Immer mehr Kinder sexuell ausgebeutet

15. März 2007, 16:38
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Bis zu 4500 Österreicher haben laut Schätzungen im Ausland Sex mit Minderjährigen: Nur eines von 1000 Verbrechen aufgeklärt

Wien - In Österreich prostituieren sich nach Schätzungen etwa 1000 Kinder und Jugendliche. Allein in Wien gehen 200 Minderjährige auf den Strich, sagte Astrid Winkler von der Kinderschutzorganisation ECPAT Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Laut Bundeskriminalamt wurden heuer sechs Fälle von Kinderprostitution bekannt. Im Vorjahres waren es vier. Auch pornografische Darstellungen im Internet sind in Österreich ein Problem: Im Vorjahr wurden mehr als 900 strafrechtlich relevante Fakten registriert. "95 Prozent davon haben Kinderpornografie betroffen", sagt Helmut Sax vom Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte.

2500 bis 4500 Männer aus Österreich haben laut Schätzungen der Organisation im Ausland Sex mit Minderjährigen - das entspricht etwa zehn oder mehr Flugzeugen voll Pädophiler. Auf ein bekannt gewordenes Delikt dürften laut Polizei 1000 kommen, die unentdeckt bleiben.

Österreichische Sextouristen seien zunehmend in grenznahen Ländern unterwegs. "Tschechien ist ein Problemgebiet", sagte Astrid Winkler. Aber auch die Schwarzmeerküste werde zu diesen Zweck immer häufiger von Österreichern frequentiert. Oft werde Kinderprostitution dort als Begleit-Service getarnt.

Kinderhandel und -prostitution haben in den vergangenen Jahren international zugenommen, hieß es. Immer öfter ist Prostitution von Buben zu bemerken, sagte Alessia Altamura von ECPAT International. Vor allem in Bangladesch, Pakistan und Indien werden sie zu Sex-Opfern. Die traditionellen Destinationen Thailand und die Philippinen werden von europäischen Kindersextouristen nun gemieden - sie weichen nach Indonesien oder Kambodscha aus.

In westlichen Ländern wird laut ECPAT das Phänomen der "freiwilligen Prostitution" beobachtet: Jugendliche verkaufen ihren Körper wegen des gestiegenen Konsum- und Kaufdrucks. Häufiger werde auch die so genannte "peer-to-peer"-Ausbeutung, bei der Jugendliche Pornovideos von Gleichaltrigen am Handy machen und diese verbreiten.

Eine Sonderkommission der Polizei im deutschen Regensburg hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von Kinderschändern auffliegen lassen, einer der Verdächtigen soll ein 59-jähriger Wiener sein. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe 20.12.2006)

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    Kinderhandel und -prostitution haben in den vergangenen Jahren international zugenommen, immer öfter ist auch Prostitution von Buben zu bemerken.
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