Gewalttätige Computerspiele machen Kinder nicht aggressiv

30. März 2007, 11:29
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Studie belegt aktive Mediennutzung

Die blutigen Amokläufe von Littleton im Jahr 1999 und am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt 2002 sollen Folgen des jahrelangen Konsums von sogenannten 'Killerspielen' gewesen sein, so die weitläufige Meinung der Medien. In der Wissenschaft ist diese Annahme jedoch eher umstritten, da seit Beginn der Medienwirkungsforschung noch kein kausaler Zusammenhang zwischen dem Verhalten und dem Konsum von medialen Inhalten nachgewiesen werden konnte. Neue Forschungsergebnisse der Freien Universität Berlin haben nun gezeigt, dass sich Kinder ihre Videospiele nach ihrem individuellen Verhaltensmuster aussuchen.

Aggressive Kinder

Im Zuge der Studie wurden über 270 Pflichtschulkinder im Alter von acht bis 13 Jahren zu dem Thema Computerspiele, im Abstand von einem Jahr zweimal befragt. Darüber hinaus wurden die einzelnen Schüler von ihren Klassenkammeraden und Lehrern auf ihre Aggressivität hin bewertet. "Wir haben festgestellt, dass gewalttätige Computerspiele die Kinder nicht aggressiver machen, sondern dass aggressive Kinder zu gewalttätigen Computerspielen tendieren", erklärt Caroline Oppl, eine der beiden Leiterinnen der Studie, im Gespräch mit pressetext. Jungs mit einem aggressiven Verhalten tendierten eher zu Gewaltspielen. Mädchen mit 'relational aggressivem Verhalten', die tendenziell mehr lügen und intrigieren, gaben eher Rollenspiele als Lieblingsspiele an.

Nicht berücksichtigt wurde das soziale Umfeld der Kinder. "Uns war es verboten, die Kinder nach ihrem familiären und sozialen Umfeld zu befragen", führte Oppl gegenüber pressetext aus. Die Kinder wurden jedoch nach ihren Wohnbezirken in Berlin pauschal eingeteilt. "Es haben sich aber keine Unterschiede zwischen den sozialen Milieus gezeigt", erklärt Oppl.

UKS

Gewalttätige Computerspiele wurden nur von den wenigsten Kindern als Lieblingsspiele angegeben. Bestätigt wurde aber auch, dass viele der Computerspiele erst ab 16 bzw. 18 Jahren freigegeben waren. Nur ein geringer Teil der Kinder beschäftigt sich demnach mit Spielen, die von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (UKS) ihrem Alter entsprechend freigeben sind. Hierzu zählen auch 'Egoshooter'-Spiele, bei denen der Spieler in die Rolle des Helden schlüpft und seine Identität im Spiel annimmt. Spiele wie 'Moorhuhn', das ab sechs Jahren freigeben ist, oder Killerspiele wie 'Doom' zählen, nach Meinung der Forscher, ebenso zu dieser Kategorie.

Mehrheitlich als Lieblingsspiele wurden vor allem Rollen-, Lern- und so genannte Jump&Run-Spiele, die entweder Geschicklichkeit oder Rätsellust verlangen, angegeben.(pte)

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