Mehr Umsatz, weniger Läden

15. Jänner 2007, 20:10
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Heimischer Einzelhandel steigerte dank positiver Konjunktur und steigenden Pro-Kopf- Verbrauchs 2006 den Umsatz um 2,1 Prozent

Wien - Der österreichischen Einzelhandel hat dank der positiven Konjunktur und des steigenden Pro-Kopf-Verbrauchs 2006 seinen Umsatz um 2,1 Prozent - und damit ähnlich stark wie in den vergangenen zwei Jahren - auf rund 53 Mrd. Euro gesteigert. Der Lebensmittelhandel erwirtschaftete dabei mit rund 15 Mrd. Euro den größten Anteil - nämlich knapp 30 Prozent - vom Gesamtumsatz, geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Marktforschers Regioplan hervor.

An zweiter Stelle hinter dem Lebensmittelhandel liegt - weit abgeschlagen mit einem Anteil von 7,7 Prozent - der Bekleidungshandel, gefolgt vom Möbelhandel mit 7,4 Prozent. Dahinter folgen die Branchen Elektro (6,9 Prozent), Apotheken (5,4 Prozent), Baumärkte (4,4 Prozent), Drogerie- und Parfümerie (3,8 Prozent), Sportartikel (2,5 Prozent), Schuhe (2,2 Prozent) und Tabakwaren (1,9 Prozent). Der große Anteil des Lebensmittelhandels am gesamten Einzelhandelsumsatz liege darin begründet, dass zum einen für Ernährung am meisten ausgegeben werde und zum andern der Lebensmittelhandel immer mehr Kompetenzen aus anderen Branchen übernehme, so Regioplan. Mittlerweile könne man auch Computer, Fernseher, Geschirr oder Fahrräder im Supermarkt kaufen.

Ausgezeichnete Versorgung mit Handelsflächen

Im internationalen Vergleich ist Österreich laut Studie ausgezeichnet mit Handelsflächen versorgt. Die höchste Verkaufsflächendichte im Einzelhandel hat die Niederlande mit 1,88 Quadratmeter pro Einwohner, gefolgt von Luxemburg (1,82 Quadratmeter). Österreich liegt auf Platz drei mit einer Dichte von 1,78 Quadratmeter. Hinter Österreich liegen Deutschland, die Schweiz, Tschechien, Polen, Italien, Ungarn, Frankreich und Großbritannien (0,72 Quadratmeter).

Fast alle Einzelhandelsbranchen haben in Österreich heuer ein Umsatzwachstum verzeichnet. Dabei kam es wieder zu einem Flächenzuwachs, obwohl die Anzahl der Standorte weiter sinkt. Drei wesentliche Trends prägen die Branche, so die Marktforscher: Zum einen verlieren die Einzelkämpfer - sprich die selbstständigen Händler, die nicht in Kooperationen oder Franchise-Systemen organisiert sind - weiter an Boden, der Filialisierungsgrad steigt. Zum zweiten werden die Outlets immer größer. Knapp 50 Prozent aller neuen Standorte sollen größer sein als 200 Quadratmeter, vor zwei Jahren lag dieser Wert noch unter 20 Prozent. Drittens werden die Umsatzzuwächse fast nur noch über Flächenexpansion erreicht.

Produktivste Branchen

Trafiken und Juweliere sind im Vergleich die produktivsten Branchen, die mit geringer Verkaufsfläche auskommen und dennoch viel umsetzen. Doch durch Schmuggelhandel, Rauchverbote und sinkende Ausgaben für Tabakwaren werden Trafiken künftig vermehrt auf andere Sortimente setzen müssen, meinen die Marktforscher. Die Trafiken erwirtschaften durchschnittlich rund 13.000 Euro Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche, rund 70 Prozent davon werden mit Tabakwaren gemacht, der Rest mit Zeitungen, Rubbellosen oder Handy-Wertkarten. Die Österreicher geben allerdings immer weniger für Zigaretten & Co aus, heuer waren es bereits um 10 Prozent weniger als im letzten Jahr. Knapp 8.000 Euro pro Quadratmeter setzen die Juweliere mit Uhren und Schmuck um, doppelt soviel wie etwa der Drogerie- und Parfümeriehandel. (APA)

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    foto: standard/fischer
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