Bessere Chancen für die "Frühchen"

11. Juli 2000, 21:39

Die Überlebensrate liegt bereits bei 95 Prozent

Wien - Sie haben bei der Geburt ein Gewicht von 1500 Gramm und sogar noch weniger: Die Frühgeborenen - „Frühchen“ - auf der Abteilung für Neonatologie im AKH. Trotzdem werden die Chancen auf ein normales Leben ohne Langzeitschäden immer besser, wie nun eine gemeinsam mit der Landessanitätsdirektion erarbeitete Langzeitstudie belegt.

Demnach weisen 70 Prozent dieser Kinder nach zwei Jahren eine „altersentsprechende und unauffällige Entwicklung“ auf, wie Christina Kohlhauser-Vollmuth von der Neonatologie-Abteilung am Dienstag berichtete.

Die Überlebensrate der „Frühchen“ liegt bereits bei 95 Prozent. Sogar bei jenen Kindern, die weniger als 1000 Gramm Geburtsgewicht haben, liegt die Überlebenschance bei 74 Prozent. 1998 betrug in Wien der Anteil der Frühgeborenen (unter 1500 Gramm) 1,6 Prozent oder 240. Von ihnen wogen 88 weniger als 1000 Gramm.

„Mit diesem Wert liegen wir im internationalen Vergleich - vor allem mit US-Neonatologiezentren - im sehr guten Mittel- bis Oberfeld“, betonte Kohlhauser-Vollmuth.

Zu diesem Ergebnis habe vor allem der Einsatz von frühzeitiger und differenzierter Entwicklungsdiagnostik beigetragen. Weiters die Verlagerung von Risikogeburten in eines der drei Perinatalzentren im AKH, in Glanzing (Wilhelminenspital) und im Donauspital. Dazu kamen die Anwendung maßgeschneiderter funktioneller Fördermaßnahmen für Frühgeborene und das Angebot von beratender und stützender Begleitung der Eltern.

Qualitätskatapult

Gesundheitsstadtrat Sepp Rieder (SP) wiederum betonte: „Die seinerzeit viel diskutierte und kritisierte Neuordnung der Wiener Neonatologie mit der Reduzierung auf drei Perinatalzentren hat Wien in Sachen Qualität der Frühgeborenen-Betreuung an die Weltspitze katapultiert.“ Und dies werde auch von den Ergebnissen des „Vermont-Oxford Neonatal Network“ bestätigt, einer internationalen Vergleichsstudie, an der weltweit 250 neonatologische Zentren beteiligt sind.

Rieder weiter: „Bei der Beurteilung der Qualität der Frühgeborenen-Betreuung war stets nicht nur die reine Überlebensrate, sondern auch das Auftreten von Langzeitschäden wie Seh- oder Hörbeeinträchtigungen wichtig. Die Verbesserungen in der Geburtshilfe und in der Neonatologie haben besonders in Wien zu einem markanten Rückgang dieser Spätfolgen geführt.“ (red)

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