Design essen Burger auf

2. Jänner 2007, 17:00
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Electrolux ließ anlässlich seines "Design Lab" hunderte Design-Studenten zum Thema "Zubereitung und Aufbewahrung gesunder Nahrungsmittel" entwerfen

2016: Die fetten Jahre sind endgültig vorbei, und die Menschheit wird sich von ihren bisherigen krank machenden Ernährungsgewohnheiten verabschiedet haben - zumindest wenn es nach dem Haushaltsgerätehersteller Electrolux geht. Seine zukünftigen Produkte sollen beim Abschied von Burgern, Pommes und Schnitzel Hilfestellung geben.

Die aktuellen Zahlen jedenfalls sprechen für ein dringend notwendiges Umdenken: Pro Jahr stirbt rund eine Million Europäer an den Folgen der mit Übergewicht und Fettleibigkeit einhergehenden Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes oder Krebs, ganz zu schweigen von den Kosten für das Gesundheitssystem.Eine Ursache der Fettleibigkeit ist schnell ausgemacht: falsche Ernährung.

Darüber, wie jene Gerätschaften des Jahres 2016 beschaffen sein sollen, die der Zubereitung und Aufbewahrung gesunder Nahrungsmittel dienen, ließ Electrolux heuer im Rahmen des zum vierten Mal in Folge stattfindenden "Design Labs" hunderte Design-Studenten aus insgesamt 37 Ländern nachdenken und entwerfen.

Keinen kommerziellen Druck

"Die Studenten haben hier die Chance, unter realen Voraussetzungen mit einem großen Konzern zusammenzuarbeiten und ihre Ideen umzusetzen", erklärt Henrik Otto, seit 2004 Global Head of Design bei Electrolux, den Vorteil für die Teilnehmer und lobt im selben Atemzug die frischen Zugänge der jungen Kreativen: "Sie haben keine Angst davor, etwas falsch zu machen. Sie haben zudem noch keinen kommerziellen Druck."

Otto nennt auch das Motiv des Unternehmens: "Außerdem haben wir dadurch die Möglichkeit, junge Talente zu finden, die wir eventuell in unserem Betrieb einsetzen können." Immerhin beschäftigen die Schweden rund 120 Designer in sieben Ländern auf drei Kontinenten.

Hochkarätige Jury

Was aber kann Design seiner Meinung nach dazu beitragen, die Ernährungsgewohnheiten der (westlichen) Gesellschaft zu verändern? "Was Design auf alle Fälle tun kann, ist, eine Diskussion loszutreten", meint der Design Director und erläutert weiter, "im Zusammenhang mit gesunder Ernährung steht auch das beste Produkt ohne Umdenken der Gesellschaft auf verlorenem Posten."

Neun Teilnehmer des "Electrolux Design Labs" schafften es schließlich ins Finale und mussten sich Anfang Dezember der hochkarätig besetzen Jury, darunter die internationalen Top-Designer-Brüder Fernando und Humberto Campana, in Barcelona stellen.

Der Siegerbeitrag stammt aus der Türkei und trägt den Namen "Nevale". Der Schöpfer dieses mobilen Essensbehälters, Metin Kaplan, Student an der Technischen Universität Istanbul, orientierte sich bei der Formgebung an der Gestalt eines antiken, im Mittleren Osten jahrhundertelang benutzten Gefäßes, genannt "Sefertasi". Und erweiterte es um einige technische Funktionen. So ist es mit dem spacig aussehenden Plastikgschirr möglich, bis zu vier verschiedene, vorgekochte Speisen, die jeweils in unterschiedlichen und abgeschlossenen Abteilen lagern, überallhin mitzunehmen. Mittels digitaler Kontrolle - integriert im Deckel - wird ersichtlich, in welchem Zustand sich das Essen in einer der vier Lagerschichten befindet. Außerdem kann über diese Kontrolle das Aufwärmen oder Kühlen initiiert werden - und das unabhängig für jede einzelne Aufbewahrungsschicht.

Die Adaption eines historischen Gegenstandes

"Ich will damit die Leute anregen, wieder mehr zu Hause zu kochen", erklärt Metin Kaplan. Er sieht darin einen Beitrag zur gesünderen Ernährung, da das zu Hause gekochte Essen warm gemacht oder kalt gehalten werden kann, wo auch immer man ist, was, weitergedacht, Fast-Food-Restaurant-Besuche überflüssig machen würde oder zumindest machen könnte.

Die Jury konnte er mit seinem einfachen, aber durchdachten Entwurf überzeugen: "Nevale ist einfach zu bedienen und funktioniert deshalb auf der ganzen Welt. Zudem ist es die moderne Adap-tion eines historischen Gegenstandes", lautet die Begründung.

Auf das Stockerl schaffte es auch "Organic Cook". Das Ding, das aussieht wie eine Suppenschüssel mit Deckel auf einem Holzuntersetzer, ist ein Entwurf von Brian Law Chuan Chai, Student der National University of Singapore. Er kam auf den zweiten Platz. "Organic Cook" ist eine Art Ofen, bei dem Infrarottechnologie und Vakuum zum Kochen der Speisen eingesetzt werden. Es kann demnach komplett auf Fett verzichtet werden. Ebenso kann damit direkt bei Tisch gekocht werden.

Ebenfalls um die ortsungebundene Zubereitung von Speisen geht es beim drittplatzierten Entwurf. Der Mexikaner Eduardo Altamirano Segovia erdachte "VESSTO", eine Art mobile Kochplatte. Ausgerüstet ist sie mit einem so genannten Stirling-Motor, der vor allem in U-Booten - also dort, wo es um Energie-Effizienz und Stille geht - zum Einsatz kommt. Man kann also effizient und leise überall kochen.

Ob einer der Entwürfe jemals Realität wird? "Nein," sagt Henrik Otto. "Aber jedes dieser Stücke ist vielleicht die Inspiration für ein neues Produkt oder ein neues Projekt." (Markus Böhm/Der Standard/Rondo/22/12/2006)

  • Vier Entwürfe, die es in die Endrunde des Electrolux Design Lab schafften:
"Vege" (das Treibhaus für die Wohnung)
    foto: electrolux

    Vier Entwürfe, die es in die Endrunde des Electrolux Design Lab schafften:

    "Vege" (das Treibhaus für die Wohnung)

  • "VESSTO" (eine mobile Kochplatte mit Stirling-Motor)
    foto: electrolux

    "VESSTO" (eine mobile Kochplatte mit Stirling-Motor)

  • "Organic Cook" (ein mobiler Ofen mit Infrarot-Technologie)
    foto: electrolux

    "Organic Cook" (ein mobiler Ofen mit Infrarot-Technologie)

  • Siegerprojekt "Nevale" (ein tragbarer Essensbehälter zum Warm- oder Kalthalten von Speisen)
    foto: electrolux

    Siegerprojekt "Nevale" (ein tragbarer Essensbehälter zum Warm- oder Kalthalten von Speisen)

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