Milliarden-Roulette um die Mobilfunknetze der Zukunft

12. Juli 2000, 14:33

Wie UMTS-Lizenzen rund um den Globus vergeben werden

Berlin - Hinter dem Kürzel UMTS verbirgt sich der Mobilfunkstandard der Zukunft, der das Handy ab Ende 2002 zum wandelnden Alleskönner machen soll. Schneller Internet-Zugang, Videkonferenzen, Kontostandabfrage, Online-Reisebuchung oder einfach nur weltweit in bester Sprachqualität telefonieren - der künftigen Übertragungstechnik Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) gelten alle Hoffnungen der boomenden Telekom-Branche.

Bevor UMTS an den Start gehen kann, müssen die Firmen jedoch in Vorleistung treten: Sie müssen sich für viel Geld Lizenzen sichern und dann - nicht minder teuere - Netzstrukturen aufbauen. Die alten GSM-Netze taugen für den Mobilfunk der dritten Generation nicht. Die Kunden brauchen später auch neue Handys. AFP dokumentiert, wie die begehrten UMTS-Lizenzen in den verschiedenen Ländern vergeben werden:

DEUTSCHLAND: Ab 31. Juli werden in Mainz unter der Regie der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post zwischen vier und sechs Lizenzen meistbietend versteigert. Die anfangs angepeilten 20 Mrd. DM (10,2 Mrd. Euro/141 Mrd. S) je Lizenz dürften sich angesichts eines stetig schrumpfenden Bieterkreises wohl nicht erzielen lassen. Von ursprünglich zwölf Firmen und Konsortien waren zuletzt nur noch sieben Bieter übrig.

In GROSSBRITANNIEN fand Ende April die erste große UMTS-Auktion Europas statt, deren Ausgang die Branche gehörig aufschreckte. Die Regierung nahm nach damaligem Kurs mehr als 75 Mrd. DM für ihre fünf Lizenzen ein. Die Firmen beklagten, dass sie derart hohe Einstandskosten durch den Netzbetrieb kaum wieder hereinholen könnten. Sie formen seither für andere europäische Märkte aus Kostengründen verstärkt Bieterkonsortien und strategische Allianzen.

FRANKREICH wird seine vier Lizenzen zu je 32,5 Mrd. Franc (4,95 Mrd. Euro/68,2 Mrd. S) auf 15 Jahre verpachten. Die Auswahl unter den eingereichten Anträgen soll im ersten Vierteljahr 2001 erfolgen.

BELGIEN plant noch in diesem Jahr eine Mischung aus Versteigerung und Beauty Contest, bei dem Lizenzen nach Qualitätskriterien vergeben werden.

In ITALIEN werden die Bewerber um die fünf nationalen Lizenzen zunächst einem "Schönheitswettbewerb" unterworfen, dann entscheidet sich per Auktion, wer den Zuschlag erhält. Die Vergabe soll in den nächsten Monaten erfolgen, einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht.

In den NIEDERLANDEN bieten seit vergangenem Donnerstag sechs Firmen und Konsortien um fünf Lizenzen. Die Auktion lässt sich schleppend an. Von der erhofften Gesamtsumme von 20 Mrd. Gulden (76,9 Mill. Euro/1,1 Mrd. S) sind die Gebote noch weit entfernt.

In ÖSTERREICH werden im November vier bis sechs Lizenzen meistbietend versteigert.

SPANIEN hat seine vier Lizenzen im März nach einem Beauty Contest vergeben.

In PORTUGAL sollen vier Lizenzen Anfang 2001 nach einem Beauty Contest zugeteilt werden.

Die SCHWEIZ plant eine Versteigerung ihrer vier Lizenzen im dritten Quartal des laufenden Jahres.

SKANDINAVIEN: Schweden vergibt seine vier Lizenzen im November nach einem Beauty Contest, Norwegen plant im Herbst eine Mischung aus Schönheitswettbewerb und Versteigerung für seine ebenfalls vier Lizenzen, während Finnland seine vier Lizenzen im vergangenen Jahr als weltweit erstes Land bereits nach Qualitätskriterien kostenlos vergeben hat. Dänemark hat noch nicht über Form und Zeitrahmen für die Ausgabe seiner vier Lizenzen entschieden.

In den USA debattieren Industrie, Behörden und Verbände noch darüber, welchen Technikstandard sie für den Mobilfunk der dritten Generation wählen sollen. Verbraucherfreundliche Vorgabe ist, dass der noch namenlose Zukunftsstandard mit allen derzeit bestehenden US-Standards und mit dem europäischen UMTS kompatibel sein muss.

In JAPAN will Branchenprimus NTT im nächsten Jahr als weltweit erster Konzern bereits ein UMTS-Netz in Betrieb nehmen. Mindestens zwei weitere Lizenzen sind geplant.(APA)

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