Farbenfroher Jazz aus Südafrika

16. Februar 2007, 15:01
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Hugh Masekela: "Still Grazing"

Die Karriere des südafrikanischen Trompeters Hugh Masekela könnte eindrucksvoller nicht sein - er hatte internationale Hits, arbeitete mit Bands aus der ganzen Welt zusammen und spielte mit afrikanischen, afroamerikanischen, europäischen und verschiedenen amerikanischen Musikern. Der charismatische und farbenfrohe Klang Masekelas ist unverkennbar und fand nicht nur Eingang in den Jazz sondern auch in Pop, R&B, Disco, Afropop und in die so genannte World Music.

Im Alter von 14 Jahren begann Masekela in der Jazzband des Anti-Apartheid-Aktivisten und anglikanischen Priesters Trevor Huddleston in Johannesburg Trompete zu spielen. Als Huddleston aufgrund seines politischen Engagements außer Landes verwiesen wurde, gründete Masekela seine eigene Band und spielte später gemeinsam mit Abdullah Ibrahim (damals Dollar Brand), Makaya Ntshoko, Jonas Gwanga und Kippie Moeketsi bei den "Jazz Epistels", deren besonderer Stil von den amerikanischen Jazz-Platten der fünfziger Jahre und von der Musik der Townships beeinflusst wurde.

Das Massaker der südafrikanischen Polizei in der Township Sharpeville im März 1960 löste auch bei den südafrikanischen Musikern eine große Verunsicherung aus. Der immer repressiver werdende Apartheidstaat begann über die Einschränkung des Versammlungsrechtes auch Konzerte zu verbieten, worauf sich viele Bands auflösten. Mit der Hilfe von Musikern wie Dizzy Gillespie, John Dankworth und Harry Belafonte gelang Masekela gemeinsam mit Miriam Makeba, mit der er vier Jahre verheiratet war, ein Jahr vor Ibrahim und Sathima Bea Benjamin 1961 die Ausreise aus Südafrika.

In den USA studierte Masekela an der Manhattan School of Music und feierte Anfang der sechziger Jahre bald erste Erfolge. Über Dizzy Gillespie lernte er auch Miles Davis kennen, der ihm riet, seinen eigenen Sound und die besondere Spielweise beizubehalten. Masekela entwickelte auch eine ganz eigentümliche Stilmischung mit der er in den USA bald große Erfolge feierte und Ende der 60er Jahre vor restlos ausverkauften Konzerten spielte.

Die Compilation "Still Grazing" beginnt in dieser Schaffensphase Masekelas mit seinen ersten Aufnahmen bei MGM im Jahr 1966. Obwohl Masekela sein Spiel oft vereinfachen musste, um es den Pop-Schablonen von MGM anzupassen, sind ihm etwa mit "Up, Up, and Away" sehr jazzige Nummern gelungen. Ende der sechziger Jahre zog Masekela nach Kalifornien und gründete dort seine eigene Plattenfirma Chisa Records, womit ihm der kommerzielle Erfolg seines größten Hits "Grazing in the Grass" voll zugute kam.

Die Nummer "Grazing in the Grass" war eigentlich gar nicht geplant und sollte nur ein zusätzlicher Track auf dem Album "The Promise of a Future" werden. Besonders macht die Nummer der Klang einer Kuhglocke, die bei einer Aufnahmesession vergessen worden war. Weder der Produzent Stewart Levine noch die Musiker glaubten, dass die Nummer ein Hit werden würde. Im Sommer 1968 war der Song in den USA für zwei Wochen Nummer eins in der Pop-Hitparade und für vier Wochen Nummer eins in der R&B-Hitparde.

"Grazing in the Grass" sollte jedoch Masekelas letzter Pop-Hit bleiben, da sich der Musiker in den 70er Jahren wieder stärker seiner afrikanischen Wurzeln zu besinnen begann. "Who's Gold is this that I work for", fragt eine Stimme auf der Nummer "Gold", die er den afrikanischen Arbeitern in den Gold- und Diamantenminen widmet, die meist völlig unterbezahlt tief unter der Erde schuften. "Languta" entstand während einer Session 1973 in Lagos, der Hauptstadt Nigerias, wo er kurze Zeit mit Fela Kuti zusammen arbeitete. In seiner Heimatstadt Witbank wurde Masekela schon früh mit dem Elend der Arbeiter in den Kohleminen konfrontiert. In "Stimela", der letzten Nummer der Compilation gibt er berührend diese Eindrücke wieder. "Stimela" wurde von den Arbeitern der Zug genannt, mit dem die Steinkohle aus den Bergwerken transportiert wurde.

"Still Grazing", erschienen 2004 gemeinsam mit Masekelas gleichnamiger Autobiographie, ist eine sehr ausgewogene Zusammenstellung der Höhepunkte von Masekelas musikalischen Schaffen bis Mitte der siebziger Jahre. Das Besondere an der Compilation ist auch, dass sie von dem Original-Produzenten Stewart Levine zusammengestellt wurde, mit dem Masekela Chisa Records gründete und viele Jahre zusammenarbeitete. (Georg Bacher)

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