Firmen leiden an Politik

8. Jänner 2007, 14:02
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Die Industriellenvereinigung befragt im Quartalsabstand zum Standort Österreich. Besonders wurmt die Befragten der Zustand der aktuellen Politik

Wien - Während die heimische Industrie zufrieden auf die volkswirtschaftlichen Entwicklungen des Jahres 2006 blickt und auch im kommenden Jahr Wachstum (wenn auch abgeflacht) erwartet, macht der Zustand der heimischen Politik Sorgen: "Die 'Flop 3' unserer Panel-50-Befragung im vierten Quartal stehen im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung, ein deutliches Signal für alle ", sagte am Mittwoch der Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger.

Das "Panel 50" der IV holt vierteljährlich bei 50 heimischen Firmen, Sozialpartnerorganisationen und anderen Interessenvertretern und wissenschaftlichen Institutionen die Einschätzung zu verschiedenen Dimensionen der Standortqualität ein.

Massiv verschlechtert

Sowohl die Beurteilung der "Stabilität, Lösungsorientierung" wie auch des "Erscheinungsbilds" der politischen Situation hat sich in Österreich in der Wahrnehmung der Panelisten im Herbst-/ Winter-Quartal im Vergleich zu den Monaten davor massiv verschlechtert.

Relativ bergab gegangen wäre es demnach auch mit der Qualität des "Sozialkapitals" (der Beziehungen der Marktteilnehmer untereinander): Dies habe vor allem, so Sorger, mit der in der Bevölkerung zunehmend kritischen Einstellung zur Globalisierung und ihren Verteilungswirkungen zu tun.

Positive Entwicklungen

In den Bereichen Arbeitsmarkt, Infrastruktur, Forschung und Entwicklung, Bildung, Kapitalmarkt und dem makroökonomischen Umfeld wurden positive Entwicklungen konstatiert. Wobei allerdings die aufgeflogenen Bankenskandale die Bewertung des Zustandes des Kapitalmarktes in der zweiten Jahreshälfte 2006 negativ beeinflusst hätten. Die wieder positive Einstellung zu Infrastrukturmaßnahmen seien vor allem dem Bau der Wiener Südostumfahrung S1 sowie dem Startschuss zum Bau der Nordautobahn A5 als Private-Public-Partnership zu verdanken, ist Sorger überzeugt.

Was die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt betrifft, teilt die volkswirtschaftliche Abteilung der Industriellenvereinigung den zuletzt verlauteten Optimismus der beiden großen heimischen Forschungsinstitute Wifo und IHS: Man erwartet ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 2,75 Prozent. Allerdings wird vor einem höheren Budgetdefizit gewarnt, es gebe in Europa nämlich folgende statistische Korrelation: Ein um einen Prozentpunkt höheres strukturelles Haushaltsdefizit koste den Staat 0,25 Prozentpunkte an Wirtschaftswachstum. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.12.2006)

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