Doktorandenkolleg an TU Graz für "freche" Materialwissenschafterinnen

13. Juli 2007, 12:28
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Männerdomäne soll gezielt gestürmt werden - Land übernimmt Mentorenschaft - 25 Prozent mehr Anfängerinnen an TU

Graz - An der Technischen Universität Graz will man "freche" Frauen ausbilden - solche, die chemische Materialien erobern. Dahinter verbirgt sich das Doktorandinnenkolleg "fForte - Wissenschafterinnenkolleg FreChe Materie". Es will mehr Frauen in die "Männerdomäne Materialwissenschaften" bringen. Insgesamt sollen in fünf Jahren rund 15 Doktorandinnen ausgebildet werden. Bestehende Förderprogramme an der TU hätten bereits Erfolg gebracht: Rund 25 Prozent mehr Anfängerinnen als im Vorjahr kann die Hochschule im aktuellen Wintersemester verzeichnen.

Weibliches Potenzial fördern

Man könne es sich nicht leisten, dass das Potenzial der Frauen brach liege, meinte TU-Rektor Hans Sünkel am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des Projekts im Rahmen von NAWI Graz, der Kooperation von Uni und TU. Die TU hätte in Zusammenarbeit mit den anderen Universitäten vor einigen Jahren angefangen, diese zu betreuen - von Ferialpraktika für Schülerinnen bis zu Kinderbetreuungseinrichtungen für Studierende. Insgesamt beträgt der Frauenanteil an der TU 20 Prozent, etwa zwölf Prozent Wissenschafterinnen und Assistentinnen sowie drei Professorinnen gibt es an der Hochschule. Die Zahl der Frauen, die sich im Rahmen ihrer Ausbildung auf natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Bereiche mit guten Karrierechancen spezialisieren, sei noch viel zu gering, so Sünkel.

Aktiv in Praxis und Lehre

Aufholbedarf gebe es z. B. bei technologieorientierten Spezialisierungen wie Materialwissenschaften, erklärte Gabriele Berg, Leiterin des Instituts für Umweltbiotechnologie der TU. In Zusammenarbeit mit Chemie-Studiendekan Frank Uhlig hat sie das neue Kolleg ins Leben gerufen, das sich laut Sünkel insbesondere an Chemikerinnen richtet. Im Rahmen der Ausbildung absolvieren die Teilnehmerinnen mehrmonatige Praktika im Ausland und in Unternehmen. Die Frauen sollen nach einem Einführungsjahr auch in der Lehre aktiv sein und Projektlabors oder Seminare an der TU und der Uni Graz betreuen.

Mentoring für wissenschaftliche Karriere

Für die besten Doktorandinnen will man Voraussetzungen für eine weiterführende Karriere an der Universität schaffen. Dazu gehört unter anderem ein Mentoring-Programm mit Partnern aus der Wirtschaft. Hier setzt sich auch die steirische Wissenschaftslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V) ein: Erstmals habe das Land eine Mentorenschaft übernommen. Die Initiative wird vom Rat für Forschung- und Technologieentwicklung und den drei entsprechenden Bundesministerien sowie dem Land Steiermark gefördert. (APA)

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