Ein Knacks für Zyperns Macht der Männer

9. März 2007, 10:14
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Eleni Mavrou (45) neue Bürgermeisterin der zyprischen Hauptstadt Nikosia - Ein Kopf des Tages

In den Tagen vor dem Referendum zum Annan-Plan, der die Wiedervereinigung Zyperns vorsah, fiel in Nikosia eine Gruppe auf, die für ein Ja auf die Straße ging: die Frauen. Im Frühjahr 2004 trafen einander Aktivistinnen aus dem Norden und Süden am Grenzübergang und ließen weiße Tauben in die Luft flattern. Die Verantwortung für die massive Ablehnung des Friedensplans bei den griechischen Zyprern schrieben sie der Politik der alten Männer zu.

Die männliche Dominanz in der zyprischen Politik hat jetzt einen symbolischen Knacks bekommen. Erstmals sitzt mit Eleni Mavrou eine Frau auf dem Bürgermeistersessel in der Hauptstadt Nikosia, erstmals eine Kommunistin und erstmals eine überzeugte Befürworterin einer Wiedervereinigung des griechischen Südens mit dem türkisch besetzten Norden. Mavrou steht somit für einiges, was in Zypern sicher nicht mehrheitsfähig ist. Selbst in der eigenen Fortschrittspartei des werktätigen Volkes (Akel) war ihre Kandidatur nicht unumstritten.

Bei den Kommunalwahlen hängte sie dann aber mit 35 Prozent der Stimmen nicht nur ihre Rivalin Anna Marangou von der bürgerlichen Oppositionspartei Disy, sondern auch den bisherigen Bürgermeister Michalakis Zampelas ab. Mavrou wurde im von der Türkei besetzten Norden, in der Stadt Kyrenia - auf Türkisch Girne - geboren. Ihre Wahl zur Bügermeisterin lässt jene hoffen, die für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen dem türkischen Norden und dem griechischen Süden der geteilten Hauptstadt plädieren. Die 45-jährige Zivilingenieurin will sich aber vor allem für arbeitende Mütter stark machen, Kinderbetreuungseinrichtungen schaffen, Gehsteige buggytauglich planieren, in Nikosia also eine kleine Revolution versuchen. Mavrou, die zehn Jahre in der Kommunalpolitik arbeitete, bevor sie Parlamentarierin wurde, sieht sich explizit als Rolemodel für zyprische Frauen. Sie habe am Anfang ihrer Karriere Vorurteile von Frauen und Männern erlebt, erzählte sie. "Aber nach 25 Jahren messen sie dich an der Arbeit." In letzter Zeit, im Wahlkampf habe sie viel Kaffee getrunken, gab Mavrou an. Ausgiebiges Kaffeetrinken gehört im Norden wie im Süden zur Alltagskultur. Und Kaffeetrinken öffnet in Zypern den Weg zu den Zentralen der Macht: den von Männern bevölkerten Kaffeehaustischen.

Mavrou hat den Weg zur Macht konsequent beschritten. Sie arbeitete sich von der Zentralsekretärin der kommunistischen Jugendorganisation Edon hinauf bis ins Parlament, dem sie seit 2001 angehört. Dort leitete sie den Umweltausschuss und setzte sich für Menschenrechte ein. Mavrou hat einen Abschluss der University of London, an der sie Politik und internationale Beziehungen studierte. Sie gilt als stressresistent, und sie ist nicht verheiratet. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 22.12.2006)

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