Heirat "im Niemandsland"

19. März 2007, 16:59
80 Postings

Die Heirat kurz vor den Feiertagen hat für die Asylwerberin Amina und den Österreicher Christian kein Weihnachtswunder wahr gemacht

Die beiden leben weiter in Angst vor Trennung – sie sogar vor der Trennung von ihrem Baby, das sie im März erwartet.

***

Klagenfurt/Fürstenfeld – Christian S., Österreicher und seine Braut Amina (Name geändert), Asylwerberin aus einem zentralasiatischen Staat, würden sich gerne auf Weihnachten freuen – die beiden erwarten nämlich ein Baby. Doch ihr Glück könnte durch das österreichische Fremdenrecht schon bald wieder zerstört werden.

Schon der Hochzeit kurz vor dem Heiligen Abend war ein zermürbender Hürdenlauf vorangegangen. Erst musste ein zuständiges und williges Amt gefunden werden: 2004, auf der Flucht, hatte Amina aus Furcht vor Rückschiebung in ihr von Diktatur und Korruption beherrschtes Heimatland einen falschen Namen benutzt.

Dieser musste jetzt wieder richtig gestellt werden, doch weder Bundesasylamt noch Unabhängiger Bundesasylsenat fühlten sich dafür zuständig. Erst nach langem Hin und Her zwischen den Instanzen – und exorbitanten Auslagen für die Originaldokumente aus Aminas Herkunftsland – gelang das schier Unmögliche. Freilich musste das Paar zu diesem Zweck aus Kärnten in die Steiermark übersiedeln: In Kärnten hatten die Fremdenbehörden keinerlei Entgegenkommen gezeigt .

Und endlich, am 22. Dezember, heirateten Amina und ihr Christian im steirischen Fürstenfeld. Doch das war's dann auch schon mit der weihnachtlichen Frohbotschaft: Um sicher sein zu können, dass sie bei Christian in Österreich bleiben darf, muss Amina auf die Erledigung ihres Asylantrags warten: Heirat allei reicht für eine Niederlassungsbewilligung nicht, ebenso wenig wie ein gemeinsames Kind.

Angst vor Schubhaft

Auf diese Art sollen "Scheinehen" eingebremst werden, erläutert das Ministerium. Doch was hieße das für Amina, sollte ihr Asylantrag abgelehnt werden? Dann könnte sie von der Fremdenpolizei sofort in Schubhaft genommen und in ihr Heimatland abgeschoben werden – ohne Baby, befürchtet sie.

Im März soll das Baby zur Welt kommen. Dass das Ungeborene bisher überlebt hat, grenzt an ein Wunder."Meine Frau leidet schwer an den Folgen der Flucht und der unmenschlichen Behandlung in Kärntner Flüchtlingsunterkünften. Sie hatte Depressionen, eine Stressallergie und musste Tumore an ihrer Gebärmutter entfernen lassen", so der werdende Vater.

Um legal bei ihrem Ehepartner in Österreich leben zu können, müsste die hochschwangere Amina laut Niederlassungsgesetz in ihr Heimatland oder einen Drittstaat ausreisen und von dort aus an der österreichischen Vertretung einen Antrag stellen. Österreich aber darf sie nur verlassen, wenn sie auch ihren Asylantrag zurückzieht. Tut sie das, lebt sie illegal hier. "Mit dieser Risikoschwangerschaft ist es sowieso nicht möglich, irgendwohin zu reisen. Und mit dem Neugeborenen dann erst recht nicht", sagt Christian S.

"Wir raten dringend ab, so etwas zu tun", warnt Peter Marhold vom Flüchtlingshilfsverein "Helping Hands": "Bevor bei Auslandsantragsstellung ein Bescheid nach dem Aufenthaltstitel für Familienangehörige erlassen wird, können Monate vergehen." "Die beiden können nur warten", sagt auch Angela Magenheimer von der Initiative "Ehe ohne Grenzen" (siehe Geschichte links). Doch das ist sehr belastend, zumal Amina während ihres Asylverfahrens noch dazu nicht arbeiten darf. Dabei ist die viersprachige Gynäkologin und Juristin topqualifiziert.

"Bezieht sich das Gesetz gegen Scheinehen auch auf eine Schwangerschaft?", fragt sich indes Christian S. Mehr Integration als eine Familiengründung mit einem Österreich könne es doch nicht geben. Der Mann ist verzweifelt: "Amina und ich sitzen im Niemandsland." (Elisabeth Steiner, DER STANDARD - Printausgabe, 23./24./25./26. Dezember 2006)

Share if you care.