Mehr Tanktourismus 2007

8. Jänner 2007, 10:24
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Weil Sprit in Deutschland im nächsten Jahr um 7 Cent teurer wird, erwarten österreichische Tankstellen-Pächter im Grenzgebiet mehr Umsatz

Wien - Die österreichischen Tankstellen-Pächter im Grenzgebiet stellen sich für das Neue Jahr auf noch mehr Kunden aus Deutschland ein. Schon jetzt ist Sprit in Deutschland um rund 30 Cent teurer als in Österreich. Ab der Silvesternacht wird der Spritpreis bei Deutschen laut dem Mineralölkonzern Total noch einmal um bis zu sieben Cent pro Liter steigen. Grund dafür ist die deutsche Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent und die ab Jänner verpflichtende Beimischung von Biosprit, in Österreich schon seit 2005 vorgeschrieben. Er erwarte deshalb noch einmal bis zu zehn Prozent Mehrumsatz mit Tanktouristen, sagte Horst Wirnsberger, OMV-Tanksteller-Pächter in Salzburg nahe der deutschen Grenze, am Mittwoch zur APA.

Schon jetzt erwirtschaftet seine Tankstelle rund 60 Prozent Umsatz mit Kunden aus Deutschland. Noch einmal zehn Prozent mehr sei für ihn "die Grenze des handlebaren", sagte Wirnsberger. Schon jetzt gebe es gerade in den Feiertagen oft lange Schlangen. Sein Hauptgeschäft macht Wirnsberger mit Touristen. An Zapfsäulen entlang der Transitrouten - etwa am Brenner - kommen auch noch die Lkw dazu, die in im Tanktourismus die Hauptkunden sind. An jenen Tankstellen dürfte der Umsatzanteil aus dem Tanktourismus noch höher liegen. Über ganz Österreich gerechnet macht die heimische Mineralölwirtschaft nach Schätzungen des österreichischen Bundesumweltamtes schon jetzt 28 bis 30 ihrer Erlöse mit Kunden aus Nachbarländern.

Klimabilanz

Auch Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) rechnet damit, dass der Tanktourismus 2007 weiter zunehmen wird. Was den Tankstellen und damit dem Finanzminister zunächst Mehreinnahmen bringt, würde die Österreicher aber noch teuer zu stehen kommen, warnt er. Jeder Liter Treibstoff, der in Österreich verkauft werde, verschlechtere die heimische Klimabilanz. Komme Österreich letzten Endes seinen Klimaschutzverpflichtungen im Rahmen des Kyoto-Protokolls nicht nach, drohten hohe Strafzahlungen, warnte Gratzer. Der VCÖ hat deshalb zuletzt zumindest eine Angleichung der heimischen Mineralölsteuer für Diesel an die für Benzin verlangt.

Mehrkosten weitergeben

Ob die deutschen Tankstellen tatsächlich sämtliche Mehrkosten an den Autofahrer weiterverrechnen werden, ist für Wirnsberger noch offen. "Noch einmal zehn Prozent weniger Geschäft sind für die Grenztankstellen auf deutscher Seite eine Katastrophe", sagte er. Neben Total hat aber auch schon der Konkurrent Shell angekündigt, die Kosten an die Kunden weiterzugeben - auch wenn der Automobilclub ADAC jede Erhöhung der Spritpreise um mehr als fünf Cent als unverhältnismäßig einstufte. Ein Shell-Sprecher sagte zur Nachrichtenagentur AFP, "selbstverständlich" werde der Konzern die vom Staat aufgedrückten Mehrkosten an die Kunden weitergeben. Dies sei auch notwendig aufgrund der Gewinnmargen, die in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern am geringsten seien. In Deutschland lägen die Margen bei brutto 6,5 Cent je Liter, davon gingen noch Transportkosten und andere Ausgaben weg.

Preise nach oben

"Allein die Mehrwertsteuer-Erhöhung wird die Preise an den Zapfsäulen um drei bis vier Cent nach oben treiben", sagte Total-Deutschland-Chef Michel Mallet der "Berliner Zeitung". Hinzu komme, dass nach dem Willen der deutschen Bundesregierung künftig besteuerter Biosprit dem herkömmlichen Benzin und Diesel beigemischt werden müsse. "Das wird die Literpreise abermals um zwei bis drei Cent erhöhen."

Schon bisher hatten die Mineralölkonzerne auch in Deutschland den umweltfreundlichen Sprit aus natürlichen Rohstoffen steuerfrei beigemischt. Ab Jänner gelten aber wie in Österreich verbindliche Quoten, zugleich wird der Treibstoff besteuert. Bis zum Jahr 2010 sollen die Quoten allmählich steigen. (APA)

  • Ob die deutschen Tankstellen tatsächlich sämtliche Mehrkosten an den Autofahrer weiterverrechnen werden, ist noch offen.
    foto: standard

    Ob die deutschen Tankstellen tatsächlich sämtliche Mehrkosten an den Autofahrer weiterverrechnen werden, ist noch offen.

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