Pionierinnen der Gleichstellung

15. März 2007, 17:01
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Die Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck ist ein neuer Schwerpunkt, um Projekte zu entwickeln

"Man wird nicht als Frau geboren, zur Frau wird man gemacht", schrieb Simone de Beauvoir, frühe Feministin, und brachte so "das Sex-Gender-System zu einer Zeit auf den Punkt, als von Genderforschung noch nicht die Rede war", meint Erna Appelt, Sprecherin des neu gegründeten interfakultären Forschungsschwerpunkts "Geschlechterforschung. Identitäten-Diskurse-Transformationen" an der Universität Innsbruck.

Der neu gegründete Forschungsschwerpunkt entstand mit dem Ziel, Projekte zu entwickeln. Im Projekt "Bertha von Suttner - revisited", das Ende 2006 fertig wird, hinterfragten Appelt und ihr Team das gängige Bild von der "etwas naiven Frau, die sich für Frieden einsetzt und auf der 1000-Schilling- Note abgebildet war". Mit neuen Quellen konnte nachgewiesen werden, dass Suttner eine echte Pionierin war, die für ihre Idee quer durch die USA und Russland reiste. Militarismus, Antisemitismus und Antifeminismus standen ihrem Wirken entgegen. Sie war umstritten, wurde lächerlich gemacht und erst nach 1945 die Integrationsfigur, die heute die Zwei-Euro-Münze ziert.

Situation vergleichen

Beim EU-Projekt "Women in European Universities" arbeitete Appelt mit Sozialwissenschafterinnen in Deutschland, Polen, Schweden, Großbritannien, Frankreich und Spanien zusammen, um die Situation an den Unis zu vergleichen. "Wir haben gefragt, warum Frauen im Wissenschaftsbetrieb in manchen Ländern stärker benachteiligt sind, sowie Bedingungen und Maßnahmen zur Gleichstellung beleuchtet." Dabei zeigte sich, dass in den ehrwürdigen Elite-Unis in England die geschlechtsspezifische Diskriminierung mit den Strukturen zusammenhängt und indirekt bewerkstelligt wird: Dem Eliteclub kann man nur auf Empfehlung beitreten und mit dem nötigen Geld. Die Situation ist für Frauen an öffentlichen Unis besser, vor allem, wenn auf die Vereinbarkeit von Familie und Karriere geachtet wird. In Lehre und Forschung gibt es "viele Möglichkeiten, Geschlechtergerechtigkeit zu berücksichtigen", so die Politikprofessorin, "von der Sprache bis zur Überprüfung, ob - oberflächlich betrachtet - neutrale Maßnahmen Männer indirekt bevorzugen und damit Frauen benachteiligen".

Die steigendenen Absolventinnenzahlen freuen sie: "Als gelernte Historikerin bleibe ich optimistisch, denn ich weiß, wie lange Dinge dauern können." Im Anschluss an einen Workshop im Juli haben die Innsbrucker den Status quo aus Sicht ihrer Disziplinen in einer Publikation dargelegt: von der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre über Theologie, Philologie, Psychologie bis Soziologie, Bildungs- und Politikwissenschaften.

Was Erna Appelt an der Leopold-Franzens-Uni noch abgeht: "Es ist fast hinterwäldlerisch, dass wir kaum Beteiligung der Rechtswissenschaften haben." Vielleicht ändert ja der neue Schwerpunkt etwas daran. (DER STANDARD, Printausgabe 20.12.2006)

  • Straßenschilder wurden im 
Zeichen von Gender Mainstreaming schon umgestaltet. 
An besseren Bedingungen 
für Forscherinnen wird 
noch gearbeitet.
    illustration: karin gsöllpointner
    Straßenschilder wurden im Zeichen von Gender Mainstreaming schon umgestaltet. An besseren Bedingungen für Forscherinnen wird noch gearbeitet.
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