Haiders Suche nach "rechten" Brüdern

14. Juli 2000, 15:18

Von Pia-D. Feichtenschlager

Jörg Haider in Italien: Eine Reise zu rechten Freunden - zu Verbündeten - hätte es werden sollen. Aber es kam nicht alles so wie vom Kärntner Landeshauptmann gewünscht. Der italienische Oppositionschef Silvio Berlusconi hätte seine Sympathie für die FPÖ offen zeigen sollen. Berlusconi und seine Forza Italia zeigten sich von Haiders Anregung jedoch gar nicht begeistert. Die Hilfestellung zur Legitimation der Haider-Politik wurde verweigert. "Es gibt keinen direkten Kontakt zwischen Berlusconi und Haider", ließ Berlusconis Sprecher Paolo Buonaiut wissen.

"Nein danke, Jörg"

Haider bleiben zwar Anhänger in Friaul und Veneto, die nationale Bewegung der Forza Italia will jedoch ihre Rolle in der Europäischen Volkspartei und im Europäischen Parlament nicht gefährden. Sie hat sich zu einer liberalen, demokratischen Position entschlossen und distanziert sich von Rassismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. Da sind Kontakte zur FPÖ schädlich. Also keine Brüderschaft. "Nein danke, Jörg!" So betonte der Fraktionschef im Parlament, Guiseppe Risana: "Ich kenne Haider nicht, ich habe keinen Wunsch, ihn kennen zu lernen und ich mag seine Ideen nicht."

Da bleibt Haider nur Umberto Bossi als Verbündeter. Beim Chef der seperatistischen Lega Nord darf sich Haider (im Designeranzug, nicht im Trachtenlook) auf die Tribühne stellen und "Ich versteh´ zwar nicht viel Italienisch. Macht es gut Freunde!" sagen - und wird dafür mit Applaus bedacht. Hier versteht man sich ohne viele Worte. Verstehen tun sich die beiden auch in ihrer negativen Haltung zur EU. So fordert Bossi eine Volksbefragung über die EU in Italien. Auch teilt die Lega Nord die Sorgen des Kärntner Landeshaupatmanns über die dominante Rolle Frankreichs.


Haider erhält die "Schlüssel der Stadt"

Und auch in Jesolo gibt es mutige Männer. Der Bürgermeister des Badortes Jesolo kennt keine Berührungsängste. Trotz Demonstrationen und Proteste der Jüdischen Gemeinschaft überreichte er Haider die "Schlüssel der Stadt", was ihm eine parlamentarische Anfrage einbringt. Mann muss Opfer bringen. Mann weiß ja warum man es tut.


Demonstrationen in Jesolo

Demonstrationen regen Haider ohnedies nicht auf: Weder in Jesolo noch in Udine, wo er den "Kärntner Kultursommer" präsentierte. "Diese Demonstrationen von Autonomen, Linken, Anarchisten und Altkommunisten waren ehrer bescheiden." - Eh schon wissen. Sie kosten den Landeshauptmann nur ein Lächeln, das um einiges breiter sein könnte, hätte ihm nur Berlusconi brüderlich auf die Schultern geklopft.

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