschakale planen ihre Zukunft offensichtlich vermehrt in Österreich. Wildbiologen verzeichnen einen deutlichen Anstieg bei Sichtungen von Schakalen

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