Telekom Austria kauft eTel um rund 90 Millionen Euro

4. April 2007, 12:31
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Konsolidierung des Telekommarktes schreitet voran: Markt­führer übernimmt Markt­vierten - TA übernimmt alle 450 Mitarbeiter

Durch die Übernahme des Festnetz- und Internetbetreibers eTel durch den Marktführer Telekom Austria (TA) schreitet die Konsolidierung des österreichischen Telekommarktes weiter voran. Die TA stärkt durch den 90 Mio. Euro-schweren Zukauf ihre Marktführerschaft. Die TA will alle 450 eTel-Mitarbeiter übernehmen, auch die Marke eTel soll vorerst erhalten bleiben, sagte TA-Vorstand Rudolf Fischer am Mittwoch. Die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden wird im ersten Quartal 2007 erwartet.

Verhandlungen

Die TA, die mit den eTel-Eigentümern die Übernahme seit Wochen verhandelt hatte, übernimmt alle operativen Aktivitäten der eTel in Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Polen. Die Akquisition ergänze das Festnetz-Segment der Telekom Austria Gruppe in Osteuropa mit der existierenden Gesellschaft Czech Online und dem Wholesale-Geschäft in den CEE Ländern, so die TA.

Marktführer übernimmt Marktvierten

eTel war bisher nach TA, Tele2UTA und UPC Telekabel/Inode der viertgrößte österreichische Telekombetreiber und erwartet für 2006 Umsatz von 115 Mio. Euro, nach 100 Mio. Euro im Jahr 2005. Das Ergebnis der Gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) war im Vorjahr allerdings negativ und verschlechterte sich von minus 250.000 Euro auf minus 1,05 Mio. Euro. Das Unternehmen hat Verlustvorträge in der Höhe von rund 170 Mio. Euro akkumuliert, hieß es. Die Bewertung dieser Verlustvorträge sei noch nicht abgeschlossen. eTel gehörte bisher privaten und institutionellen Investoren, darunter Dresdner Kleinwort Capital, Argus Capital Partners, Greenhill Capital Partners und Intel Capital.

Keine Auflagen erwartet

Fischer rechnet nicht mit Auflagen für den Deal, da die Übernahme "keine wesentliche Verschiebung der Marktmächte" bewirke und eTel vor allem in Osteuropa stark sei. Die TA hatte bei der Festnetz-Sprachtelefonie einen Marktanteil von 56 Prozent. In Österreich würden zwei Drittel der Sprachtelefonie bereits über den Mobilfunk abgewickelt. Es wäre unverständlich, wenn man das restliche Drittel, das über das Festnetz laufe, noch mit Auflagen versehe, so Fischer.

Cash

Die Transaktion werde voraussichtlich im ersten Quartal 2007 abgeschlossen werden, so die TA, die die Akquisition durch den Cash-Flow, also ohne Kapitalerhöhung, finanziert. Die operativen Gesellschaften von eTel sollen spätestens mit dem ersten Quartal 2007 in die TA-Gruppe konsolidiert werden. 230 der insgesamt 450 eTel-Mitarbeiter sind in Österreich, der Rest in Osteuropa. "Ich sehe derzeit keine großen Redundanzen, zumal eTel vor allem bei klein- und mittelständischen Unternehmen stark ist", so Fischer.

"Ein ausgezeichneter Partner"

eTel habe mehrere strategische Optionen für die Weiterentwicklung geprüft, bemerkte der Aufsichtsratsvorsitzende der eTel Group, Bernard Somers, zum Verkauf. Die TA sei "ein ausgezeichneter Partner" und der Verkauf biete substanzielle Chancen für die Weiterentwicklung der eTel-Gesellschaften. Ziel werde es sein, Arbeitsplätze, Qualität und Wachstum sowie das Geschäft von eTel im Wholesale- und Retail-Businessbereich zu erhalten, sagte eTel-Österreich-Geschäftsführer Achim Kaspar.

Einkaufstouren

Die eTel-Gruppe hat Tochtergesellschaften in Wien/Eisenstadt, Frankfurt, Bratislava, Prag, Budapest und Warschau. In den vergangenen Jahren hatte eTel zahlreiche Unternehmen übernommen, darunter die RSL Com, die Internetprovider MCN GmbH der Stumpf-Gruppe sowie Tera Com, die European Telecom, den österreichischen Provider comquest, den burgenländischen Internetprovider yc net:works sowie zuletzt den österreichischen B2B-Internet-Provider EUnet.

1999 gegründet

eTel bietet Sprachtelefonie, Internet und Datendienste an, agiert in Kooperation mit dem Handynetzbetreiber One zudem als virtueller Mobilfunkanbieter in Österreich und betreibt Wholesale-Geschäfte in Mittel- und Osteuropa. (APA)

  • Firmenchef Bernard Somers und eTel-Österreich-Chef Achim Kaspar

    Firmenchef Bernard Somers und eTel-Österreich-Chef Achim Kaspar

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