"Wir wollten ein Zeichen setzen"

9. Februar 2007, 12:11
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Michael Mattes, Innungsmeister der Wiener Installateure, im derStandard.at- Gespräch über die Kollektivvertrags-Verweigerung und die Rahmenbedingungen

Die Wiener Installateurinnung ließ vor kurzem mit der Weigerung aufhorchen, die neuen Kollektivverträge nicht annehmen zu wollen. Laut Verhandlungsergebnis müssten die Mindestlöhne ab 1. Jänner 2007 um 2,6 Prozent steigen, die Ist-Löhne um 2,4 Prozent und die Lehrlingsentschädigungen um 2,6 Prozent. Die Innung will aber nur eine Erhöhung der Mindestlöhne von maximal 2,3 Prozent, der Ist-Löhne um 2,0 Prozent sowie eine "Null-Lohnrunde", sprich keinerlei Lohnerhöhung, für die Lehrlinge.

"Es geht nimmer", begründete Innungsmeister Michael Mattes diesen Schritt. derStandard.at sprach mit ihm.

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derStandard.at: Herr Mattes, wie geht es mit dem Kollektivvertrag weiter?

Michael Mattes: Wir haben erst einmal nicht zugestimmt, jetzt geht die Sache ans Einigungsamt. Ob das dort schon behandelt wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich nehme aber an, dass, wenn die Sache entschieden ist, die Erhöhung bezahlt werden muss.

derStandard.at: Was waren die Gründe für die Verweigerung?

Mattes: Der Wiener Innungsausschuss hat sich zu diesem Schritt entschlossen, da jahrelang nur versprochen wurde und außer neuen Forderungen nichts gekommen ist. Die Wiener Betriebe sind mit Belastungen konfrontiert, die sie von der Umgebung abhebt. Bei uns liegen zum Beispiel die Löhne weit über dem Kollektivvertrag, wir haben Belastungen durch das tägliche Verkehrschaos - Zeiten, die man nicht weiterverrechnen kann -, und es passiert rundherum nichts.
Wir Wiener Installateure sind ja nur in Wien unterwegs. Ein Kollege aus der Umgebung, der in Wien einen Auftrag annimmt, tut sich da leichter. Aber wir sind ja den ganzen Tag unterwegs, auch bei kleineren Reparaturen. Angeblich werden auch von Firmen aus den Bundesländern keine Entschädigungen für die anfallende Wegzeit an die Arbeitnehmer bezahlt.
Auch die Sache mit den Lehrlingen ist ein Riesenproblem, auf das wir immer hinweisen. Die Lehrstellen werden immer weniger. Niemand nimmt mehr Lehrlinge unter den derzeitigen Rahmenbedingungen, dass der Lehrling für drei Jahre unkündbar ist. Nachdem immer versprochen wird, dass etwas passiert, haben wir jetzt einmal gesagt: Nein, wir stimmen nicht zu. Ich glaube, es hat so was noch nicht oft gegeben - zumindest bei uns in der Branche noch nicht. Wir gehen da auf neuen Wegen.

derStandard.at: Warum diese Unzufriedenheit mit den Lehrlingen?

Mattes: Den Lehrling hat man eben einmal für drei Jahre - ob er zu brauchen ist, weiß man da noch nicht. Wenn er desinteressiert ist, hat man ihn trotzdem für drei Jahre - und das hält die meisten Betriebe davon ab, Lehrlinge zu nehmen.
Die Sache mit der Nicht-Erhöhung der Lehrlingsentschädigung haben wir da gleich angehängt, weil der Lehrling sowieso zuviel verdient. Die Betriebe müssen ja auch die Zeiten zahlen, die der Lehrling nicht im Betrieb, sondern in der Schule ist.
Ich möchte nur erwähnen, dass bei den letzten Verhandlungen die Aufnahme der gesetzlichen Probezeit-Verlängerung von zwei auf drei Monate in den KV seitens der Gewerkschaft an eine Lohnerhöhung geknüpft war. Die Verlängerung der Probezeit ist aber bereits im Berufsausbildungsgesetz geregelt gewesen.

derStandard.at: Wünschen Sie sich eine noch längere Probezeit?

Mattes: Also, wenn der Lehrling nicht gleich in die Berufsschule muss, kann man nach drei Monaten schon sagen, ob man mit ihm glücklich wird oder nicht. Außerdem sollte aber auch dem Jugendlichen die Gelegenheit gegeben werden, seinen Beruf und die Firma gründlich kennenzulernen.

derStandard.at: Die Gewerkschaft sagt, es könne nicht sein, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter für alle Schwierigkeiten der Betriebe aufkommen sollen. Was antworten Sie darauf?

Mattes: Wir sind in Kontakt mit der Gewerkschaft, im Jänner sind auch weitere Gespräche anberaumt. Grundsätzlich geht es bei der Kollektivvertrags-Erhöhung ja nur um ein paar Euro. Uns war wichtig, dass wir einmal Unterstützung kriegen. In Wien ist es teilweise wirklich schrecklich. Den Betrieben geht es ohnehin schon schlecht - laut KMU-Forschung sind 20 Prozent der Firmen mit negativem Eigenkapital unterwegs. Das Umsatzplus, das wir drinnen haben, ist hauptsächlich durch die steigenden Materialkosten bedingt.
Dazu kommen dann noch die ganzen Ein-Mann-Betriebe, die weit unter dem Preis anbieten und teilweise auch gar keine Gewerbe-Berechtigung haben. Hier muss sich jedenfalls bald gesetzlich etwas tun, weil die Strafen, die man da bekommt, sind lächerlich gering. Wenn einer erwischt wird, zahlt er seine drei-, vierhundert Euro, und die Sache hat sich erledigt. Schärfere Kontrollen gegen die organisierte Schwarzarbeit würden wir uns auch wünschen. Die KIAB (Anm: Kontrolleinheit gegen illegale Arbeitnehmerbeschäftigung) kontrolliert ja nur, ob Ausländer eine Beschäftigungsbewilligung haben. Ob auch eine Gewerbeberechtigung vorliegt, wird schon nicht mehr geschaut.
Aber das brennendste ist das Lehrlingsproblem: Die Jugendlichen sind auf der Straße, und dann fehlen die qualifizierten Arbeitsplätze.

derStandard.at: Ihre Vorschläge dagegen?

Mattes: Mein Vorschlag wäre gewesen, dass man den Lehrvertrag nicht mehr für drei Jahre, sondern nur noch für ein Jahr abschließt. Wenn alles passt, wird wieder für ein Jahr verlängert. Weiters sehe ich einen Handlungsbedarf bei den öffentlichen Auftraggebern vom praktizierten Billigstbieter- zum Bestbieterprinzip zu wechseln, wobei wir fordern, dass ausbildende Betriebe einen Bonus erhalten.

derStandard.at: Andere Berufe, für die der selbe Kollektivvertrag gilt (zB Elektriker oder Spengler), bekommen die Erhöhung - fürchten Sie jetzt nicht, den "Schwarzen Peter" umgehängt zu bekommen?

Mattes: Wir warten vorerst die Gespräche im Jänner ab. Grundsätzlich möchte ich feststellen, dass sich kein Betrieb von einem qualifizierten Arbeitnehmer trennt. Auch ist es notwendig, dass ein Betrieb kostendeckend arbeitet und einen Gewinn erwirtschaftet. Nur so können Arbeitsplätze geschaffen und erhalten werden. Bei unserer Zustimmungsverweigerung zur Lohnerhöhung geht es darum, ein Zeichen zu setzen, durch eine zeitgemäße Anpassung des KV die Betriebe zu entlasten. Dies würde meiner Meinung nach auch ein Anreiz für die Betriebe sein, wieder vermehrt Lehrlinge auszubilden.

derStandard.at: Haben Sie auch Zuspruch bekommen?

Mattes: Ja, wir haben in Form von Mails und Briefen viel Unterstützung bekommen. Jetzt werden wir einmal schauen, was das Ganze ergibt. Es ist ein Versuch.

  • Michael Mattes vertritt als Wiener Innungsmeister rund 950 Betriebe der Branchen Sanitär, Heizung und Lüftung in Wien.
Die Fragen stellte Martin Putschögl.
    foto: mattes

    Michael Mattes vertritt als Wiener Innungsmeister rund 950 Betriebe der Branchen Sanitär, Heizung und Lüftung in Wien.

    Die Fragen stellte Martin Putschögl.

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